Energieführung

So entstehen einbaufertig konfektionierte Energieketten-Systeme bei Igus

| Autor: Sandra Häuslein

Im Geschäftsbereich Readychain liegen viele Arbeitsschritte, die vor und nach dem Crimpprozess stattfinden, nach wie vor in Menschenhand. Doch der Automatisierungsprozess schreitet voran.
Im Geschäftsbereich Readychain liegen viele Arbeitsschritte, die vor und nach dem Crimpprozess stattfinden, nach wie vor in Menschenhand. Doch der Automatisierungsprozess schreitet voran. (Bild: S.Häuslein/konstruktionspraxis)

Readychain bedeutet konfektionierte Leitungen und komplett einbaufertige Energieketten-Systeme kundenindividuell konzeptionieren. Igus setzt dabei auf automatisierte Prozesse und einen ganzheitlichen Blick in Richtung Kunde.

600 Crimpzangen stehen bei Igus bereit. Alle sind in Gebrauch. Denn im Geschäftsbereich Readychain werden Igus-Leitungen nach Kundenwunsch konfektioniert, in die Energieführung integriert und komplett einbaufertig geliefert. Konfektionieren bedeutet heute immer noch sehr viel Handarbeit. Jedes Kabel ist anders aufgebaut: verschiedene Mantelmaterialien, unterschiedliches Innenleben, hinzu kommen tausende verschiedene Steckverbinder. Daher gibt es eben auch so viele unterschiedliche Werkzeuge im Einsatz. Igus hat den Vorteil, seine Leitungen zu kennen. Sie werden alle bei Igus gefertigt und im hauseigenen Testlabor auf Herz und Nieren geprüft. An 65 Teststationen werden über 10 Billionen Testzyklen pro Jahr mit Energieketten und Chainflex-Leitungen durchgeführt.

Automatisiert konfektionieren

Doch bei Igus will man mehr. Getreu dem Motto „der frühe Vogel bekommt den Auftrag“ will das Unternehmen die Durchlaufzeiten in der eigenen Produktion verkürzen, Prozesse intelligent verketten und den Geschäftsbereich Readychain automatisieren. Seit drei Jahren schreitet die Automatisierung nun voran. Statt der unzähligen Handarbeitsplätze stehen im Igus-Werk nun die unterschiedlichsten Crimpautomaten, die die Kabelkonfektionierung zumindest zum Teil automatisieren. Viele Arbeitsschritte, die vor und nach dem Crimpprozess stattfinden, liegen aber nach wie vor in Menschenhand. Doch auch dies soll sich ändern. Der Automatisierungsprozess im Bereich Readychain ist in vollem Gange, um eine hohe Lieferfähigkeit zu gewährleisten.

Die Herausforderung dabei: umso mehr Komponenten in einem Energieführungssystem verbaut sind, umso sensibler ist dieses Thema. Ist nur ein einziges Bauteil nicht verfügbar, ist der Bau der gesamten Energieführung obsolet. Neben dem Führen von hohen Materialbeständen im eigenen Lager ist es gleichzeitig wichtig, Partner mit besonders hoher Zuverlässigkeit und Marktdurchdringung zu haben. So sind bei Igus ganze Fertigungslinien auf die Produkte dieser Partner nach dem Kanban-Prinzip angepasst: Die Komponenten befindet sich direkt an den Werkbänken mit den direkt auf diese Komponenten abgestimmten Verarbeitungsmaschinen. „Verfügbarkeit, Produktivität, Durchlaufzeit und Qualität – da kommt eins zum anderen und erzeugt so in der Kabelkonfektion die Vorteile einer industriellen Produktion“, sagt Geschäftsbereichsleiter Christian Stremlau.

Optimierungspotenzial im eigenen Prozess erkennen

Wo Optimierungspotenziale im eigenen Prozess schlummern, erkennen die Experten bei Igus vor allem durch Wertstromanalysen in der eng getakteten Produktion. Ausgehend von dem an den Kunden kommunizierten Liefertermin wird rückwärts kalkuliert: Wann ist welcher Arbeitsschritt zu leisten? Diese Überlegungen ermöglichen, die Durchlaufzeit der Teilprozesse zu messen, Optimierungsbedarf zu definieren und mit geeigneten Maßnahmen umzusetzen.

