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Virtual Reality Wie VR die Produktentwicklung beschleunigt

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Die Kion-Gruppe setzt die Virtual-Reality-Lösung IC.IDO von ESI erfolgreich in der Produktentwicklung ein. Welche Vorteile sich dadurch ergeben, erklärt Jean-Pierre Alègre, Leiter Produktforschung bei Fenwick-Linde MH, einer Tochter der Kion Group, im Interview.

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Bei der Kion Group wird in der Produktentwicklung auf eine Virtual-Reality-Lösung gesetzt und so die Time-to-Market von Neuentwicklungen beschleunigt.
Bei der Kion Group wird in der Produktentwicklung auf eine Virtual-Reality-Lösung gesetzt und so die Time-to-Market von Neuentwicklungen beschleunigt.
(Bild: Kion)

konstruktionspraxis: Herr Alègre, wie kam es dazu, dass Fenwick-Linde die Virtual-Reality-Lösung IC.IDO in der Entwicklung neuer Flurförderzeuge einsetzt?

Jean-Pierre Alègre: Der Kundenwunsch nach einer Verkürzung der Time-to-Market war der Hauptgrund dafür, Virtual Reality (VR) bei uns in die Entwicklung zu bringen. Durch das VR-Tool IC.IDO von ESI sollen die Stapler-Prototypen zügig einen höheren Reifegrad erhalten. Zudem ermöglicht das Tool die frühzeitige Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen und es wird zur schnellen Visualisierung des Produktes genutzt.

konstruktionspraxis: Wie genau wird die VR-Lösung in der Produktentwicklung eingesetzt?

Alègre: Die Software IC.IDO wird derzeit vollumfänglich in Frankreich an unserem Standort in Châtellerault genutzt. Sie kommt dort schon in der Frühphase eines jeden Entwicklungsprojektes zum Einsatz, um in regelmäßigen Review-Sessions den aktuellen Prototypen zu begutachten. Dabei kommen Experten aus den relevanten Bereichen zusammen, um so frühzeitig wie möglich das jeweilige Feedback für Konstruktion und Design zu erhalten. Auch an unseren Standorten in Hamburg und Aschaffenburg haben wir schon die ersten Entwicklungsprojekte inklusive Virtual Reality gestartet.

Jean-Pierre Alègre: "Der große Vorteil des VR-Tools IC.IDO liegt darin, dass ein Endprodukt bereits in einem frühen Stadium der Entwicklung visualisiert werden kann."
Jean-Pierre Alègre: "Der große Vorteil des VR-Tools IC.IDO liegt darin, dass ein Endprodukt bereits in einem frühen Stadium der Entwicklung visualisiert werden kann."
(Bild: Kion)

konstruktionspraxis: Arbeiten nur die Bereiche Entwicklung und Konstruktion mit dem VR-Tool oder auch noch andere Unternehmensbereiche?

Alègre: Das Tool wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Entwicklung genutzt, die auch die 3D-Modelle des Fahrzeuges erstellen. Zusätzlich wird es von dem Bereich „Industrial Engineering“ verwendet, um die Produktionslinien sowie die Montage frühzeitig zu planen. Und auch der Service wird einbezogen, damit die „Feldarbeiten“ und die Wartung der Bauteile im Vorfeld evaluiert werden können. Um ein besseres Verständnis für das technische Produkt zu erzeugen, steht das Tool auch Marketing und Sales zur Verfügung.

konstruktionspraxis: Welche Vorteile bringt das VR-Tool?

Alègre: Der große Vorteil des Tools liegt darin, dass ein Endprodukt bereits in einem frühen Stadium der Entwicklung visualisiert werden kann. So dient es dann als Kommunikationsmittel für alle Fachbereiche. „Virtuelle Trucks“ können evaluiert werden, um Verbesserungen am Produkt vorzunehmen – und dies noch vor der Einführung von Prototypen.

Somit wird die Marktreife unserer Produkte schon zu Beginn deutlich verbessert. Das spart Entwicklungszeit, weil aufwendige und teure Nacharbeit deutlich reduziert wird.

Außerdem können verschiedene Optionen und Varianten eines neu zu entwickelnden Produkts mit dem VR-Werkzeug leicht getestet werden.

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konstruktionspraxis: Ist die Nutzung von IC.IDO mit großem Aufwand verbunden was die verwendeten Daten angeht?

Alègre: Die Daten für die Visualisierung werden aus dem CAD-Modell, das im besten Fall bereits zu Projektbeginn einen hohen Reifegrad hat, ohne großen Aufwand exportiert.

Der Aufwand für die Implementierung liegt hauptsächlich in der Schulung der Mitarbeiter, hängt aber vom Reifegrad des 3D-Modells zu Beginn des Projekts ab.

Immersives Produkterlebnis mit IC.IDO von ESI

Basierend auf Virtual Reality-Technologien erleichtert die Lösung IC.IDO von ESI den Entscheidungsfindungsprozess von globalen, interdisziplinär agierenden Teams und ersetzt die Notwendigkeit von physikalischen Prototypen.
IC.IDO ist Teil des Virtual-Product-Engineering-Portfolios der ESI Group und bietet eine Lösung, die High-End-Visualisierung und Echtzeitsimulation des Produktverhaltens in seiner tatsächlichen Größe kombiniert und einen realitätsnahen Produktbetrieb ermöglicht.
Durch Frontloading verkürzt die Lösung die Markteinführungszeit und reduziert Kosten, die im Zusammenhang mit Konstruktions- und Zeitplanänderungen entstehen.
Die VR-Lösung ermöglicht darüber hinaus die Validierung von Machbarkeitsaspekten und Compliance-Regeln.
Um den Benutzer in die virtuelle Welt zu versetzen, benötigt eine VR-Lösung Informationen zur Position und Ausrichtung des Benutzers. Verfolgungssysteme liefern solche 6D-Informationen über Benutzer, Eingabegeräte und gemischte Modelle (Sitze, Werkzeuge, Geräte). IC.IDO unterstützt zahlreiche auf dem Markt erhältliche Tracking-Lösungen.

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konstruktionspraxis: Und wie sieht es mit der Bedienung von IC.IDO aus – müssen Anwender aufwendig geschult werden?

Alègre: Für die Nutzung des Tools wird nur ein zweitägiges Training benötigt. Danach können die einzelnen Nutzer mit der Software problemlos umgehen. Die Akzeptanz ist bisher bei allen Nutzern sehr groß, da die Vorteile auf der Hand liegen und es durch den interdisziplinären Austausch überaus geschätzt wird.

Durch das VR-Tool erhalten die Stapler-Prototypen zügig einen höheren Reifegrad.
Durch das VR-Tool erhalten die Stapler-Prototypen zügig einen höheren Reifegrad.
(Bild: Kion)

konstruktionspraxis: Gibt es Pläne, das VR-Tool noch weiter auszurollen?

Alègre: Bei Kion soll das Tool zur noch besseren Zusammenarbeit der Bereiche R&D, Qualität, Industrial Engineering und Service beitragen. Längerfristig können wir uns vorstellen, das VR-Tool an allen wichtigen Entwicklungsstandorten in Europa, China und den USA einzuführen, sodass dann auch an unterschiedlichen Standorten und über die Grenzen hinaus gemeinsame Reviews an einem Modell erfolgen können.

Vielen Dank Herr Alègre.

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