Zweirad Rennrad oder Gravelbike: Was sind die Unterschiede?

Quelle: Pressedienst-Fahrrad 4 min Lesedauer

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Die Tour de France begeistert Millionen. Für einige sind die Bilder der legendären Bergpassagen der Anlass, selbst mit dem Radsport zu beginnen. Neben dem Rennrad etabliert sich das Gravelbike. Doch worin unterscheiden sich beide Radtypen?

Rennrad und Gravelbike unterscheiden sich unter anderem bei Reifen, Schaltung, Rahmengeometrie und Lenkerform.(Bild:  www.stevensbikes.de | pd-f)
Rennrad und Gravelbike unterscheiden sich unter anderem bei Reifen, Schaltung, Rahmengeometrie und Lenkerform.
(Bild: www.stevensbikes.de | pd-f)

Auf den ersten Blick unterscheiden sich Rennrad und Gravelbike für Einsteiger kaum. Beide Radtypen sind sportliche Fahrräder mit Rennlenker, der verschiedene Griffmöglichkeiten und Sitzpositionen erlaubt. Im Einstiegssegment bestehen die Rahmen meist aus Aluminium, da das Material vergleichsweise günstig und langlebig ist. Wer ein leichteres Fahrrad, etwa für den Renneinsatz, sucht, entscheidet sich für die teurere Carbonvariante. Titan- und Stahlrahmen sind vor allem bei Liebhabern gefragt. Viele Gravelbikes verfügen zudem über Aufnahmen für Taschen, Schutzbleche und Gepäckträger. Dadurch lässt sich auch für längere Touren unkompliziert Gepäck befestigen. Scheibenbremsen gehören inzwischen bei beiden Radtypen zur Standardausstattung.

Breite vs. schmale Reifen 

Bei genauerem Blick zeigen sich jedoch einige Unterschiede zwischen den beiden Radtypen. Der auffälligste betrifft die Reifen: Während ein Rennrad auf schmalen, kaum profilierten Reifen mit einer Breite von 23 bis 28 Millimetern rollt, sind Gravelbikes mit breiteren und stärker profilierten Pneus ausgestattet, die bis zu 50 Millimeter oder sogar noch breiter sein können.

Rennräder sind für glatten Asphalt ausgelegt. Der hohe Reifendruck verringert den Rollwiderstand auf befestigten Straßen und ermöglicht hohe Geschwindigkeiten. Gravelbikes sind dagegen, wie ihr Name bereits andeutet, auch für Schotterpisten und Feldwege geeignet. Gravel ist das englische Wort für Kies oder Schotter. Der niedrigere Reifendruck und die breiteren Reifen erhöhen den Komfort auf unebenen Untergründen und verbessern dort die Fahreigenschaften. Auf Asphalt sind Gravelbikes weniger schnell als Rennräder, der Unterschied fällt jedoch geringer aus als bei Mountain- oder Trekkingbikes. Deshalb werden sie auch als Allwegräder bezeichnet und eignen sich für abwechslungsreiche Strecken.

Einfach oder zweifach Schaltung? 

Ein zweiter wesentlicher Unterschied ist die Schaltung. Bei klassischen Rennrädern kommt eine sogenannte Zweifachschaltung zum Einsatz. An der Kurbel befindet sich ein Umwerfer, mit dem man zwischen einem kleinen und einem großen Kettenblatt wechseln kann. So lässt sich zwischen rasantem Fahren auf dem großen und guten Klettereigenschaften auf dem kleinen Kettenblatt wählen. Das Ritzelpaket am Hinterrad ist klein und ermöglicht fein abgestufte Gänge. Ein Rennrad hat in der Regel zwischen 20 (2 × 10) und 24 (2 × 12) Gänge.

