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Adaptiver Formgreifer

Schnappt alles: Chamäleon-Zunge für Automation

| Redakteur: Sariana Kunze

Objekte mit völlig unterschiedlichen Formen greifen, sammeln und wieder abgeben – wie eine Chamäleon-Zunge. Das schafft das Wirkprinzip des adaptiven Formgreifers DHEF von Festo und zwar ohne manuellen Umbau.

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Wie einen Saugnapf stülpt ein Chamäleon seine Zungenspitze über die Beute. Eine Eigenschaft, die sich die Automation zunutze macht.
Wie einen Saugnapf stülpt ein Chamäleon seine Zungenspitze über die Beute. Eine Eigenschaft, die sich die Automation zunutze macht.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Das Greifwerkzeug eines Chamäleons ist seine Zunge. Hat das Reptil seine Beute im Visier, lässt es sein Fangwerkzeug wie ein Gummiband herausschnellen. Kurz bevor die Zungenspitze das Insekt erreicht, zieht sie sich in der Mitte zurück, während sich die Ränder weiter vorwärtsbewegen. Dadurch passt sich die Zunge der Form und Größe des jeweiligen Beutetieres an und kann es fest umschließen. Wie an einer Angelschnur befördert das Chamäleon dann die Beute in seinen Mund. Diese Eigenschaft hat sich das Festo Bionic Learning Network mit Forschern der Universität Oslo zum Vorbild genommen und einen adaptiven Formgreifer entwickelt, der Werkstücke wie mit der Zunge eines Chamäleons greifen kann.

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Die Silikonkappe des adaptiven Formgreifers DHEF stülpt sich über fast jedes beliebig geformte Greifobjekt. Dadurch entsteht ein fester Formschluss. Das elastische Silikon passt sich präzise an viele unterschiedliche Geometrien an. In Kombination mit einem pneumatischen Antrieb greift die „Chamäleon-Zunge“ energiearm und sicher.

Anders als die heutzutage am Markt verfügbaren Backengreifer, die nur bestimmte Komponenten greifen können, arbeitet der adaptive Formgreifer hochflexibel. Er kommt sogar mit Bauteilen zurecht, die freie Formen und runde Geometrien aufweisen. Da er keine scharfen Kanten hat, eignet er sich auch ideal für den Einsatz bei empfindlichen Objekten wie Luftdüsen oder Applikationsleisten. Prinzipiell kann der Greifer in einem Bewegungsgang mehrere Teile wie etwa Muttern aus einer Schale aufnehmen.

Bionischer Greifer für empfindliche Objekte

Damit ist der bionische Greifer beispielsweise beim Handling von Kleinteilen im klassischen Maschinenbau, in der Elektronik- oder Automobilindustrie, in Zuführeinheiten für Verpackungsanlagen, für die Mensch-Roboter-Interaktion bei Montageaufgaben oder bei Prothesenergänzungen in der Medizintechnik einsetzbar.

Genormte Roboterschnittstelle für die Automation

Ausgestattet mit einer elastischen Silikonmembran, die sich flexibel und nachgiebig zeigt und mit Druckluft beaufschlagt wird, sowie mit einer genormten Roboterschnittstelle mit integrierten Luftanschlüssen, wird der Greifer zur praktischen Automatisierungskomponente. Zudem besitzt der Greifer eine Sensornut für Standardsensoren zur Positionsabfrage sowie der Bajonettverschluss zum einfachen Austausch der Kappe.

Hannover Messe: Halle 15, Stand D11

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