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CAD-Software Traktor, Lkw und Unimog in einem – Der Traktor neu gedacht

| Redakteur: Juliana Pfeiffer

Traktoren werden seit Jahrzehnten eingesetzt – und seit Jahrzehnten bemängelt man an ihnen die gleichen Nachteile: unter anderem fehlende Rundumsicht und das gefährliche An- und Abbauen der Anbaugeräte. Der Syn Trac vereinigt die Vorteile von Traktor, Lkw und Unimog in sich. Konstruiert wird beim gleichnamigen Hersteller mit Solidworks, betreut wird die Installation von der Planetsoftware GmbH.

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Alle Anbaugeräte können vollautomatisch auf Knopfdruck an- und abgekoppelt werden, ohne dabei die Kabine zu verlassen.
Alle Anbaugeräte können vollautomatisch auf Knopfdruck an- und abgekoppelt werden, ohne dabei die Kabine zu verlassen.
(Bild: Syn Trac )

Stefan Putz, Geschäftsführer der Syn Trac GmbH, ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und lernte die harte Arbeit mit den Landmaschinen von klein auf kennen. Lange Jahre beschäftigte ihn vor allem die heutige Technik, mit der Anbaugeräte am Traktor angebracht werden. Unfälle beim An- und Abbauen der Anbaugeräte stehen an dritter Stelle in der landwirtschaftlichen Schadenstatistik. Zudem ist der im Jahr 1938 auf den Markt gekommene Dreipunkt-Kraftheber, der bis heute die Standardschnittstelle für landwirtschaftliche Anbaugeräte ist, technisch schon lange überholt. Bereits ein Größenvergleich zwischen den ersten Traktoren und den heutigen computergesteuerten Maschinen macht dies deutlich.

Spiegelgleiches Dockingsystem

Die Idee, das Thema „multifunktionales Arbeitsgerät“ völlig neu zu denken, hatte Putz schon lange. Mit dem Syn Trac ist ein neues Fahrzeugkonzept mit einem neuartigen Sicherheitskonzept und Komfort entstanden. Mit seiner universellen Docking-Schnittstelle kann der Syn Trac flexibel für Landwirtschaft, Forst, kommunale Anwendungen, Verkehrsinfrastruktur und Spezialeinsatzgebiete eingesetzt werden. „Wir begannen mit den patentierten Anbauschnittstellen vorn und hinten und arbeiteten uns Richtung Fahrzeugmitte vor“, erinnert sich Konstrukteur Christof Fischer. „So entstand ein extrem flexibles Fahrzeug, das eine Vielzahl von Anbaugeräten nutzen kann.“ Die Konstrukteure bei Syn Trac arbeiten mit Solidworks und und mit Planetsoftware als Systempartner. Der Wiener Reseller hat u.a. die Implementierung begleitet und Mitarbeiterschulungen durchgeführt. Alle Anbaugeräte können vollautomatisch auf Knopfdruck, ohne die Fahrerkabine zu verlassen, an- und abgekoppelt werden. Dabei werden alle Medien – Hydraulik, Pneumatik, Zapfwelle, Elektrik sowie die Software – in weniger als einer Minute angekoppelt. Das Dockingssystem ist vorne und hinten spiegelgleich. Zudem lassen sich an den Syn Trac auf Knopfdruck eine dritte und vierte Achse mit Arbeitsplattform fest ankoppeln, die auf Wunsch sogar angetrieben werden können und den Syn Trac zum 6×6- oder 8×8-Fahrzeug machen. Der Syn Trac ist mit 2,55 m Breite, einer Höhe von 3,40 m, 3,30 m Achsabstand und 4,70 m Länge kompakt. Die Fronthaube reicht nicht über die Räder hinaus – eine totale Rundumsicht ist bis wenige Zentimeter vor die Räder möglich.

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Saubere Verwaltung aller Teile

„Der Syn Trac besteht aus einer Hauptbaugruppe und einer ganzen Hierarchie von Unterbaugruppen. Bei einem so komplexen Fahrzeug ist eine saubere Verwaltung aller Teile und ihrer Revisionen extrem wichtig. Zudem überwacht Solidworks PDM, wer an welchem Bauteil arbeitet, und erlaubt so eine gemeinsame Tätigkeit am Fahrzeug, ohne dass sich die Mitarbeiter gegenseitig ihre Arbeit überschreiben“, lobt der Konstrukteur die Arbeit mit Solidworks PDM.

Die Achssysteme aus Tatra-Achsen mit Einzelradaufhängung sind hydropneumatisch gefedert. Alle Achsen sind gelenkt, somit ist der Syn Trac mit einem Radius von 4,5 m sehr wendig. „Da der Schaltplan in Solidworks Electrical Schematic mit der 3D-Darstellung verbunden ist, sind alle 3D-Teile – sei es Elektrik, Pneumatik oder Hydraulik – intelligent, am 3D-Modell hängen alle Parameter wie die Druckfestigkeit oder der Typ der Anschlussstücke. So können wir sicherstellen, dass auch an engen Stellen des Fahrzeugs genug Platz für diese Elemente ist. Die Arbeit im Schaltplan wird durch die riesige Bauelemente-Datenbank in Solidworks Electrical sehr erleichtert, zieht man ein Symbol in den Schaltplan, hängen daran immer sofort alle benötigten Parameter, aber auch das 3D-Modell“, erläutert Fischer. 2019 plant das Unternehmen Syn Trac 20 Serienfahrzeuge und ab 2021 ist eine Jahresproduktion von 50 bis 200 Serienfahrzeugen vorgesehen.

Positiv aufgefallen sind Christof Fischer die Schnittstellen von Solidworks: „Wir nutzen im Fahrzeug viele Zukaufteile, deren Geometrien wir in den unterschiedlichsten Formaten erhalten. Beim Einlesen solcher Geometrien macht Solidworks kaum Fehler, die Oberflächen passen eigentlich immer. Das ist im Konstruktionsprozess eine große Erleichterung.“ (jup)

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