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Lokales Wissen als Basis
Die Strategie des Frugal Engineering ist, im Zielland auf der Basis von lokalem Wissen zu innovieren. Es kommt darauf an, durch die Teilnahme am Geschehen und die Beobachtung der Nutzung die Rahmenbedingungen und lokalen Kundenbedürfnisse zu ermitteln. Wer die Nutzung eines Produktes verstehen will, braucht Zugang zum Feld. Er muss sich vor Ort systematisch an die lokale Kundschaft heranarbeiten, um einen Einblick zu erhalten.
Die Herausforderung für den Konstrukteur ist, sein im Laufe der Zeit generiertes Wissen und seine Erfahrungen weitgehend zu ignorieren. Er muss das Gelernte, die klassische He- rangehensweise und die Erfolgsrezepte der Vergangenheit vergessen. Frugal Engineers machen Tabula Rasa, sie entwickeln eine „zero-based design mentality“ und realisieren das „clean slate assessment“. Konstrukteure frugaler Produkte fangen bei der Entwicklung einfacher Produkte mit Neugierde und Bescheidenheit ganz von vorne an.
Feldforschung in Schwellenländern führt oft zu überraschenden Ergebnissen. So entdeckten die Ingenieure von Tata in Indien ein natürliches Prinzip, Wasser ohne großen Aufwand zu klären. Mit Hilfe von Reishülsen, die mit Silber-Nanopartikeln kombiniert werden, kann verschmutztes Wasser auch ohne Stromanschluss gereinigt werden. Auf dieser Basis entwickelten sie das frugale Gerät „Tata Swach Smart“, das bis zu 1500 l Wasser reinigen kann, ohne dass der Filter ausgewechselt werden muss. Die Kartusche kann problemlos von Jedermann gewechselt werden. Das Gerät kostet 15 Euro, der Filter fünf Euro. Das High-end-Produkt „Tata Swach Ultima Silver RO“, das elektrisch betrieben wird und mit diversen Filtern, Granulat, Membranen und UV-Licht arbeitet, kostet knapp über 200 Euro.
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