Safety

Retrofit – aber richtig

| Autor / Redakteur: Thomas Kramer-Wolf / Ute Drescher

Bei einem Retrofit von Maschinen mit hohem Mechanikanteil - etwa Pressen - lassen sich Einsparungen gegenüber einer Neuanschaffung von über 90 % erreichen.
Bei einem Retrofit von Maschinen mit hohem Mechanikanteil - etwa Pressen - lassen sich Einsparungen gegenüber einer Neuanschaffung von über 90 % erreichen. (Bild: Thomas Kramer-Wolf/Wieland)

Die Modernisierung von Alt-Anlagen, Pressen oder anderen Maschinen lohnt sich meist – nicht nur aus Kostengründen. Ob die Maschine anschließend ein neues CE benötigt, hängt von den individuellen Bedingungen ab.

Ein Retrofit bietet sich vor allem für Maschinen an, die in die Tage gekommen sind und bei denen die Mechanik einen Großteil der Kosten ausmacht. Die wohl typischsten Vertreter sind Pressen. Hier liegt der Kostenanteil für die Mechanik häufig bei weit über 90 %, aber auch für viele andere Maschinen- und Anlagentypen trifft dies zu. Nach 20 oder 30 Jahren ist die Steuerung häufig nur noch für Historiker interessant, die Mechanik ist aber, selbst im Vergleich zu aktuellen Pressen, praktisch gleichwertig. Damit ist auch schon die Grundidee geboren. Unter Beibehaltung der Mechanik wird die Maschine auf einen aktuellen Technologiestand gebracht. Damit lassen sich Einsparungen gegenüber einer Neuanschaffung von über 90 % erreichen, weshalb sich derartige Umbauten praktisch immer lohnen.

Neben der Wiederherstellung der Zuverlässigkeit spielt die Erhöhung der Produktivität eine wichtige Rolle. Modernere Sicherheitseinrichtungen verbessern die Sicherheitsreaktionszeiten der Maschine oder ermöglichen bedienerfreundlichere Arbeitsabläufe. Echte Leistungserhöhungen im Sinne von schnelleren Antrieben oder erhöhter Antriebsleistung sind häufig mit Vorsicht zu genießen, da hierdurch der Aufwand des Retrofit massiv ansteigt. Aktuelle Antriebstechnik oder eine überarbeitete Hydraulik oder Pneumatik senken aber in jedem Fall die Energieverluste und damit die Betriebskosten der Maschine. Als Gratiszugabe können derartige Umbauten auch moderne Kommunikations- und I4.0-Technologien nutzen.

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Insbesondere dem Management beschert ein Retrofit einen ruhigeren Schlaf, besonders dann, wenn Veränderungen an der Maschine ohne Dokumentation erfolgt sind. Die mit dem Retrofit einhergehende neue Dokumentation sorgt dafür, dass der sichere Betrieb auch rechtssicher dokumentiert ist.

Gute Chancen für sichere Maschinen

Eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit einem Retrofit lautet: Kann jede Maschine auf einen aktuellen Stand gebracht werden, egal wie alt, egal ob mit oder ohne CE? Leider ist diese Frage nicht pauschal mit ja zu beantworten. Als Faustregel gilt aber: Eine Maschine, die derzeit sicher betrieben werden kann und darf, hat gute Chancen für ein Retrofit mit vertretbarem Aufwand. Ob die Maschine anschließend ein neues CE benötigt, hängt von den individuellen Bedingungen ab. Dabei spielen Alter, Umfang des Umbaus und bereits vorhandene Dokumentation zur Maschine die wesentlichen Rollen. Maschinen die derzeit nicht in einem betriebsfähigen Zustand sind, haben ebenfalls Chancen, allerdings ist hier immer eine individuelle Bewertung unerlässlich.

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Wie läuft ein Retrofit praktisch ab? Im ersten Schritt wird bewertet, ob die Maschine zum aktuellen Zeitpunkt den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Dies hat der Betreiber sowieso regelmäßig im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu tun. Ist die Maschine vor dem Umbau in Ordnung, steht einem weiteren Vorgehen nichts im Wege. Wurden in der Vergangenheit undokumentierte Änderungen durchgeführt oder ist der Zustand der Maschine fragwürdig oder gar nicht mehr sicher, dann ist zuerst ein sicherer und gesetzeskonformer Zustand herzustellen. Dies ist häufig der größte und schwierigste Teil eines Retrofit, denn nicht selten sind die Maschinen nach vielen kleinen und undokumentierten Umbauten in einem Zustand, der den aktuellen rechtlichen und technischen Anforderungen nicht mehr entspricht. Hier ist viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erforderlich.

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Im Anschluss können nun die Themenpakete wie Elektrik, Sicherheitstechnik, Hydraulik oder Antriebstechnik in Angriff genommen werden. Bei geeigneter Planung und Dokumentation kann hier häufig auf eine erneute CE-Konformitätserklärung verzichtet werden. Dies gilt praktisch unabhängig vom Alter der Maschine. Bei guter Planung und Dokumentation lässt sich so für die meisten Maschinen auch nach vielen Jahren eine rechtskonforme Modernisierung erreichen. (ud)

* Dipl.-Ing. Thomas Kramer-Wolf ist Leiter Training & Services bei der Wieland Electric GmbH, Bamberg.

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