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GDA Aluminiumindustrie rechnet mit spürbarer Konjunkturdelle

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Die deutsche Aluminiumindustrie schränkt Produktion im ersten Halbjahr 2020 in allen Bereichen ein. Der GDA erwartet eine leichte Belebung im zweiten Halbjahr.

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Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen. Starke Umsatzeinbrüche haben vor allem die Branchen Luftfahrt und Automobilindustrie zu verzeichnen.
Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen. Starke Umsatzeinbrüche haben vor allem die Branchen Luftfahrt und Automobilindustrie zu verzeichnen.
(Bild: Aluminium 2018)

Die deutsche Aluminiumindustrie hat im ersten Halbjahr einen erheblichen Konjunktureinbruch zu verkraften. Die Erzeugung von Rohmetall sank um mehr als 14 %, die Weiterverarbeitung und die Halbzeugproduktion jeweils mehr als 5 %.

Starke Umsatzeinbrüche in Luftfahrt und Automobilindustrie

„Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen. Die immensen Auswirkungen und die Wucht der Corona Pandemie zeigt unsere Ad-hoc-Mitgliederumfrage, die wir zum Ende des zweiten Quartals 2020 durchführten. Mit einem Anteil von 92 % ist der Auftragsmangel die bedeutendste Produktionsbehinderung. Dieser Einbruch macht sich natürlich auch in unseren Abruf- und Produktionszahlen bemerkbar“, erklärte GDA-Geschäftsführer Marius Baader.

„Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen“, so GDA-Geschäftsführer Marius Baader.
„Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des ersten Halbjahres gerissen“, so GDA-Geschäftsführer Marius Baader.
(Bild: GDA)

Viele Kundenbranchen, vor allem die Luftfahrt und die Automobilindustrie, verbuchten starke Umsatzeinbrüche. Viele Mitgliedsunternehmen mussten ihre Fertigung rasch reduzieren oder temporär ganz einstellen. Marius Baader weiter: „Die Bundesregierung hat sehr schnell Hilfspakete für die Unternehmen geschnürt. Die Reaktionsgeschwindigkeit hat den Unternehmen zu Beginn der Krise sehr geholfen.“

Bereich Rohaluminium am stärksten betroffen

In der Aluminiumindustrie ist der Bereich Rohaluminium mit 14 % Rückgang im ersten Halbjahr vom Konjunktureinbruch am deutlichsten betroffen. Die Recyclingunternehmen hatten am meisten zu leiden, deren Produkte vornehmlich beim Aluminiumformguss eingesetzt werden und damit zu 90 % an der Entwicklung der Automobilindustrie hängen. Mit den Werksschließungen der OEM im zweiten Quartal ist auch hier die Produktion größtenteils zum Erliegen gekommen. Insgesamt beträgt der Rückgang im ersten Halbjahr knapp 30 %.

Die Hersteller von Aluminiumhalbzeug mussten ihre Produktion um 5 % einschränken. Die volumenmäßig dominierenden Produktbereiche – Walzprodukte und Strangpressprodukte – sind vom Konjunktureinbruch unterschiedlich betroffen. Die Produktion der Walzwerke ging aufgrund der stabilisierenden Effekte des Verpackungsmarktes lediglich um 2,6 % zurück, während die Hersteller von Profilen, Stangen und Rohren ihre Produktion um über 12 % reduzieren mussten. Der Grund ist auch hier die starke Abhängigkeit von den Automobilwerken.

Produktionsdaten der deutschen Aluminiumindustrie (in Tonnen)

Bereich Jan.-Jun. 2019 Jan.-Jun. 2020 Veränderung ggü. Vorjahreszeitraum
Hüttenaluminium 251.400 266.200 5,9 %
Recyclingaluminium 357.900 255.700 - 28,6 %
Aluminium gesamt 609.300 521.900 -14,3 %
Walzprodukte 979.800 954.400 - 2,6 %
Strangpressprodukte 282.300 247.100 - 12,5 %
Leitmaterial + Drähte 13.200 10.200 - 22,7 %
Aluminiumhalbzeug gesamt 1.275.300 1.211.700 - 5,0 %
Folien und dünne Bänder 145.700 137.600 - 5,6 %
Tuben / Aerosol- und sonstige Dosen 21.800 21.200 - 2,8 %
Metallpulver 17.100 16.300 - 4,7 %
Al-Weiterverarbeitung gesamt 184.600 175.100 - 5,1 %
(Bildquelle: GDA und Statistisches Bundesamt; Daten teilweise vorläufig)

Die Entwicklung der Aluminiumweiterverarbeiter konnte sich dem negativen Trend ebenfalls nicht entziehen. Die Verpackungsmärkte sind zwar bisher deutlich besser durch die Krise gekommen, jedoch sind die Kapazitäten in den letzten Jahren am Standort Deutschland reduziert worden. Hierdurch fällt die deutsche Produktionsentwicklung hinter die eigentliche Marktentwicklung zurück.

Leichte Erholung im zweiten Halbjahr

Für die zweite Jahreshälfte ist der Ausblick etwas positiver: Die Automobilindustrie zeigt erste leichte Erholungstendenzen. Die Bauwirtschaft, eine der wichtigsten Kundenbranchen, hat deutlich geringere Rückgänge als erwartet zu verbuchen. Die Mitglieder des GDA rechnen mit einer leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte, allerdings bleibt das Produktionsvolumen des Jahres 2019 auf absehbare Zeit noch außer Reichweite.

Handelspolitische Lage bleibt angespannt

„Mit großer Sorge blicken wir auf den zunehmenden Handelskonflikt zwischen Europa und China. China hat in den letzten Jahren eine enorme Menge an Überkapazitäten aufgebaut. Erhebliche Teile hiervon drängen in die Europäische Union“, sagt Andreas Postler, Leiter Volkswirtschaft und Handelspolitik.

Deshalb habe die EU bereits im Februar 2020 eine Antidumpinguntersuchung zu Aluminium-Strangpressprodukten mit Ursprung in China eingeleitet. Hinzu gekommen sei aktuell (August 2020) eine neue Untersuchung von bestimmten Aluminium-Walzprodukten, welche den größten Teil der Aluminiumimporte ausmachen. „Auch China muss sich an die globalen Regeln des freien und fairen Handels halten. Deshalb begrüßen wir die Überprüfung des Verhaltens der chinesischen Aluminiumindustrie“, erläutert Postler.

Die mittelfristige Perspektive für die Aluminiumindustrie bleibt weiterhin sehr gut: „Die Nachfrage nach Aluminium wird global weiter zunehmen und auch in Deutschland ist der Bedarf anhaltend hoch. Der Werkstoff bietet innovative Lösungen für die Fragen der Zeit. Und der Standort Deutschland ist hochwettbewerbsfähig und leistungsstark. Dafür sind maßgeblich ihr hohes Innovationspotenzial und technische Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich", ergänzt GDA-Geschäftsführer Marius Baader.

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