Verschlusstechnik So springen Türen bei Überdruck nicht mehr auf

Redakteur: Jan Vollmuth

Entsteht eine Gefahrensituation durch Überdruck, darf sich ein Gehäuse nicht unkontrolliert öffnen und so Schaden an Personen und im Umfeld verursachen. Nur belastbare und zuverlässige Komponenten können Sicherheit, Schutz und Funktionalität gewährleisten.

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Der druckfeste Beschlag lässt sich mit einer Flachstange verbinden. Zum Verriegeln wird ein 10 mm Bolzen durch das Rahmenauge geführt.
Der druckfeste Beschlag lässt sich mit einer Flachstange verbinden. Zum Verriegeln wird ein 10 mm Bolzen durch das Rahmenauge geführt.
(DIRAK GmbH)

Jederzeit möglich: Im Bereich von Nieder-, Mittel- oder Hochspannungsanlagen kann durch Störlichtbögen ein hoher Druck innerhalb eines Gehäuse entstehen. Um dies zu vermeiden und Personen zu schützen, die sich in der Nähe der Schaltanlage aufhalten, darf der Druck nicht durch Türöffnungen entweichen.

Bei einem Störlichtbogen müssen Türen und Abdeckungen geschlossen bleiben

Gemäß der internationalen Standardrichtlinie IEC62271-202 müssen Türen im Falle eines Störlichtbogens gesichert sein. „Entsteht ein Störlichtbogen, dürfen sich Türen und Abdeckungen nicht öffnen. Laut Richtlinie ist das Wegschleudern von Teilen nur bis zu einem Einzelgewicht von 60 Gramm zulässig“, sagt Georg Hübner, Senior Produkttrainer bei der Dirak GmbH, „es dürfen keine Brandlöcher an den zugänglichen Seiten bis zu einer Höhe von 2 Metern entstehen und die vor dem Gehäuse zu Testzwecken aufgehängten Baumwollindikatoren dürfen sich nicht selbst entzünden.“ Damit die Türen der Gehäuse an allen vier Seiten gesichert sind, hat Dirak druckfeste Beschläge entwickelt.

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Kombination mit herkömmlichen Flachstangenschloss

Die druckfesten Beschläge lassen sich mit einem herkömmlichen Flachstangenschloss und einer Betätigung Doppelbart 3 kombinieren. Über das herkömmliche Flachstangenschloss werden die Druckbeschläge an eine weiterführende Flachstange 14 x 3 mm angeschraubt. Die Verriegelungstücke werden an der Flachstange gesichert. Mit einer Madenschraube wird die Verschlusseinheit auf der Flachstange befestigt und kann dabei in die richtige Position justiert werden.

Wurde die richtige Position gefunden, wird mit einer weiteren Madenschraube die kraftschlüssige Verbindung mit der Flachstange vorgenommen, indem sie im 45°-Winkel in die Verschlusseinheit eingeschraubt wird. Zum Verriegeln wird ein 10 mm Bolzen durch das angeschweißte Rahmenauge geschoben, wodurch die Tür gesichert ist. Alternativ kann auch ein Rahmenauge mit M10-Gewinde befestigt werden.

Eckumlenkung hält die Türen dicht

Diese Verriegelungseinheiten lassen sich vervielfältigen: Abhängig von der Größe der Tür können bis zu zehn Beschläge untereinander gesetzt werden. Hübner erklärt: „Die druckfesten Beschläge können alle hundert Millimeter gesetzt werden. Damit wird sichergestellt, dass die Tür sicher verriegelt wird und sich bei Drücken, die von innen nach außen auf die Tür einwirken, nicht öffnen kann.“

Damit die Tür jedoch nicht nur in der Senkrechten, sondern auch in der Waagerechten gesichert ist, müssen auch in der Horizontalen Verschlusspunkte angebracht werden. Herkömmlich werden lediglich mehrere Verschlusspunkte entweder senkrecht oder waagerecht miteinander verbunden. Mit einer 90° Eckumlenkung ist dies auch über Eck mit einem gleichbleibenden Dichtungsdruck an allen drei Türkanten möglich. Diese Eckumlenkung wird auf Schweißbolzen aufgesetzt und von oben mit einer Stufenmutter gesichert.

Bei der Eckumlenkung haben wir ganz neue Wege beschritten.

Georg Hübner, Dirak GmbH

„Bei der Eckumlenkung haben wir ganz neue Wege beschritten. Die Eckumlenkung hat Federpakete, die innerhalb des Gehäuses gleiten. Im Vergleich zu anderen Systemen benötigen die Federpakete weniger Platz. Außerdem können die Federn flexibel gebogen werden. Dadurch lässt sich der Verschluss reibungsloser, ganz ohne Widerstand verriegeln“, so Hübner.

Schnell und werkzeuglos montiert

Befestigt wird die Eckumlenkung auf einem Schweißbolzen mit Größe M6. Sie wird mit einer Stufenmutter verschraubt. Das Schiebeelement der Eckumlenkung ist mit einer Schnellbefestigung für die Montage der weiterführenden Flachstangen ausgerüstet. Diese Schnellbefestigungsbolzen sind in einem Winkel von 45 Grad befestigt. Die Flachstange wird in diesem Winkel auf den Befestigungsbolzen aufgelegt und anschließend in die gerade Position gebracht. Damit ist die Flachstange schnell und werkzeuglos an der Eckumlenkung montiert.

Mithilfe der 90° Eckumlenkung kann die Tür wie ein U gesichert werden. Die druckfesten Beschläge lassen sich in der Waagerechten und in der Senkrechten einsetzen. Mit dieser Konstellation werden hohe Drücke aufgenommen, sodass die Tür gesichert bleibt. Für die Sicherung der scharnierten Seite eignet sich ein Eckscharnier aus hochfestem Stahl, wie zum Beispiel das Dirak Eckscharnier 4-220, das bei entsprechender Verschraubung dem hohen Druck standhalten kann.

Druckfeste Beschläge für Rundstangen

Für die Anwendung mit Rundstangen bietet das Unternehmen ebenfalls eine Eckumlenkung an. Hier können die Rundstangen mit entsprechenden Basiselementen wie Stangenschlössern und Rundstangenadaptern, kombiniert und zusammen mit einer v-förmigen Eckumlenkung flexibel an die Größe des zu verriegelnden Gehäuses angepasst werden. Dabei ist die Montage von beliebig vielen Verschlusspunkten möglich. Dieses Schließsystem eignet sich für den Einsatz mit Drehriegeln, Griffelementen oder Schwenkhebeln.

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