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Deutscher Mobilitätspreis Zehn Ideen für die Mobilität von morgen ausgezeichnet

| Redakteur: Katharina Juschkat

Der Deutsche Mobilitätspreis hat zehn innovative, neue Mobilitätskonzepte ausgezeichnet – von der mobilen Arztpraxis bis zu urbanen E-Autos, die auf der Stelle wenden können. Wir stellen die Gewinner vor.

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Einer der Preisträger ist das kleine, wendige Fahrzeugkonzept „Schaeffler Mover“. Es ist rein elektrisch angetrieben und kann in urbanen Räumen zum Beispiel für flexible Transportaufgaben eingesetzt werden.
Einer der Preisträger ist das kleine, wendige Fahrzeugkonzept „Schaeffler Mover“. Es ist rein elektrisch angetrieben und kann in urbanen Räumen zum Beispiel für flexible Transportaufgaben eingesetzt werden.
(Bild: Schaeffler)

Rund 270 Unternehmen, Startups, Forschungseinrichtungen und Vereine haben sich für den Deutschen Mobilitätspreis beworben, die in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben wird. Eine Expertenjury aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik wählte die zehn besten Projekte aus – wir stellen sie vor.

Urbanes E-Auto für flexible Transportaufgaben

Das kleine und wendige Fahrzeugkonzept Schaeffler Mover ist rein elektrisch angetrieben und kann in urbanen Räumen zum Beispiel für flexible Transportaufgaben eingesetzt werden. Mit der Schaeffler-Paravan-Technologie „Space Drive“ ist die Grundlage für autonomes Fahren gegeben. Kernelement von Space Drive ist die Drive-by-wire-Funktion, die neben der Fahr- und Bremsbetätigung auch die Spurführung des Fahrzeugs rein über elektronische Stellsignale ermöglicht. Die Steuerung von Lenkung, Bremse und Gas erfolgt also über Kabel durch elektronische Impulse. Das Lenkrad und die mechanische Verbindung der Lenksäule können damit vollständig entfallen – ein Vorteil insbesondere für autonom agierende Fahrzeuge. Space Drive hat sich bereits in Fahrzeugen für Menschen mit Handicap bewährt und verfügt über eine TÜV- und Straßenzulassung.

Für eine hohe Manövrierbarkeit des Schaeffler Movers sorgen die vier Antriebsmodule: In den „Schaeffer Intelligent Corner Modules“ sind alle Antriebs- und Fahrwerkskomponenten in einer Baueinheit untergebracht – Radnabenmotor, Radaufhängung mit Federung und die elektromechanische Lenkung. Die Module ermöglichen einen Radeinschlag von bis zu 90 Grad. So lässt sich der Schaeffler Mover in engen Straßen manövrieren und sogar seitlich einparken, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. Auch ein Wenden auf der Stelle ist möglich.

Smarte Laternen mit Wlan

In Deutschland gibt es rund neun Millionen Laternen, an öffentlichen Plätzen, Straßen oder Parkplätzen. Dass alle über Stromanschluss und einige über Internetanschluss verfügen, will sich die Smart Pole Factory zunutze machen und Laternen zu intelligenten Smart Poles machen: Dabei werden die Laternen zu Ladesäulen mit freiem Wlan. Zudem könnten Sensoren Umweltdaten, Bewegungsströme und freie Parkplätze erkennen. Aktuell werden die Smart Poles in verschiedenen Städten getestet.

Das Ioki Hamburg Shuttle ist ein öffentliches Verkehrsmittel ohne festen Fahrplan oder Route. Die Idee dahinter ist, Fahrgäste mit ähnlichen Routen mithilfe eines Algorithmus automatisch zu Fahrgemeinschaften zu bündeln und gemeinsam zu befördern. Bisher sind 20 barrierefreie E-Fahrzeuge im Einsatz. Viele Fahrgäste nutzen das Shuttle, um zu einer größeren Haltestelle zu gelangen.

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Per Kopfbewegung den Rollstuhl steuern

Munevo Drive soll Menschen helfen, deren Bewegungsfreiheit durch Querschnittslähmung oder ähnlichem enorm eingeschränkt ist. Wenn selbst die Steuerung des elektrischen Rollstuhls per Hand nicht mehr möglich ist, so soll die Smart-Glass-Applikation weiterhelfen. Die ermöglicht es dem Nutzer, den Rollstuhl durch Kopfbewegungen zu steuern. Die Kopfbewegungen werden mittels Sensoren wahrgenommen und in Steuersignale umgewandelt. Auch kann der Nutzer mit der Brille ein Notsignal absetzen und Fotos schießen und versenden.

Blinde und sehbehinderte Personen stehen vor besonderen Herausforderungen, wenn sie den öffentlichen Nahverkehr nutzen wollen, denn oft fehlt eine barrierefreie Infrastruktur, die die Teilhabe ohne Unterstützung schwierig macht. Das Projekt „Sinn² – Die barrierefreie Zwei-Sinne-Fahrgastinformation“ ist eine landesweite, barrierefreie Fahrgastinformation, die immer mindestens zwei der drei Sinne Hören, Sehen und Tasten ansprechen will.

Mobile Arztpraxis gegen den Ärztemangel

In Nordhessen fährt seit letztem Jahr eine mobile Arztpraxis über die Dörfer. Der DB Medibus ist mit einem Wartezimmer, einem Labor, Behandlungsraum und Sprechzimmer ausgestattet. Auch medizinische Geräte wie Ultraschall und EKG sind an Bord. Der Arzt kann an Bord Kontakt zu Fachärzten oder Dolmetschern aufnehmen. Die Stromversorgung erfolgt über Solarzellen auf dem Dach.

Ein neues Wohnviertel in Darmstadt setzt auf moderne Mobilitätslösungen: Der Bevölkerung stehen drei „Mein Lincolnmobil“-Elektrofahrzeuge zur Verfügung, die bis zu vier Stunden pro Woche kostenlos genutzt werden können. Zudem bietet das Viertel Bike-Sharing, E-Lastenräder und mehr und will mit dem ganzheitlichen Ansatz den Weg zur Smart City ebnen.

Eine App für alles

Um all die verschiedenen Mobilitätsangebote unter ein Dach zu bekommen, ist „Jelbi“ entwickelt worden. Die App zeigt alle Möglichkeiten an, ans Ziel zu kommen, vergleicht dabei verschiedene Angebote und kombiniert sie – etwa Busse, Bahn, Taxi und Sharing-Angebote. Die Route kann direkt per App gebucht und bezahlt werden, sodass man nur noch eine App benötigt.

Orthesengelenke geben den Betroffenen zwar ein Stück weit Mobilität zurück, doch der Bewegungsradius ist erheblich eingeschränkt. Deshalb wurde das C-Brace entwickelt: 3D-Bewegungssensoren erkennen, in welcher Position sich das Bein befindet, mittels Apps kann der Patient zwischen verschiedenen Modi wechseln, die auf Alltagssituationen wie Gehen, Sitzen oder Fahrradfahren ausgerichtet sind. Damit können Betroffene wieder deutlich stärker am Leben teilnehmen.

Um den Umstieg auf Bus und Bahn zu vereinfachen, gibt es seit einem Jahr im Westen des Minden-Lübbecker Mühlenkreises das Ei-Ticket. Neben einem günstigen Jahresabo für die öffentlichen Verkehrsmittel beinhaltet das Ticket die Miete für ein Pedelec.

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