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Den Service berücksichtigen
Frugal Engineers sollten die Anforderungen und Erwartungen der lokalen Kunden an den Service ermitteln und berücksichtigen. Wenn das elektronische Auslesen von Fehlern in einer Maschine gewünscht wird, müssen entsprechende Komponenten und Schnittstellen vorgesehen werden. Das engt den Freiraum ein, der dem Konstrukteur zur Verfügung steht. Hohe Serviceanforderungen setzen der Reduktion von Features Grenzen.
Aber auch Service kann frugal sein – eben gut genug. Beim frugalen Service Engineering sollten preisgünstige Basis- und Standardservices von hochpreisigen Premium-Dienstleistungsmodulen unterschieden werden. Basisleistungen müssen, Standardleistungen sollen und Premiumleistungen können angeboten werden. Basis- und Standardservices wie Montage, routinemäßige Inspektion oder Reparatur sind beispielsweise einer Maschine technisch-funktional unmittelbar zugeordnet und werden in Schwellenländern von kostenbewussten Kunden mit preiselastischer Nachfrage in der Regel auch erwartet.
Typische, für frugale Produkte relevante Basis- und Standardservices sind Lieferung, Lagerung, Abholung, Montage, Installation, Inbetriebnahme, Modifikation, Reparatur, Wartung, Reinigung sowie Entsorgung und Recycling. Zu den für viele High-End-Produkte relevanten Premiumdienstleistungen zählen Planung, Projektierung, Finanzierung, Assistenz im Betrieb, Beratung, Schulung und Training, Informationsmanagement, Forschung und Entwicklung oder Software zur Fabrikoptimierung.
Patente des Wettbewerbs analysieren
Es gibt einige Methoden, der frugalen Inspiration auf die Sprünge zu helfen. Dazu gehört die Analyse frugaler Wettbewerbsprodukte. Wer Produkte für Asien, Afrika oder Lateinamerika herstellen möchte, sollte sich die Angebote lokaler Hersteller oder chinesische Exportprodukte beschaffen und unter die Lupe nehmen. Lokale Konstrukteure kennen die Anforderungen des Marktes meist genau, und chinesische Unternehmen sind bei der Konstruktion einfacher Produkte für Schwellenländer oft fortgeschritten. Das gilt besonders für die mittleren Segmente des Maschinenbaus. Wenn Produkte nicht beschafft werden können, sind öffentlich zugängliche Dokumente wie technische Broschüren, Datenblätter oder Verkaufspräsentationen in der Regel hilfreich.
Stark an Bedeutung gewonnen hat die Analyse von Patenten frugaler Produkte des Wettbewerbs. Sie geben oft Anregungen für eigene neue Lösungen. In vielen Branchen stehen chinesische Patente im Mittelpunkt des Interesses, zunehmend aber auch japanische und koreanische Schutzrechte. Die Kunst der Analyse liegt darin, in asiatischen Datenbanken mit Schlüsselbegriffen in der Landessprache – das heißt in chinesischen, japanischen oder koreanischen Schriftzeichen – zu recherchieren. Englische Übersetzungen sind oft nicht vorhanden, und die bei Patentrecherchen häufig eingesetzten Maschinenübersetzungen versagen aufgrund der Kontextabhängigkeit und der Vielzahl der Synonyme in den asiatischen Sprachen meist völlig. Welches Zeichen bei der Patentrecherche das richtige ist, kann nur der Kontext entscheiden. (qui)
* Dr. Hans Joachim Fuchs, Geschäftsführer Chinabrand Consulting LTD., Niederlassung München
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