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Nicht nur die Schnelligkeit zahlt sich bei Igus aus - auch der Systemgedanke, der im Geschäftsbereich Readychain an erster Stelle steht, bringt Kunden viele Vorteile. Neben der einbaufertigen Systemlösung wird im Unternehmen das gesamte Projekt ganzheitlich betrachtet. Je früher der Kunde Igus mit ins Boot holt, desto besser können die Igus-Projekteure in den Kunden-Prozess einwirken, Optimierungsbedarf ermitteln und über alle Ebenen – vom Material über die Komponente bis zum kompletten System – ausrollen. „Dabei raten wir auch schon mal von überdimensionierten Lösungen ab, denn es geht uns immer darum, die wirtschaftlich beste Lösung für den Kunden zu finden“, erklärt Stremlau. So unterstützt Igus zum Beispiel bei der Gewichtsreduzierung bewegter Massen oder der Gesamtmasse der Maschine. Überkonstruktionen zurücknehmen, Bauteile reduzieren, Materialien optimieren – sind hier die Schlagworte.

BUCHTIPPDas „Praxishandbuch Steckverbinder“ ist ein Nachschlagewerk für die Geräteentwicklung und für den Einsatz von Steckverbindern. Entwickler und Anwender erhalten Antworten auf Fragen zur Ausführung, Materialien, physikalische Grundlagen, Kontaktoberflächen, Abschirmmaßnahmen, Gehäusemechanik und Verriegelungssysteme.

Erfahrung des Energieführungs-Spezialisten nutzen

Die Readychain-Projektierung bietet dem Kunden zudem die Möglichkeit, auf ein weiteres Projektteam für seine Maschine zuzugreifen und seine Ingenieurskapazitäten für noch mehr Parallelarbeit und noch kürzere Durchlaufzeiten in der Konstruktionsphase auszurichten. Die hierdurch dazugewonnene Agilität ist messbar und bringt zudem die Erfahrung des Energieführungsspezialisten in die Entwicklung ein.

Ein klassischer Rundgang durch die Fabrik bedeutet für Igus „sehen und verstehen“. „Damit meinen wir auch, mit dem Kunden zu diskutieren, wenn man einen Verbesserungsvorschlag zu bieten hat. Es geht schließlich um die perfekte Modulkonzeption einer Energieführung, die in der Serienproduktion über Jahre wiederkehrend in die Maschine eingebaut wird“, sagt Geschäftsbereichsleiter Christian Stremlau.
Ein klassischer Rundgang durch die Fabrik bedeutet für Igus „sehen und verstehen“. „Damit meinen wir auch, mit dem Kunden zu diskutieren, wenn man einen Verbesserungsvorschlag zu bieten hat. Es geht schließlich um die perfekte Modulkonzeption einer Energieführung, die in der Serienproduktion über Jahre wiederkehrend in die Maschine eingebaut wird“, sagt Geschäftsbereichsleiter Christian Stremlau. (Bild: S.Häuslein/konstruktionspraxis)

Um zusätzliche Potenziale beim Kunden zu heben, ist es wichtig, dessen Abläufe zu kennen. Ein klassischer Rundgang durch die Fabrik bedeutet für Igus daher „sehen und verstehen“. „Damit meinen wir auch, mit dem Kunden zu diskutieren, wenn man einen Verbesserungsvorschlag zu bieten hat. Es geht schließlich um die perfekte Modulkonzeption einer Energieführung, die in der Serienproduktion über Jahre wiederkehrend in die Maschine eingebaut wird“, sagt Stremlau.

So ist es dann auch dem Kunden möglich, Durchlaufzeiten in der eigenen Produktion zu reduzieren, was sich wiederum auf kürzere Lieferzeiten und höheren Output auf gleicher Fläche auswirkt. Ein wichtiges Verkaufsargument. Denn auch für den Kunden gilt: Der frühe Vogel bekommt den Auftrag.

Standardisierte Produktionseinheit für internationale Niederlassungen

Igus hat sich diesen Leitsatz auf die Fahne geschrieben. Readychain-Systeme beschreiben ein ganzheitliches Konzept mit schlanken („lean“) und immer weiter automatisierten Produktionsabläufen in der eigenen Fertigung, kundenindividuellen Systemlösungen bis hin zu ganzen Prozessoptimierungen beim Kunden.

Ausgerollt wird dieses Konzept nun auch international. In sogenannten Production Units will Stremlau seine standardisierte Produktionseinheit in internationalen Niederlassungen integrieren. Christian Stremlau: „Wir bemühen uns da zu produzieren, wo wir auch verkaufen“ Durch die einheitlichen Strukturen profitiert dann auch der internationale Vertrieb von den optimierten Prozessen. Readychain macht sich also von allen Seiten „ready for future“.

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