Digitalisierung Wie digitale Technologien den Wiederaufbau von Notre-Dame unterstützen

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Es waren schockierende Bilder, die am Abend des 15. April 2019 um die Welt gingen: Die französische Kathedrale Notre-Dame de Paris stand in Flammen. Der Feuerwehr gelang es, den Brand auf den hölzernen Dachstuhl zu begrenzen, doch der Schaden war groß. Nun soll das Denkmal so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut werden – mit Unterstützung digitaler Technologien.

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Die im April 2019 schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame de Paris soll so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut werden. Gut, dass es digitale Technologien gibt.
Die im April 2019 schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame de Paris soll so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut werden. Gut, dass es digitale Technologien gibt.
(Bild: Autodesk)

Im April 2019 zerstörte ein Feuer die Kathedrale Notre-Dame de Paris und beschädigte das Wahrzeichen der Stadt schwer. Nun soll das architektonische Denkmal wieder aufgebaut werden – und zwar so originalgetreu wie möglich. Für die Umsetzung des Projekts kooperiert die öffentliche Einrichtung, die sich der Erhaltung und Restaurierung der Kathedrale Notre-Dame de Paris widmet, mit Autodesk. Der Software-Anbieter unterstützt die Restaurierung sowohl mit technischer Expertise als auch mit Design- und Fertigungstechnologien, darunter auch Building Information Modeling (BIM).

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Cloud-basierte Plattform führt Stakeholder zusammen

Die öffentliche Einrichtung, die sich der Erhaltung und Restaurierung der Kathedrale Notre-Dame de Paris widmet, verfolgt beim Wiederaufbau des Denkmals einen digitalen Ansatz: Im Fokus steht die Entwicklung einer zentralen cloud-basierten Datenumgebung und -plattform für alle am Projekt beteiligten Stakeholder – auf diese Weise haben alle Parteien Zugriff auf aktuelle Daten und Pläne und sind jederzeit auf dem neuesten Stand.

Die BIM-Technologie ermöglicht dabei intelligente Daten- und geometrische 3D-Modellierungsprozesse, die ebenfalls über die gemeinsame Plattform zur Verfügung stehen. Damit entstehen historische digitale Aufzeichnungen, die auch bei künftigen Restaurierungen eingesetzt werden können – Planer können so auf bereits existierende Daten zurückgreifen und müssen nicht bei null starten.

Realistische Modelle von Notre-Dame

Eine besondere Herausforderung bei der Restaurierung der Kathedrale: Sie soll möglichst originalgetreu wieder aufgebaut werden. Dafür erstellte Autodesk im ersten Schritt mithilfe sogenannter „Reality Capture“-Technologien ein 3D-BIM-Modell des Denkmals, wie es vor dem Brand existierte. Im zweiten Schritt wurde zum Vergleich ein 3D-Modell des Bauwerks im aktuellen Zustand nach dem Brand entwickelt.

Das 3D-Modell von Notre-Dame vor dem Brand wurde mithilfe einzigartiger Scantechnologien erstellt. Autodesk beauftragte ein Team mit dem Einsatz von Reality-Capture-Tools, um das Gebäude digital zu scannen. Das Team nahm Zehntausende von Messungen und Bildern des Monuments auf, was zu Milliarden von Datenpunkten über die genauen Spezifikationen des Gebäudes führte. All diese Informationen befinden sich in einem zentralen 3D-Modell, das allen Projektbeteiligten den Zugriff auf die neuesten Daten und Pläne für das Projekt ermöglicht.

Nicolas Mangon, VP AEC Strategy bei Autodesk

Fotorealistische 3D-Modelle dank Reality-Capture

Reality-Capture ist eine Photogrammetrie-Software, die 3D-Modelle aus ungeordneten Fotos oder Laserscans ohne Nähte erstellt. Aktuell wird Reality-Capture in den Bereichen kulturelles Erbe, Ganzkörperscannen, Spielen, Vermessen, Kartieren, visuelle Effekte und virtuelle Realität im Allgemeinen eingesetzt.

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