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Antriebstechnik

Wie Industrie-Motoren Modelleisenbahnen in Schwung bringen

| Redakteur: Ute Drescher

Christian Dörsam aus Chur betreibt einen Umbau- und Reparaturservice für Modelleisenbahnen. Wenn er eine Lokomotive so richtig verwöhnen will, spendiert er ihr einen Motor von Maxon.

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Im Kreise von Modelleisenbahn-Fans sind die Hightech-Motoren von Maxon bekannt und geschätzt.
Im Kreise von Modelleisenbahn-Fans sind die Hightech-Motoren von Maxon bekannt und geschätzt.
(Bild: ©Eric Fahrner - stock.adobe.com)

Geräuschlos und ganz langsam setzt sich die Lokomotive in Bewegung, Millimeter um Millimeter. Kein Stocken und Stottern. Gleichmäßig beschleunigt die gesamte Zugkomposition, bis sie mit einem leisen Schnurren geschmeidig ihre Kreise zieht, vorbei an Lichtsignalen, Wäldern und Bahnhöfen, die in tausenden Stunden Handarbeit entstanden sind. Christian Dörsam schmunzelt, als er das Geheimnis verrät: „Ja, so fährt eine Lokomotive, nachdem ich den eingebauten Standardmotor durch einen Motor von Maxon ersetzt habe.“

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Ein Zimmer in seiner Wohnung in Chur gehört ganz seiner Leidenschaft: der Modelleisenbahn. Hauptberuflich arbeitet der 42-Jährige – wie könnte es anders sein – als Zugbegleiter bei der Rhätischen Bahn. Als Selbstständiger im Nebenerwerb widmet er sich der Reparatur und dem Umbau von Modelleisenbahn-Fahrzeugen. Das Geschäft läuft: Momentan kann Christian Dörsam keine Aufträge von Neukunden annehmen. Bald aber wird er das Arbeitspensum als Zugbegleiter reduzieren und seinen Modelleisenbahn-Service weiter vorantreiben.

Man mag darüber staunen, dass die Hightech-Motoren von Maxon im Kreise von Modelleisenbahn-Fans bekannt und geschätzt sind – handelt es sich doch „nur“ um eine Freizeitbeschäftigung mit einem Spielzeug. „Neue Kunden sind manchmal etwas skeptisch, wenn sie hören, dass allein die Materialkosten für einen neuen Motor um die 120 Franken betragen. Sie fragen sich, ob sich das wirklich lohnt.“

Schließlich findet man im Internet Gleichstrommotoren für weniger als 30 Franken pro Stück. Aber gute Qualität habe nun mal ihren Preis, sagt Christian Dörsam. Und spätestens dann, wenn die umgebaute Lok mit dem neuen Motor über die Gleise surrt, sind die Investitionen vergessen. „Kein einziger Kunde hat es jemals bereut, seiner Lokomotive einen Maxon-Antrieb spendiert zu haben.“

Firma bietet Umbausätze an

In regem Kontakt steht Christian Dörsam mit der kleinen süddeutschen Firma SB Modellbau. Diese bezieht einen großen Teil ihrer Motoren von Maxon und fertigt daraus komplette Umbausätze. Bei einigen Loks und Triebwagen aus dem riesigen Sortiment von unterschiedlichsten Herstellern ist der Einbau eines neuen Motors so einfach, dass auch technisch weniger versierte Kunden dies erledigen können. Oft braucht es aber die Hilfe von Experten – und hier kommt eben Christian Dörsam ins Spiel.

Denn bei vielen Loks und Triebwagen sind zusätzliche Fräsarbeiten und andere Vorkehrungen nötig, damit der neue Motor ins enge Gehäuse passt und sich nahtlos ins Antriebssystem mit Schwungmasse, Getriebe und Elektronik einfügt. Saubere Millimeterarbeit ist gefragt, damit die Lok über Jahre hinweg zuverlässig fährt.

Stete Weiterbildung nötig

Der 42-Jährige hat sich im Lauf der Jahre ein großes Wissen angeeignet und bildet sich regelmäßig weiter. „Gerade in der Elektronik hat sich einiges getan. Früher hatte man einfach einen Trafo und zwei Stromkabel an den Schienen.“ Doch die Digitaltechnik hat längst auch die Modelleisenbahnen erreicht. „Heute kann man von der digitalen Schaltzentrale aus jedes einzelne Lämpchen ein- und ausschalten, jede Weiche umstellen und jede Lok präzise ansteuern.“

BUCHTIPPDas Buch „Praxishandbuch Antriebsauslegung“ hilft bei der Auswahl der wesentlichen Bestandteile elektrischer Antriebssysteme: Motor, Getriebe, Stellgerät, Netzversorgung sowie deren Zusatzkomponenten. Auch auf die Berechnung wird intensiv eingegangen.

Im Internet können heutzutage sogar diverse Geräusche heruntergeladen werden, die dann auf dem Soundchip einer Lokomotive abgespeichert werden – so lassen sich verschiedene Sounds für Elektro- und Dampflokomotiven täuschend echt simulieren. Und das ist auch nötig, sobald eine Lokomotive mit Maxon-Motoren fährt – es ist dann schlichtweg zu ruhig, um richtiges Eisenbahn-Feeling mit den passenden Geräuschen aufkommen zu lassen... (ud)

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