Bei vielen Gravelbikes wird dagegen auf den Umwerfer verzichtet und eine Einfachschaltung verbaut. Der Vorteil: Das Schalten ist intuitiver und direkter, weil es keine Gangüberschneidungen gibt. Dafür kommt eine größere Kassette zum Einsatz, die zwar größere Gangsprünge zwischen den Ritzeln aufweist, aber auch sehr leichte Gänge ermöglicht, wenn man beispielsweise an steilen Rampen im Gelände unterwegs ist. Ein weiterer Vorteil ist der geringere Wartungsaufwand, der die Einfachschaltung für den Geländeeinsatz interessant macht. Gravelbikes kommen in der Regel mit elf oder zwölf Gängen aus. Es gibt allerdings auch Modelle mit einer Zweifachschaltung, ebenso wie Rennräder mit Einfachschaltung.

Unterschiede und Parallelen bei der Geometrie 

Das dritte Unterscheidungsmerkmal ist die Rahmengeometrie. Rennräder sind kompakt gebaut und haben einen kurzen Radstand. Bei ihrer Entwicklung steht eine aerodynamische Sitzposition im Mittelpunkt. Die deutliche Sattelüberhöhung bedeutet, dass der Sattel höher als der Lenker steht. Dadurch ergibt sich eine nach vorn gebeugte und windschnittige Sitzposition.

Bei Gravelbikes steht dagegen der Komfort im Vordergrund. Die geringere Sattelüberhöhung ermöglicht eine aufrechtere Sitzposition, da sich der Sattel häufig ungefähr auf Höhe des Lenkers befindet. Zudem ist der Radstand länger als bei klassischen Rennrädern, was für mehr Laufruhe sorgt.

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Bei genauerer Betrachtung der Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigt sich jedoch, dass die Grenzen zwischen beiden Radtypen zunehmend verschwimmen. Endurance-Rennräder für den Langstreckeneinsatz bieten einen ähnlichen Komfort wie Gravelbikes. Umgekehrt wird bei sportlichen Gravelbikes für Renneinsätze zunehmend auf eine bessere Aerodynamik und Effizienz nach dem Vorbild von Rennrädern gesetzt.

Ein weiterer Unterschied ist die Lenkerform. An Gravelbikes ist meist ein Lenker mit sogenanntem Flare verbaut. Diese Lenker sind breiter als herkömmliche Rennradlenker und an den Seiten beziehungsweise im Unterlenker nach außen gebogen. Das ermöglicht eine bessere Kontrolle im Gelände und mehr Sicherheit auf Schotter. Zudem kann die breitere Griffposition Schultern und Handgelenke auf längeren Strecken entlasten. Es überrascht daher nicht, dass inzwischen auch einige Rennradprofis auf Flare-Lenker setzen und die Grenzen zwischen den beiden Radtypen weiter verschwimmen.

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Gravelbikes verändern den Rennradmarkt

Mit Gravelbikes ist neuer Schwung in den Rennradmarkt gekommen. Für Einsteiger bieten sie eine vielseitige Lösung, mit der sich unterschiedliche Wege und Strecken befahren lassen. Das Interesse an den Rädern ist groß: Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands wurden 2025 mehr als 200.000 neue Gravelbikes verkauft. Das waren fast doppelt so viele wie Rennräder.

Gleichzeitig entstehen immer mehr Varianten des Gravelbikes, während die Grenzen zum Rennrad zunehmend verschwimmen. Ein rennorientiertes Gravelbike lässt sich kaum noch von einem komfortorientierten Rennrad unterscheiden. Für Käufer bedeutet das eine größere Auswahl an Rädern, die sich gezielt auf unterschiedliche Einsatzzwecke abstimmen lassen.

Steht das klassische Rennrad deshalb vor dem Aus? Mitnichten. Auch das Rennradsegment profitiert von der wachsenden Nachfrage nach Gravelbikes. Zum einen wird der Radsport dadurch stärker öffentlich wahrgenommen und erreicht neue Interessierte. Zum anderen zeichnet sich im Gravelbike-Segment bereits eine Warenknappheit ab, wie der Handelsverband VDZ berichtet. Nach Angaben des Verbands steigt dadurch auch die Nachfrage nach Rennrädern wieder, insbesondere im Einstiegsbereich.