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Antriebstechnik Visionäre gesucht

| Autor / Redakteur: Ute Drescher* / Ute Drescher

Sonceboz ist mit applikationsspezifischen Antrieben in hohen Stückzahlen für die Automobilindustrie groß geworden. Wie das Unternehmen auch Industriekunden zu einem Wettbewerbsvorteil verhelfen kann, erklärt Christoph Martin aus der Vorentwicklung.

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Christoph Martin arbeitet in der Vorentwicklung bei Sonceboz.
Christoph Martin arbeitet in der Vorentwicklung bei Sonceboz.
(Bild: U. Drescher/konstruktionspraxis)

Herr Martin, Sie arbeiten bei Sonceboz in der Vorentwicklung. Welche Trends werden aus Ihrer Sicht zukünftige Entwicklungen in der Antriebstechnik bestimmen?

Da gibt es eine ganze Reihe, die auch uns bei Sonceboz treiben. Dazu gehören sicher die zunehmende Verwendung elektromechanischer Systeme. Auch die intelligente Vernetzung ist ein großes Thema. Wie kann ich Prozesse miteinander verbinden, in Kommunikation bringen? Und dann natürlich die Ressourcen- und Energieeffizienz.

Zählen Sie auch Robustheit und Komfort dazu?

Ganz klar. Wobei wir unter einer robusten Komponente ein kleines, geschlossenes System verstehen, das, obwohl es über extrem viele Funktionen verfügt und unter schwierigen Umgebungsbedingungen sehr zuverlässig arbeitet. Denn je höher der Automatisierungsgrad , desto größere Probleme verursacht ein Ausfall. Das lässt sich sehr gut am Beispiel eines Smartphones erklären: Wenn das ausfällt, ist man von der Umwelt ausgeschlossen bzw. funktional stark eingeschränkt und im „Worst-Case“ geht die Suche nach all den dort gespeicherten Daten los.

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Zum Komfort gehören für uns unterschiedliche Dinge, etwa eine möglichst geringe Ge- räuschentwicklung, aber auch die Funktionalitäten für eine möglichst komfortable Mensch-Maschine-Schnittstelle.

Und was machen Sie bei Sonceboz in der Vorentwicklung aus diesen Trends?

Wir erarbeiten Technologiebausteine statt in klassischen Produkten zu denken. Wir entwickeln also keinen klassischen EC-Motor, sondern greifen die Funktionen wie das Positionieren auf und versuchen sie – den Kundenanforderungen entsprechend – in ein möglichst intelligentes System zu integrieren.

Zum Beispiel haben wir eine Technologie, mit der wir sehr flache Kleinstantriebe realisieren. Die können wir außerdem aufgrund unserer hohen Automatisierung zu attraktiven Kosten industriell fertigen. Dann haben wir eine Motortechnologie entwickelt, mit der wir eine relativ hohe Leistungsdichte auf kleinem Bauraum erzielen, falls für die Anwendung ein Kraftpaket gefragt ist. Eine weitere Technologie zielt auf möglichst hohe Geschwindigkeiten ab. Und nicht zuletzt können wir Intelligenz integrieren, und zwar ebenfalls wieder auf kleinstem Bauraum und unter schwierigen Umgebungsbedingungen. Für neue Entwicklungen können wir u. a. auf diese vier Technologiebausteine zurückgreifen, je nach Kundenanforderung.

Sonceboz ist vor allem mit Komponenten und Systemen für die Automobilindustrie groß geworden. Wo liegen Ihre Stärken hier?

Für die Automobilindustrie bieten wir mechatronische Systeme in hohen Stückzahlen auf höchstem Qualitätsniveau (0ppm) an, die genau auf die jeweiligen Applikationen in Form von robusten Systemen (Temperatur, Vibrationen, Dichtheit) ausgelegt sind.

Worin besteht nun Ihre Herausforderung im Industriebereich?

Unsere Herausforderung im Industriebereich liegt darin, nicht mehr länger in Katalogprodukten zu denken, sondern, ebenso wie im Bereich Automotive, Technologiebausteine zu entwickeln und für Industrieapplikationen zu adaptieren. Unser Motto „from mind to motion“ sagt es: Wir kreieren Antriebe für innovative Ideen. Besonders für schwierige Umgebungen, wo eine optimale Regelung, Dosierung oder Positionierung benötigt wird.

Gibt es hierfür schon Beispiele?

Für die Heizung-Lüftung-Klimatechnik (HLK) zum Beispiel haben wir Antriebssysteme für Regelventile entwickelt. Dann bieten wir eine Familie von Industrieschrittmotoren für Dialysepumpen in der Medizintechnik an. Die Motoren arbeiten sehr leise und präzise entsprechend der Kundenbedürfnisse.

Es wird also auch im Industriebereich zunehmend darum gehen, sich mit Technologien zu differenzieren und diese applikationsspezifisch und langfristig in hohen Stückzahlen anzubieten. Unser Partner in der Industrie ist ein Entwickler/Konstrukteur, dessen ambitionierte Anforderungen sich nicht mit Standardlösungen/-komponenten aus dem Regal erreichen lassen. Kleiner, intelligenter, integrierter und robuster sind hier die passenden Schlagworte. Am Ende muss sein Produkt ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb aufweisen.

Sonceboz produziert zu 100 % in der Schweiz. Warum?

So haben wir die Produktionsprozesse voll im Griff. Wir haben in der Produktion einen hohen Automatisierungsgrad erreicht und fertigen auf einem extrem hohen Qualitätsniveau. Dieser Qualitätsvorteil kompensiert mögliche Kostenvorteile im Vergleich zu einer Produktion im Ausland, die bei der hohen Automatisierung vernachlässigbar sind.

Welche Rolle spielt MMT Moving Magnet Technologies in diesem Zusammenhang?

MMT ist unsere Technologieschmiede, die sich auf die Grundlagen und die Entwicklung elektromagnetischer Technologien konzentriert und diese Technologien unabhängig am Markt anbietet. Dabei stellt sie im Gegensatz zu vielen anderen Forschungseinrichtungen immer sicher, dass sich diese Technologie auch in hohen Stückzahlen produzieren lässt.

Sonceboz arbeitet außerdem seit Anfang des Jahres eng mit der EPFL (École polytechnique fédérale de Lausanne) zusammen. Wo liegt der Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit?

Wir haben Anfang 2016 im Innovation Park der EPFL einen Open-Innovation-Arbeitsbereich eingerichtet. Zusammen mit der EPFL werden dort künftige Forschungsprojekte in den Bereichen Mechanik, Mikrotechnik und Robotik gemeinsam durchgeführt. Das Forschungsprogramm ist für zunächst 5 Jahre vorgesehen und beinhaltet bereits erste Projekte, darunter eines, dass sich bereits mit der Nutzung der Abgasabwärme als Energiequelle befasst. Ein weiteres Projekt aus dem medizintechnischen Sektor beschäftigt sich unter anderem mit modularen Exoskeletten als Gehhilfe.

Wir decken damit jetzt bei Sonceboz die gesamte Kette komplett ab, angefangen bei der universitären Forschung über die industrienahe Grundlagenforschung bis hin zur Umsetzung in die Massenproduktion.

Sonceboz ist also gut aufgestellt für die Zukunft?

Ja! Wir sind in der Lage, Hightech zu entwickeln. Und wir freuen uns auf Kunden mit neuen Ideen, die wir mit einem Mehrwert veredeln können.

Vielen Dank, Herr Martin.

* Ute Drescher ist Chefredakteurin der konstruktionspraxis.

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