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Anwendertreff Maschinensicherheit Smarte Safety-Konzepte

| Autor: Ute Drescher

Was bedeuten vernetzte Maschinen und intelligente Komponenten für die funktionale Sicherheit? Das ist eine der zentralen Fragen, die auf dem 4. Anwendertreff Maschinensicherheit diskutiert werden.

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(Bild: VBM-Archiv)

Im Zeitalter von Industrie 4.0 steigt die Komplexität von Maschinen und Anlagen, vor allem durch die zunehmende Integration vieler elektronischer Steuerelemente und dezentral organisierter Rechnereinheiten. Das stellt auch hohe Anforderungen an die technische Dokumentation, Zeit- und Kostenaufwand nehmen zu. So wird der Stand der Unterlagen nach der Auslieferung und dem Anlauf der Anlagen kaum aktuell gehalten. Bei technischen Um- oder Aufrüstungen z. B. durch Produktwechsel, Optimierungsmaßnahmen oder eine Produktionsvolumenanpassung werden die daraus folgenden Änderungen meist nur als Zusatz der Dokumentation hinzugefügt oder gar nicht eingepflegt. Es gilt daher, neue Strategien für diese Aufgaben zu entwickeln und umzusetzen.

Genau dies hat sich das Forschungsprojekt Cyber-System-Connector (CSC) zum Ziel gesetzt: Mit einem virtuellen Abbild der Anlagen über den gesamten Produktlebenszyklus soll die technische Dokumentation immer aktuell bleiben. Nach dreijähriger Laufzeit liegen jetzt die Ergebnisse des Projekts vor, an dem neben der TU Dortmund (IPS) und der Ruhr Universität Bochum (LPS) sowohl Entwicklungs- als auch Anwendungspartner beteiligt waren. Sie werden auf dem 4. Anwendertreff Maschinensicherheit präsentiert.

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Sicherheit als Standard

Einer der Referenten im Praxisforum 1 „Sicherheit als Standard“ ist Matthias Schulz. Der Geschäftsbereichsleiter Profiservices bei Axelent weist auf die Bedeutung der Risikobeurteilung für die EU-Konformität hin. Anhand eines Beispiels stellt Schulz dar, wie Risikobeurteilungen mit Hilfe der „Task-Based“-Methode nach EN ISO 12100 optimal durchgeführt werden können und zeigt Schnittstellen zu weiteren wesentlichen Arbeitsschritten hin zur EU-Konformität auf. Dass die Risikobeurteilung die Informationen zur korrekten Auslegung der funktionalen Sicherheit und zur Ausarbeitung der Betriebsanleitung liefert, ist ein zentraler Punkt seines Vortrags.

Im Praxisforum 2 „Mensch-Maschine-Interaktion“ dreht sich alles um die Schnittstelle Mensch-Maschine. So wird heute die Anwendung von Industrierobotern in der Regel durch eine Simulation im Vorfeld digital abgesichert. Diese Simulation kann und sollte auch die Aspekte des Bedienerschutzes umfassen. Bei einer ausgeprägten Mensch-Roboter-Kollaboration muss sie es sogar, fordert Thomas Prchal von B&R in seinem Vortrag. Denn: Die Sicherheitsabstände nach EN ISO 13855 und 13857 sind in der realen Anlage nicht erkennbar. Man kann sie jedoch im CAD modellieren und in der Simulation als Störkontur verfügbar machen. Aufgabe der Simulation ist es, die Geometrie zu bestimmen und die Machbarkeit sowohl des Ablaufs als auch des Personenschutzes zu verifizieren. Der Vorteil: Zielkonflikte können damit bereits in der Engineering-Phase identifiziert, mit der Berufsgenossenschaft erörtert und nachvollziehbar gelöst werden.

Sicherheitsgerichtete Antriebstechnik

Einen augenzwinkernden Blick in die Zukunft wagt Michael Niehaus, Technologiemanager Funktionale Sicherheit bei Lenze, im Praxisforum 3, „Sicherheitsgerichtet Antriebstechnik“. Welche Applikation sind durch Sicherheitsfunktionen im Jahr 2050 möglich und wie nah sind wir schon an der schönen neuen Welt? Zurück in der Gegenwart zeigt der Vortrag, wie Sicherheit einfach in die Bewegungs­abläufe heutiger Applikationen integriert und wie diese miteinander verknüpft werden können.

Bereits seit Juli 2016 sind die Änderungen in Kraft und die Übergangsfrist der DIN EN ISO 13849-1:2008 ist abgelaufen. Grund genug, im Praxisforum 4, „Aufbau von Sicherheitssystemen“, einen prüfenden Blick auf die Änderungen zu werfen. Thomas Kramer-Wolf, Fachreferent Safety/Maschinenbau bei Wieland, weist in seinem Vortrag darauf hin, dass die DIN EN ISO 13849-1 wichtige praktische Änderungen in der Risikobeurteilung und in der Berechnung der Sicherheitsfunktionen beinhaltet. Weil es in den Bewertungen sowohl Verschärfungen als auch Erleichterungen gibt, sollten Maschinenbauer eine zeitnahe Prüfung dringend durchführen, rät Kramer-Wolf. Er zeigt die zentralen Änderungen im Vortrag auf. (ud)

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Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht