Tipps Antriebssysteme richtig auslegen und überwachen

Quelle: Pressemitteilung 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Fünf Tipps für die Antriebstechnik: Erfahren Sie, was die L10-Berechnung bei Kugelgewindetrieben aussagt – und was nicht; wie Sie Fehler bei der Auslegung von Linearführungen und Elektrozylindern vermeiden; was bei der Auswahl der Servokupplung zu beachten ist und wie Sie Verschleiß an Antrieben sichtbar machen, bevor es kritisch wird.

Wir haben Spezialisten aus der Antriebstechnik um Tipps und Tricks gebeten, mit denen sich die Auslegung und die Laufzeit von Antriebssystemen verbessern lässt.(Bild:  Countrypixel - stock.adobe.com)
Wir haben Spezialisten aus der Antriebstechnik um Tipps und Tricks gebeten, mit denen sich die Auslegung und die Laufzeit von Antriebssystemen verbessern lässt.
(Bild: Countrypixel - stock.adobe.com)

Wir haben Spezialisten für Antriebstechnik um Tipps für die Konstruktion und Entwicklung gebeten. Das sagen die Expertinnen und Experten: 

Kugelgewindetriebe: Was die L10-Berechnung aussagt – und was nicht

„Wie zuverlässig ist meine Maschine und wann muss ich mit dem ersten Ausfall rechnen?“ Wer Antriebskomponenten auslegt, stößt früher oder später auf diese Frage. Beim Kugelgewindetrieb lässt sie sich nicht pauschal beantworten, denn die Lebensdauer ist keine feste Größe, sondern das Ergebnis mehrerer Einflussfaktoren.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der theoretischen L10-Lebensdauer und der tatsächlichen Einsatzdauer. Die L10-Lebensdauer gibt an, welche Laufleistung 90 Prozent einer Baureihe unter definierten Bedingungen erreicht, bevor erste Ermüdungserscheinungen auftreten, angegeben in Millionen Umdrehungen oder Betriebsstunden. Die tatsächliche Einsatzdauer kann davon erheblich abweichen, und zwar in beide Richtungen!

Kugelgewindetriebe
Die tatsächliche Einsatzdauer eines Kugelgewindetriebs kann kürzer oder länger sein als die theoretische L10-Lebensdauer. Sie ergibt sich unter anderem aus der Auslegung und den Betriebsbedingungen.
(Bild: Kammerer Gewindetechnik)

Maßgeblich sind vor allem Belastung, Drehzahl, Schmierung und Umgebungsbedingungen. Überhöhte Kräfte beschleunigen den Verschleiß überproportional. Unzureichende oder falsche Schmierung gehören zu den häufigsten Ausfallursachen. Verschmutzung und Feuchtigkeit greifen die Laufbahn und Kugeln an. Auch Montagefehler oder Fluchtungsabweichungen erzeugen Zusatzlasten, die an der ursprünglichen Auslegung nicht berücksichtigt sind, was zu spürbaren Folgen für die Lebensdauer führt. Typische Warnsignale für Handlungsbedarf sind ungewohnte Geräusche und nachlassende Positioniergenauigkeit!

Ein korrekt ausgelegter und regelmäßig gewarteter Kugelgewindetrieb übertrifft die berechnete L10-Lebensdauer häufig deutlich. Voraussetzung ist, dass die tatsächlichen Betriebsbedingungen den Auslegungsannahmen entsprechen. Die Lebensdauer ist kein Zufallswert; sie ist das Resultat einer durchdachten Auslegung und eines bewusst gesteuerten Betriebs. Wer bereits in der Konstruktion auf realistische Lastannahmen, ein geeignetes Schmierkonzept und sorgfältige Montage setzt, reduziert Stillstandzeiten und steigert die Maschinenverfügbarkeit.

Lebensdauer von Linearführungen: Vorspannung und Schmierung optimieren

Viele Fachleute aus der Konstruktion wenden sich mit einem wiederkehrenden Problem an die Anwendungsberatung: Linearführungen erreichen nicht die kalkulierte Lebensdauer oder zeigen frühzeitig Laufgeräusche und erhöhten Verschleiß. In der Praxis liegen die Ursachen häufig in einer nicht optimal abgestimmten Vorspannung oder einem unzureichenden Schmierkonzept.

Ein typischer Auslegungsfehler ist: Die Vorspannung wird zu hoch gewählt, um maximale Steifigkeit zu erzielen. Tatsächlich führt eine überhöhte Vorspannung zu steigenden Reibkräften, höherer Wärmeentwicklung und damit zu beschleunigtem Verschleiß. Moderne Linearführungen – wie sie beispielsweise Hiwin anbietet – sind in verschiedenen Vorspannklassen verfügbar, die exakt auf die jeweilige Anwendung abgestimmt werden können. Eine präzise Auslegung ist hier entscheidend. Digitale Auslegungstools unterstützen Anwender dabei. Damit lassen sich Belastungen, Lebensdauer und Vorspannungsvarianten bereits in der Konstruktionsphase realitätsnah simulieren und vergleichen. So können typische Überdimensionierungen oder Fehlanpassungen vermieden werden.

Collage: Linearführung und Screenshot Auslegungstool
Vorspannung und Schmierung beeinflussen die Lebensdauer der Linearführungen.
(Bild: Hiwin)

Ebenso kritisch ist die Schmierung: Zu geringe Schmiermengen oder ungeeignete Schmierstoffe sind eine häufige Ursache für vorzeitigen Verschleiß. Manche Zulieferer bieten hierfür integrierte Langzeitschmiereinheiten, die eine gleichmäßige Versorgung sicherstellen und Wartungsintervalle deutlich verlängern. Besonders bei kompakten Maschinen oder schwer zugänglichen Einbausituationen empfiehlt es sich, auf solche intelligenten Systemlösungen zurückzugreifen. In Kombination mit digitalen Auslegungstools entsteht so ein durchgängiger Engineering-Ansatz – von der Simulation bis zum langlebigen Betrieb.

Praxis-Tipp: Nutzen Sie frühzeitig digitale Auslegungshilfen und Hersteller-Know-how, um Vorspannung, Belastung und Schmierung optimal abzustimmen. Das reduziert nicht nur den Wartungsaufwand, sondern steigert die Leistungsfähigkeit der Anwendung.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

So finden Sie eine passende Servokupplung und vermeiden Ausfälle

Häufig werden Servokupplungen bei der Systemauslegung zu spät ausgewählt und erfüllen dann nicht die komplexen Anforderungen. Eine frühzeitige Auswahl senkt die Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Kupplungsausfälle. Bei der Kupplungsauswahl sind eine Reihe von Kriterien zu beachten, darunter Einsatzzweck, Drehmoment, Verlagerung, Formsteifigkeit, Trägheitsmoment, Drehzahl, Wellenmontage, Umweltfaktoren, Platzeinschränkungen, Betriebsfaktoren und Kosten.

Bei der Auslegung und Auswahl ist es wichtig, die Kupplung auf die Verlagerungsart oder vorhandene Mehrfachverlagerungen abzustimmen. Es kann eine Winkel-, Parallel- oder Axialverlagerung der Welle vorliegen. Bei mehreren Verlagerungen, also einer komplexen Verlagerung, ergeben sich zusätzliche Komplikationen. 

Lamellenkupplungen (links und oben), Balgkupplungen (Mitte) und Schlitzkupplungen (rechts, unten und links unten).
Verschiedene Kupplungen von Ruland zur Übertragung hoher Drehmomente, die für den Einsatz in Präzisionssystemen geeignet sind: Lamellenkupplungen (links und oben), Balgkupplungen (Mitte) und Schlitzkupplungen (rechts, unten und links unten).
(Bild: Ruland Manufacturing )

Übermäßige Verlagerungen zwischen verbundenen Wellen gehören zu den Hauptgründen für Kupplungsausfälle, denn hier entstehen Belastungen, für welche die Kupplung nicht ausgelegt ist. Außerdem ist zu bedenken, dass eine Kupplung, die sich bei Verlagerung verbiegen soll, Lagerbelastungen verursacht. Wird das Drehmoment des Motors nicht ausreichend berücksichtigt, werden Kupplungen häufig für zu geringe Belastungen ausgelegt. Bei der Konstruktionsauswahl ist nicht nur das stationäre Drehmoment zu beachten, sondern auch kurzfristige Drehmomentspitzen, besonders bei wechselndem Drehmoment im Start-Stopp-Betrieb. 

Bei allen Kupplungen sind Aufwickeleffekte zu berücksichtigen, auch Drehelastizität oder Verdrehsteifigkeit genannt, also Verdrehungen zwischen dem Antriebselement und der Last. Die Kupplung wird dabei wie eine Feder in sich gedreht. Bei einer Servoanwendung kann das zu Problemen bei der Positioniergenauigkeit führen. Bei Spiel in einem Antriebssystem wird die Kraftübertragung zwischen dem Antriebselement und der Last unterbrochen oder getrennt. Spiel ist in Servoanwendungen nicht hinnehmbar. Die Folgen wären mangelnde Positioniergenauigkeit und Schwierigkeiten bei der Abstimmung des Systems. 

Elektrische Störströme können beim Ansteuern von Servosystemen ein erhebliches Problem darstellen, wenn sie zwischen dem Antrieb und den angetriebenen Komponenten fließen. Eine Trennkupplung unterbindet die Kraftübertragung bei Ausfall, während eine ausfallsichere Kupplung die Verbindung halten soll. Einige Anwendungen erfordern zum Schutz von Personen oder Anlagen ausfallsichere Kupplungen. 

