Suchen

Schutzeinrichtungen

So prüfen Sie Schutzeinrichtungen normkonform

| Autor/ Redakteur: Pascal Staub-Lang (M.Sc.)* / Jan Vollmuth

Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen müssen regelmäßig geprüft werden. Die Anforderungen hängen auch davon ab, wo die Systeme eingesetzt werden.

Firmen zum Thema

Optoelektronische Schutzeinrichtungen erhöhen die Flexibilität von Arbeitsplätzen, ohne das Sicherheitsniveau zu beeinträchtigen.
Optoelektronische Schutzeinrichtungen erhöhen die Flexibilität von Arbeitsplätzen, ohne das Sicherheitsniveau zu beeinträchtigen.
( Bild: Schmersal )

So einfach geht’s nicht: Getestet ist noch nicht geprüft. Einen verlässlichen Schutz bieten berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen (BWS) nur, wenn sie regelmäßig umfassend kontrolliert und geprüft werden. Die ordnungsgemäße Funktion wird jedoch in vielen Unternehmen unzureichend kontrolliert. Denn manchen Anlagenbetreibern ist nicht bewusst, dass sie mit reinen Funktionstests noch nicht die Prüfpflichten erfüllen, die aus der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) hervorgehen.

Bei Lichtgittern entfällt manuelles Öffnen und Schließen

Wenn Bediener regelmäßig in den Gefahrenbereich einer Maschine eingreifen müssen, bieten Laserscanner oder Lichtvorhänge eine ergonomische und wirtschaftliche Möglichkeit, Sicherheitsanforderungen umzusetzen. Gegenüber trennenden Schutzeinrichtungen haben diese Geräte den Vorteil, dass bei ihnen das manuelle Öffnen und Schließen entfällt. Das spart Zeit und macht den Arbeitsplatz produktiver. Dazu kommt, dass BWS nicht nur die unmittelbar an der Maschine Arbeitenden, sondern den gesamten Gefahrenbereich der Maschine schützt, weil sie die gefahrbringende Funktion anhalten.

Der Maschinenhersteller muss die Konformität seiner Kons­truktion mit der Maschinenrichtlinie bescheinigen. Das schließt auch Schutzeinrichtungen ein. Die Vorgaben dazu setzt in Deutschland das Produktsicherheitsgesetz um. Nationale und internationale Normen konkretisieren die Bestimmungen, für BWS unter anderem DIN EN 61496-1.

Anhand der Risikobeurteilung plant der Hersteller angemessene Schutzmaßnahmen. Bei der ersten Inbetriebnahme wird dann überprüft, ob die definierten Maßnahmen richtig umgesetzt wurden. Wichtig ist dabei vor allem der Abstand der BWS zur gefahrbringenden Bewegung nach DIN EN ISO 13855:2010.

Seminartipp

Das Seminar „Risikobeurteilung und Betriebsanleitung“ hilft bei der Umsetzung der wichtigsten Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

Betreiber steht in der Pflicht

Als Arbeitgeber ist anschließend der Betreiber verpflichtet, die Sicherheit der Arbeitsmittel zu gewährleisten. Die BetrSichV konkretisiert dazu die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes. Vor der ersten Verwendung muss er deshalb mittels Gefährdungsbeurteilung feststellen, ob ausreichender Schutz besteht und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen treffen. Dann muss geprüft werden, ob die Schutzeinrichtungen vorschriftsmäßig montiert und installiert sind. Dabei werden die Geräte auch auf Schäden kontrolliert. Diese Prüfung (nach § 14) wird wieder nötig, wenn die Maschine später verändert wird.

Seminartipp

Das Seminar „Risikobeurteilung und Betriebsanleitung“ hilft bei der Umsetzung der wichtigsten Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

Die BetrSichV verlangt in § 6 außerdem sicherzustellen, dass die Schutzeinrichtungen funktionieren und ordnungsgemäß verwendet werden. Dies bedeutet, dass sie also weder verändert noch manipuliert oder umgangen wurden. Aus diesem Paragraphen leitet sich die Pflicht zu wiederkehrenden Prüfungen ab. Wie diese konkret umgesetzt werden sollen, legen die Technischen Regeln TRBS 1201 zur Prüfung von Arbeitsmitteln fest. Die Betreiber sind selbst dafür verantwortlich, die Fristen einzuhalten.

Die BWS muss sicher montiert sein

Zunächst geht es darum, ob die BWS – wie ursprünglich vorgesehen – sicher montiert ist, ob sie verändert oder manipuliert wurde und ob sie den Arbeitsablauf beeinträchtigt. Dann muss der Nachlauf, also die Zeit vom Anhalten der Funktion bis zum tatsächlichen Stillstand der Anlage, gemessen werden. Weichen die Ergebnisse von den Herstellerangaben ab, ist zu ermitteln, ob der angegebene Sicherheitsabstand auch bei maximaler Nachlaufzeit noch ausreicht. Ist das nicht der Fall, muss der Betreiber eine neue Gefährdungsbeurteilung erstellen und die Maßnahmen anpassen.

