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Schmierstoff Schmierstoffe mit funktionellen Wasseranteilen entwickelt

Redakteur: Lilli Bähr

Klüber Lubrication ist es eigenen Angaben zufolge gelungen, homogene Schmierstoffe mit funktionellen Wasseranteilen zu entwickeln: die Hydro Lubricants. Durch Additive im Schmierstoff oder technische Lösungen am Bauteil sollen die wasserspezifischen Effekte positiv nutzbar gemacht werden können. Schon heute wird die Hydro-Lubrication-Technologie in der Klüberplus-C-2-Serie genutzt.

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Bei der Hydro-Lubricants-Technologie bilden Wasser und wasserlösliche Öle eine homogene Lösung, die als Schmierstoff verwendet werden kann.
Bei der Hydro-Lubricants-Technologie bilden Wasser und wasserlösliche Öle eine homogene Lösung, die als Schmierstoff verwendet werden kann.
(Bild: Klüber Lubrication)

Wie wäre es, wenn die Wartung beispielsweise von Industrie- oder von PKW-Getrieben darin bestünde, einfach Leitungswasser nachzufüllen? Wenn Verunreinigungen durch Schmierstoffe problemlos mit klarem Wasser beseitigt werden könnten? Nicht nur würde das die Arbeit in Industriebetrieben sicherer und sauberer machen, mit einem Schlag wären auch alle Sorgen um die Nachhaltigkeit des verwendeten Schmierstoffs behoben. Auf Basis dieser Überlegung hat Klüber Lubrication ein Konzept entwickelt, das das Potenzial hat, die Zukunft der Spezialschmierstoffe zu revolutionieren. Den Tribologieexperten ist es eigenen Angaben zufolge gelungen, homogene Schmierstoffe mit funktionellen Wasseranteilen zu entwickeln: die Hydro Lubricants.

Nachhaltig, weltweit verfügbar, nicht toxisch und nicht brennbar

„Gegenüber den heutigen ölbasierten Schmierstoffen bietet Wasser zahlreiche wichtige funktionale Vorteile: Es ist nachhaltig, weltweit verfügbar, nicht toxisch und nicht brennbar“, erklärt Dr. Stefan Seemeyer, Leiter Forschung und Produktentwicklung bei Klüber Lubrication. „Als Schmierstoff war es bisher nur bedingt nutzbar, da Wasser bestimmten physikalischen und biologischen Grenzen wie Verdampfungs- und Gefrierpunkt, Oxidation oder mikrobiologischem Wachstum unterliegt. Durch Additive im Schmierstoff oder technische Lösungen am Bauteil können diese Grenzen jedoch verschoben und die wasserspezifischen Effekte positiv nutzbar gemacht werden. Bei einem wasserbasierten Produktkonzept konnten wir die Reibung sogar so weit reduzieren, dass der Bereich der ‚Superlubricity‘ in Reichweite kommt.“

Als bewusst eingesetzte Schmierstoffkomponente soll Wasser völlig neue Möglichkeiten bieten, schon allein durch die neu gewonnene große Rohstoffvielfalt. Da wasserlösliche Substanzen in der Regel nicht öllöslich sind, spielten diese bei der klassischen Schmierstoffentwicklung kaum eine Rolle. Nun wird es dem Unternehmen zufolge möglich, mit solchen neuartigen Schmierstoffkomponenten neue Leistungsparameter zu erreichen, etwa sehr gute Kühleigenschaften oder Energieeinsparungen durch signifikante Reibungsreduzierung.

Wasserspezifische Effekte eröffnen neue Möglichkeiten

Auch durch technische Lösungen am Bauteil können die wasserspezifischen Effekte positiv nutzbar gemacht werden. Beispielsweise lässt sich verdunstetes Wasser in einem geschlossenen Bauteil im Kreislauf halten und sogar zur Kühlung nutzen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist es, die offensichtlichen Eigenschaften des Wassers wie elektrische Leitfähigkeit oder Kühleffekte nutzbar zu machen. Damit eröffnen sich für viele Anwendungsbereiche neue Möglichkeiten, zum Beispiel in der E-Mobilität.

„Der Spezialschmierstoff der Zukunft muss bislang unbekannte Herausforderungen lösen“, erklärt Michaela Wiesböck, Gruppenleiterin bei Klüber Lubrication im Bereich Forschung und Produktentwicklung. „Angesichts wachsender Ansprüche an Schmierstoffe hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit einerseits und der Endlichkeit fossiler Rohstoffe andererseits, wird der Bedarf an neuartigen, komplett auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Schmierkonzepten deutlich.“

Die Hydro-Lubrication-Technologie wird schon heute in der Klüberplus-C-2-Serie genutzt. Bei dem für Förderbänder konzipierten Schmierstoff bilden Wasser- und wasserlösliche Öle eine homogene Lösung, was zu einer besseren Dosierbarkeit des Schmierstoffes und damit zu Verringerung von Produktionsstörungen führen soll. Damit steht die Technologie jedoch erst am Anfang der Ausschöpfung ihres Potenzials. Mit Kooperationspartnern aus unterschiedlichen Branchen arbeitet das Unternehmen derzeit an Hydro Lubricants für Anwendungen in Getriebe, Lager, Ketten und andere Komponenten. (lb)

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