Nachgefragt Wie die 3D-Experience-Plattform für digitale Kontinuität sorgt

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

2012 hat Dassault Systèmes die 3D-Experience-Plattform eingeführt und baut sie seither kontinuierlich aus. konstruktionspraxis hat mit Philippe Bartissol, Vizepräsident Industrial Equipment Industry, über die Vorteile digitaler Erlebnisse gesprochen.

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konstruktionspraxis hat mit Philippe Bartissol, Vizepräsident Industrial Equipment Industry bei Dassault Systèmes, über digitale Kontinuität in der Produktentwicklung gesprochen.
konstruktionspraxis hat mit Philippe Bartissol, Vizepräsident Industrial Equipment Industry bei Dassault Systèmes, über digitale Kontinuität in der Produktentwicklung gesprochen.
(Bild: Dassault Systèmes)

Herr Bartissol, was ist das Ziel dieser Plattform?

Wir wollen unseren Kunden schöne Erlebnisse, Experiences, bieten, so dass sie ihren Kunden ebenso wertvolle Erfahrungen und Erlebnisse bieten können – und zwar von der Entwicklung bis hin zur Produktion. Lassen Sie es mich an einem Beispiel verdeutlichen: Ein Anbieter von Verpackungsmaschinen für die Sekundärverpackung von Getränken, beispielsweise Six Packs, wollte eine neues Konzept für seinen Auftritt auf der nur alle vier Jahre stattfindenden Drinktec. Man hat sich entschieden, nur eine reale Maschine zu zeigen; dazu wurden fünf Demos der Verpackungsmaschinen auf Basis der 3D-Experience-Plattform gezeigt. Ziel war es, sich von dem Wettbewerb zu differenzieren. Das Konzept kam bei den Kunden sehr gut an, nicht nur weil es etwas Besonderes und Neues war. Die Demos zeigten, wie digitale Kontinuität entlang des kompletten Prozesses aussieht. Es kam bei den Kunden sehr gut an, weil sie sahen, dass es etwas anderes war und weil es in der digitalen Darstellung eine Kontinuität aufwies, vom Verpackungsdesign über das Maschinendesign bis hin zur Fertigung.

Wie wirkt sich diese digitale Kontinuität aus?

Normalerweise verstreicht bei diesem Kundenbeispiel ein Zeitraum von 18 Monaten vom ersten Angebot bis hin zur fertigen Maschine. Durch die digitale Kontinuität, die jeden einzelnen Schritt von der Entwicklung bis zur Fertigung berücksichtigt, kann dieser Zeitraum auf ein Drittel reduziert werden. Dies ist sicher ein extremes, aber dennoch wahres Beispiel.

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Wir wollen unseren Kunden also Lösungen anbieten, die alle auf einer Plattform vereint sind und dabei die komplette Prozesskette abdecken, damit sie ihren Kunden wiederum besondere Erlebnisse ermöglichen können.

Also bereits das digitale Produkt in allen Facetten erlebbar machen?

Ja, für alle Aspekte des Produkts bieten wir auf der Plattform eine Anwendung. Besonders wichtig ist dies auch in Bezug auf Änderungen am Produkt. Woran wir arbeiten ist die Vertriebskonfiguration, denn sie besteht zu ca. 70 % aus der Produktkonfiguration, also der Basis des Produkts. Von der Vertriebskonfiguration bis hin zum After-Sales-Service – alle Prozesse finden sich auf der Plattform wieder.

Aber nutzt der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland nicht zum Großteil neben einer PDM-Lösung auch SAP?

Ja, aber das ist kein Widerspruch. Beim ERP geht es darum, Kosten für getroffene Entscheidungen zu optimieren; bei der Entwicklungsplattform wollen wir helfen die besten Entscheidungen zu treffen und Produktkomplexität und Produktänderungen optimal zu handhaben. Die Änderungen können von überall aus angestoßen werden, aber die Änderungen an sich sollten auf einer Plattform stattfinden, und zwar auf einer für diese Prozesse optimierten Plattform.

Wie beeinflusst die 3D-Plattform die tägliche Arbeit des Konstrukteurs?

Ich bin der Meinung, dass zunehmend mit Systems Engineering gearbeitet werden muss. Bei einer neuen Aufgabe sollte nicht zuerst das CAD-System angeworfen werden, sondern nach dem RFLP-Prinzip gearbeitet werden. RFLP steht für Requirements, Functions, Logics und Physics. Also werden zunächst die Anforderungen beschrieben und die dafür nötigen Funktionen, noch ohne eine mögliche Lösung zu erwähnen, beschrieben. Anschließend wird die Logik innerhalb dieser Funktionen betrachtet. Schließlich folgt mit Physics das Modell in 3D. Auf der 3D-Experience-Plattform werden die Disziplinen Mechanik, Elektrik, Pneumatik und Hydraulik in einem einzigen Objekt bearbeitet, auf einer Datenbasis. Abgesehen von der Maschinensoftware sind alle Engineering Disziplinen abgedeckt. Wir wollen unsere Kunden unterstützen, Entwicklungsprozesse einfacher zu gestalten. Denn die Komplexität nimmt unweigerlich zu.

Was meinen Sie damit?

Im Zeitalter von Industrie 4.0 oder dem Internet der Dinge müssen intelligente Systeme entwickelt werden. Dazu ist meiner Meinung nach auch eine intelligente und kommunikative Entwicklungsumgebung nötig. Denn Systems Engineering wird ja zumindest zum Teil sowieso betrieben. Beispielsweise beschäftigt sich ein Mitarbeiter sicher mit den Anforderungen an eine Maschine, allerdings vielleicht in Excel. Ein anderer ist für die Safety-Anforderungen verantwortlich. Der nächste erzeugt den Elektroplan in einem E-CAD-System. Wenn alle Disziplinen auf einer Plattform zusammengeführt werden, sinkt die Komplexität. Alle Arten der CAD-Konstruktion und alle Disziplinen auf einer Basis.

Und schließlich wird mit 3D-Excite, ehemals RTT, das Produkt virtuell erlebbar. Fehlt eigentlich nur der 3D-Drucker…

Der 3D-Druck ist bereits seit 30 Jahren ein Thema und Dassault Systèmes hat sich als Weltmarktführer in 3D bereits von Beginn an daran beteiligt. Digitale 3D-Modelle sind die Grundlage, um 3D-Drucker und additive Produktionsanlagen zu programmieren. Mit unseren Apps der 3D-Experience-Plattform liefern wir die Software-Werkzeuge, damit Unternehmen diese 3D-Daten generieren können. Hinsichtlich der Hardware pflegen wir enge Partnerschaften mit 3D-Drucker-Herstellern.

Vielen Dank für das Gespräch.

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