Automatisierung Aus der Zukunft in die Gegenwart

Redakteur: Ute Drescher

Die Industrie blickt erwartungsvoll in die digitale Zukunft. Ein Automobilhersteller zeigt mit der Produktion seines Premiummodells, dass der Schritt zur vollständigen Vernetzung nicht mehr groß ist.

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Dr. Michael Niemeyer, Leiter Fertigungsplanung Automatisierung bei der Audi AG in Neckarsulm: „Eine durchgängige Steuerungs- und Antriebstechnikplattform gemäß TIA ist der Schlüssel zur weiteren Effizienzsteigerung in der Automobilproduktion.“
Dr. Michael Niemeyer, Leiter Fertigungsplanung Automatisierung bei der Audi AG in Neckarsulm: „Eine durchgängige Steuerungs- und Antriebstechnikplattform gemäß TIA ist der Schlüssel zur weiteren Effizienzsteigerung in der Automobilproduktion.“
(Bild: W.Geyer/Siemens AG)

Die Automobilindustrie ist ein Premium-Segment technischer Entwicklungen. Das gilt für das Endprodukt und für die Produktionstechnik. Die Analogie zwischen der Konstruktion der Fahrzeuge und dem Aufbau der Fertigungsprozesse ist unübersehbar: Standardisierung der Komponenten im Auto – Standardisierung in der Automatisierung mit TIA, einheitliche Bordnetz-Kommunikation – Industrial Communication mit Profinet für alle Anwendungen, Start-Stopp-Automatik – Profienergy in Pausenzeiten, Energierückgewinnung bei Bremsvorgängen – Energierückspeisung ins Netz durch Umrichter. An vielen weiteren Stellen zeigen sich die Vorteile, die Systemdurchgängigkeit und moderne Techniken mit sich bringen: komfortable Fahrzeugdiagnose – integrierte Diagnosefunktionen bis in die Feldebene, adaptive Sicherheitssysteme – integrierte Safety-Funktionen. Das zeigt, dass Automobilindustrie und industrielle Systemlösungen im Gleichklang schwingen.

Im Zuge der Errichtung neuer Produktionshallen für den Audi A8 wurden folgende Eckpunkte gefordert: geringerer Engineering-Aufwand, Energieeinsparung, weitere Erhöhung der Verfügbarkeit und Kosteneinsparungen.

Engineering: Ein Tool für alles

„Diese Ziele haben wir mit einer einheitlichen Automatisierungsplattform gemäß Totally Integrated Automation erreicht“, so Dr. Niemeyer, Leiter Fertigungsplanung Automatisierung bei der Audi AG in Neckarsulm. Ein entsprechendes Vorbild, die Standardisierung von Bauteilen und Montagestrategien, führt im Automobilbau seit vielen Jahren zu einem spürbaren Effizienzgewinn. Analog dazu durchzieht nun der TIA-Leitgedanke die neue Produktionslinie – von der Steuerungstechnik bis zur Antriebstechnik. Im Zentrum der Automatisierung in Neckarsulm steht das Engineering-Framework TIA Portal von Siemens. Programmierung, Parametrierung, Visualisierung und Diagnose lassen sich mit dem Standard auf einer einheitlichen Plattform umsetzen. Den können auf globaler Ebene auch andere Werke nutzen. Das gilt für die Steuerungstechnik sowie für die Schalt- und Antriebstechnik plus der integrierten Sicherheitstechnik.

„Unsere mit komplett neuer Technik in Betrieb genommene Montagehalle zeigt beispielhaft, was heute in puncto Standardisierung alles möglich ist“, berichtet Dirk Bönisch, Abschnittsleiter Wagenmontage A8 bei Audi in Neckarsulm. Durch den Einsatz von TIA Portal ließ sich beispielsweise der Engineering-Aufwand um etwa 10 % reduzieren. Dabei sind sämtliche Simatic-S7-1500-Steuerungen an das übergeordnete Leitsystem angeschlossen. Anders als bisher liefert jede einzelne Steuerung ohne zusätzlichen Programmieraufwand detaillierte Diagnoseinformationen über TIA Portal an das übergeordnete Leitsystem.

Und nicht nur dorthin: So gibt es in der Linie selbst eine eigene Maintenance-Station, an der das Bedienpersonal sofort Updates ermitteln kann. Bei größeren Maßnahmen wird heute automatisch die Instandhaltungsabteilung per Pager oder SMS benachrichtigt. Die Erfahrung zeigt: „Durch das transparente Informations-Handling lassen sich bis zu 5 % der Meldungen vom Bedienpersonal selbst erledigen“, betont Jens Baumann aus der Abteilung Automatisierungstechnik, Lackiererei, Montage, Fördertechnik, Schraubtechnik. So konnten aufgrund der gemeinsamen Datenbasis der einzelnen Programmmodule im TIA Portal die Systemzugriffszeiten reduziert werden. Denn: Die vollintegrierte Bedienoberfläche ist anwenderfreundlich und die Datenverwaltung auf einem gemeinsamen Speicher möglich.

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