Dann ist zu klären, ob es eine Wiederanlaufsperre gibt, also ob der Gefahrenbereich hinter der BWS abgesichert ist, bzw. der Bereich aus einer anderen, nicht abgesicherten Richtung zugänglich ist. Genauso ist zu prüfen, wie der Betrieb wieder aufgenommen wird, nachdem die Schutzeinrichtung ausgelöst und die Maschine gestoppt hat.

Fehler bewusst vermeiden

Wegen mangelnder fachlicher Expertise passieren bei den Prüfungen immer wieder Fehler – wenn etwa Messungen uneinheitlich protokolliert sind. Bei der Erstprüfung wird teils nicht angegeben, auf welche gefahrbringende Bewegung sich die Messung bezieht, oder das Siegel wird falsch angebracht, sodass unklar ist, für welche Maschinenteile es gilt. Bisweilen werden Protokolle und Herstellerhinweise nicht beachtet oder fehlen. Neben geeigneten technischen Geräten sind deshalb Know-how und Erfahrung gefragt.

Das gilt umso mehr bei Sonderfällen, wo BWS andere, eventuell unklare Schutzwirkungen ausüben. Bei einem Förderband etwa entstehen Gefahren durch rotierende Maschinenteile und das beförderte Produkt: Es ist während des Transports meist ungesichert und kann bei einem Not-Stopp verrutschen. Wenn Parameter wie Produktgröße, -gewicht oder -reibung variieren, fallen Messungen unterschiedlich aus. Exakte Werte zu Nachlaufzeiten sind dann mitunter schwer zu ermitteln.

Kollisionen mit Personen oder Gegenständen verhindern

Bei Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) überwachen Schutzeinrichtungen häufig die Umgebung und verhindern Kollisionen mit Personen oder Gegenständen. Die Herausforderung dabei ist, die Messgeräte stets exakt gleich zum FTS zu positionieren. Auch die Nachlaufzeiten können variieren, je nach Einsatzort, Fahrweg und Bodenbelag. Gleichzeitig ist der Nachlauf besonders wichtig, weil er bestimmt, welche Strecke das Transportsystem nach einem Nothalt zurücklegt. Eine Variable kommt hinzu, wenn die Fahrzeuge sowohl in der Halle als auch im Außenbereich eingesetzt werden, denn Witterungseinflüsse wirken sich auf das Fahr- und Bremsverhalten aus.

Spezielle Betriebsmodi wie eine Muting-Funktion erfordern ebenfalls besondere Aufmerksamkeit. Sie dienen dazu, die Sicherheitsfunktion kurzzeitig auszusetzen, beispielsweise um Waren in oder durch den Gefahrenbereich zu transportieren. Währenddessen muss die Sicherheit auf anderem Wege gewährleitstet sein. Bei der Prüfung muss berücksichtigt werden, die Schutzfunktion nach Ende des Mute-Modus vollständig wiederherzustellen.

Regelmäßige Funktionstests sind vorgeschrieben

Hersteller schreiben für BWS meist regelmäßige Funktionstests vor. Bisweilen müssen diese arbeitstäglich vorgenommen werden. Dazu wird die Schutzfunktion mit einem Prüfstab mit vorgeschriebenen Maßen ausgelöst. Mit einer einfachen Sichtprüfung können zudem offensichtliche Schäden festgestellt werden. Dafür kann das Bedienpersonal mit einer einfachen Einweisung qualifiziert werden. Selbst korrekt ausgeführte und ordnungsgemäß protokollierte Funktionstests ersetzen jedoch keinesfalls die gesetzlich vorgeschriebenen wiederkehrenden Prüfungen.

Hersteller müssen ihre Systeme sicher und normkonform auslegen und konstruieren. Betreiber sollten sich dies vor Inbetriebnahme bestätigen lassen. Für Prüfungen im späteren Betrieb sind sie dann selbst verantwortlich. Externe Dienstleister zu beauftragen kann oft wirtschaftlicher sein, als eigene Mitarbeiter zu qualifizieren. Viele Hersteller bieten diesen Service an. Der Vorteil: Sie kennen ihre Systeme am besten. Unabhängige Dritte wie TÜV SÜD bieten herstellerübergreifende Prüfungen an. Die Experten unterstützen darüber hinaus bei allen Fragen zu Umfängen und Fristen. (jv)

Pascal Staub-Lang (M.Sc.), Leiter des Kompetenzzentrums Maschinensicherheit, TÜV SÜD Industrie Service GmbH
Pascal Staub-Lang (M.Sc.), Leiter des Kompetenzzentrums Maschinensicherheit, TÜV SÜD Industrie Service GmbH
( Bild: TÜV Süd )

* Pascal Staub-Lang (M.Sc.) ist Leiter des Kompetenzzentrums Maschinensicherheit, TÜV SÜD Industrie Service GmbH

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46104947)