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Nachhaltigkeit

Torquemotor und größtes Naturschutzgebiet Deutschlands: Umweltpreis ehrt Umdenker

| Redakteur: Katharina Juschkat

Die Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald erhalten für ihren Torquemotor als „Revolution in der Antriebstechnik“ den Deutschen Umweltpreis. Außerdem ehrt die Stiftung ein Naturschützer-Trio, das die ehemalige innerdeutsche Grenze in ein gigantisches Naturschutzgebiet verwandelte.

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Die modernen Torquemotoren von Johannes (l.) und Bernhard Oswald - hier schauen sie durch einen gewickelten Stator - verringern den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent, der Einsatz von Getriebeöl fällt weg und die Maschinen werden leichter – dafür hat si9e der DBU geehrt.
Die modernen Torquemotoren von Johannes (l.) und Bernhard Oswald - hier schauen sie durch einen gewickelten Stator - verringern den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent, der Einsatz von Getriebeöl fällt weg und die Maschinen werden leichter – dafür hat si9e der DBU geehrt.
(Bild: Foto: © Jens Kortus Fotografie Miltenberg)

Der Deutsche Umweltpreis ehrt dieses Jahr die Naturschützer Inge Sielmann, Kai Frobel und Hubert Weiger, die das größte deutsche Naturschutzprojekt auf die Beine stellten: das „Grüne Band“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Außerdem würdigt die Deutsche Bundesstiftung für Umwelt (DBU) die Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald für die Entwicklung eines besonders energiesparenden Elektromotors, der laut der Stiftung eine Revolution für die Antriebstechnik bedeuten könnte.

Torquemotoren verringern Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent

Der mit 500.000 Euro dotierte Umweltpreis gilt als größte unabhängige Umweltauszeichnung Europas. Das Familienunternehmen Oswald wurde für seine Entwicklung von Torquemotoren gewürdigt. Die beiden Unternehmer Bernhard und Johannes Oswald konnten durch die Entwicklung die Energieeffizienz und Produktivität von Anlagen wie z.B. industriellen Zerkleinerern und Pressen deutlich erhöhen.

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Ihre Torquemotoren verringern laut eigenen Angaben gegenüber anderen mechanischen oder hydraulischen Antriebslösungen den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent. Zudem fällt der Einsatz von Getriebeöl weg, da die Motoren ohne Getriebe auskommen. Die Maschinen werden leichter, benötigen weniger Platz, kosten weniger und sind leiser. Der stellvertretende DBU-Generalsekretär spricht von einer „Revolution in der Antriebstechnik“.

Torquemotor muss individuell angepasst werden

Damit verfügten sie über viele Vorteile gegenüber den am häufigsten in industriellen Anlagen eingesetzten Elektromotoren wie dem Asynchronmotor (ASM). Der gelte als „Arbeitspferd“ der elektrischen Antriebstechnik, habe aber den Nachteil, dass er typischerweise ein Getriebe oder Riemen benötigt, um die von Arbeitsmaschinen geforderten Drehmomente bereitzustellen.

Allerdings müssen Torqueantriebe in der industriellen Anwendung auf die kundenspezifischen Anforderungen hin maßgeschneidert werden.Torquemotoren haben an sich sehr gute Wirkungsgrade – ihre unschlagbare Effizienz im Vergleich mit herkömmlichen Antriebssystemen kann aber erst bei einer optimierten Systemintegration erreicht werden.

Das „Grüne Band“ als Wanderkorridor für Wildtiere

Das Naturschutzprojekt „Grünes Band“ hat des einstigen Todesstreifen der innerdeutschen Grenze in einen rund 1.400 Kilometer langen Zufluchtsort für die Pflanzen- und Tierwelt verwandelt. Dafür würdigte der DBU das Naturschutz-Trio Inge Sielmann, Kai Frobel und Hubert Weiger.

Kai Frobel ist der Initiator des „Grünen Bandes“. Schon lange vor dem Mauerfall legte er die Basis für das erste und größte gesamtdeutsche Naturschutzprojekt. Denn schon zu DDR-Zeiten bot der Grenzstreifen verschiedenen Arten wie der Wildkatze besonderen Schutz. Das belegte Frobel durch seine wissenschaftlichen Arbeiten. Gleichzeitig betont DBU-Generalsekretär Wahmhoff aber, dass die ehemalige Grenze nicht beschönigt werden darf, wenn über Naturschutz geredet wird. Minenfelder, Schießbefehle und Selbstschussanlagen haben vielen Menschen bei der versuchten Flucht das Leben gekostet. „Fakt ist aber auch, dass viele Tiere auf dem ‚Todesstreifen‘ Rückzugsbereiche und Wanderkorridore fanden“, erklärt Wahmhoff. Deshalb konnte das „Grüne Band“ sehr naturnah bleiben.

Hubert Weiger hat die Vision des Projektes über die Grenzen von Deutschland hinaus gedacht und die Idee eines Grünen Bandes Europa entwickelt. Heute durchzieht das über 12.500 Kilometer lange Grüne Band ganz Europa vom Eismeer in Norwegen bis zum Schwarzen Meer in der Türkei.

Inge Sielmann setzt vor allem das Werk ihres verstorbenen Mannes Heinz Sielmann fort, der 2005 mit dem DBU-Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. Sie initiierte aber auch viel Neues vor allem in der Umweltbildung und startete verschiedene Initiativen in Kindergärten und Grundschulen, um die Bedeutung des Naturschutzprojektes für den Schutz der Artenvielfalt zu betonen.

Ehrenpreis für Tony de Brum

Zudem verleiht der DBU dem kürzlich verstorbenen früheren Außenminister der Marshall-Inseln Tony de Brum posthum den Ehrenpreis. De Brum war maßgeblich dafür verantwortlich, dass es 2015 zum Pariser Klimaschutzabkommen kam. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Auszeichnung am kommenden Sonntag in Braunschweig überreichen.

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