Predictive Maintenance beginnt mit den richtigen Betriebsdaten

„Wer seine Antriebe kennt, schützt sie besser – und spart bares Geld“, sagt Matthias Meyering, Technischer Produktmanager bei Stöber. In der Praxis passiert jedoch oft das Gegenteil: Antriebe laufen lange unauffällig, bis es plötzlich zum Ausfall kommt. Kritische Zustände werden erst sichtbar, wenn der Verschleiß bereits entstanden ist.

Die Software steht für Stöber-Getriebemotoren mit Antriebsreglern der sechsten Generation zur Verfügung.
(Bild: Stöber Antriebstechnik )

Meyering empfiehlt deshalb das Virtual-Lifetime-Software: „Virtual Lifetime erfasst Drehzahl, Drehmoment und Betriebszeit in Echtzeit, ohne externe Sensorik oder zusätzliche Verdrahtung. Entscheidend ist: Maschinen, die dauerhaft an oder über ihrer Leistungsgrenze laufen, verschleißen schneller als nötig und das oft unbemerkt. Die Last-Matrix macht diese Zustände über die gesamte Betriebszeit sichtbar. So erkennen Sie frühzeitig, wann ein Betriebspunkt kritisch wird. Sie können eingreifen, bevor Schäden entstehen. Ungewöhnliche Betriebszustände fallen auf, solange noch Zeit ist, zu reagieren. So agieren Sie effizienter und vermeiden ungeplante Produktionsausfälle.“

Auch die Wartung wird planbar: Der Lebensleistungsindikator liefert einen konkreten Prozentwert für die verbleibende Lebensdauer. Ab erreichten 90 Prozent wird ein Austausch empfohlen. Nicht als Notfall, sondern als geplanter Eingriff. Die Daten zeigen außerdem, ob ein Antrieb überdimensioniert ist. Wird die Leistung dauerhaft nicht ausgeschöpft, lässt sich die Auslegung optimieren und Kosten sparen. „Predictive Maintenance funktioniert nur mit belastbaren Betriebsdaten“, erläutert Meyering. „Virtual Lifetime stellt diese ohne Zusatzaufwand bereit, ohne Expertenwissen und Lizenzkosten. Das Feature ist direkt nutzbar für alle Stöber-Getriebemotoren mit Antriebsreglern der sechsten Generation.“

Elektrozylinder richtig auslegen: Seitenkräfte vermeiden, Effizienz gewinnen

Ein Elektrozylinder kann nur so gut performen, wie er ausgelegt und eingesetzt wird. Zwei der häufigsten Ursachen für ineffiziente Anwendungen und vorzeitigen Verschleiß sind Querkräfte und eine ungenaue Dimensionierung – dabei lassen sich beide Herausforderungen mit durchdachter Konstruktion vermeiden.

Elektrozylinder sind primär für axiale Kräfte konzipiert. Bereits geringe Seitenkräfte können zu erhöhtem Verschleiß an Kugelgewindetrieb und Lagerung führen – im schlimmsten Fall drohen frühzeitige Ausfälle. Deshalb gilt: Querkräfte konsequent vermeiden. In der Praxis bedeutet das, externe Führungselemente einzuplanen, beispielsweise über Profilschienenführungen. Diese übernehmen Momente und seitliche Belastungen, während der Elektrozylinder ausschließlich die Vorschubbewegung ausführt. Das sorgt nicht nur für eine deutlich höhere Lebensdauer, sondern erhöht gleichzeitig die Prozessstabilität und Positioniergenauigkeit.

Collage: Elektrozylinder vor Screenshots aus einem Auslegungstool
Elektrozylinder richtig zu dimensionieren, verringert die Kosten und den Energieverbrauch einer Maschine.
(Bild: Hiwin)

Ebenso entscheidend ist die richtige Dimensionierung. In vielen Anwendungen wird aus Sicherheitsdenken überdimensioniert – das führt jedoch zu unnötig hohen Investitionskosten, gesteigertem Energieverbrauch und einer schlechteren Regelbarkeit. Stattdessen sollten reale Lastprofile, Einschaltdauer und Dynamikanforderungen in die Auslegung einfließen. Wer ausschließlich mit der maximalen Spitzenlast rechnet, vergibt wertvolles Effizienzpotenzial. Eine fundierte Auslegung ermöglicht dagegen eine optimal abgestimmte Lösung, die wirtschaftlich und technisch überzeugt.

Der wesentliche Punkt: Beide Aspekte hängen eng zusammen. Eine saubere Führung reduziert zusätzliche Belastungen und schafft die Grundlage für eine kompaktere, effizientere Auslegung. Umgekehrt kann eine falsch dimensionierte Achse zu unerwünschten mechanischen Effekten führen, die langfristig die Performance beeinträchtigen.

Praxis-Tipp: Elektrozylinder sollten stets als Teil eines Gesamtsystems betrachtet werden. Das Zusammenspiel aus Führung, Antrieb und realistischen Lastannahmen entscheidet über Effizienz und Lebensdauer. Hersteller wie Hiwin bieten hierfür abgestimmte Komponenten und Unterstützung bei der Auslegung.