Nvidia GTC 2026 Neue Lösungsansätze für KI-Agenten, Robotik und digitale Zwillinge

Quelle: Dassault Systèmes, Dell, Festo, Nvidia, PNY, Suse 6 min Lesedauer

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Der industrielle Einsatz von KI verlagert sich zunehmend von der Erprobung in den regulären Betrieb. Im Fokus stehen dabei KI-gestützte Assistenzsysteme für das Engineering, digitale Zwillinge für Physical AI sowie der Aufbau dedizierter KI-Rechenzentren. Einige Neuheiten im Überblick.

Mit neuen Hard- und Softwarelösungen rückt der produktive KI-Einsatz in der Industrie weiter in den Vordergrund. (Bild:  Nvidia)
Mit neuen Hard- und Softwarelösungen rückt der produktive KI-Einsatz in der Industrie weiter in den Vordergrund.
(Bild: Nvidia)

Die diesjährige Nvidia GTC (20. bis 22. Oktober) in Berlin stand ganz im Zeichen des produktiven KI-Einsatzes. Der thematische Bogen spannte sich dabei über den kompletten KI-Stack – von der LLM-Entwicklung bis hin zu Physical AI für wissenschaftliche und industrielle Anwendungen. Zahlreiche Unternehmen nutzten die Veranstaltung, um neue Produkte oder Kooperationen anzukündigen - ein Überblick.

1. Festo und Nvidia entwickeln digitale Zwillinge für Physical AI

Festo kooperiert mit Nvidia zur Entwicklung präziser digitaler Simulationsmodelle. Ziel des Unternehmens ist es, den Qualitätsanspruch der eigenen Hardware auf den virtuellen Raum zu übertragen und so den Weg für „Physical AI“ in der Industrie zu ebnen.
Um komplexe Maschinenabläufe bereits vor dem physischen Aufbau testen zu können, setzt Festo künftig auf das offene Simulationsframework Nvidia Isaac Sim sowie Omniverse-Bibliotheken. Dabei gleicht das Unternehmen systematisch reale Labormessungen mit simulierten Daten ab, um das dynamische Verhalten der Komponenten exakt nachzubilden.
„Die Zusammenarbeit ist ein Meilenstein für die industrielle Automatisierung“, betont Festo-CTO Prof. Dr. Tomas Smetana. Man wolle virtuelle Umgebungen schaffen, denen Anwender ebenso vertrauen können wie der realen Hardware.
Ein erstes Praxisbeispiel ist ein gemeinsames Projekt mit ABB Robotics: Die Partner verknüpfen den digitalen Zwilling eines Festo-Handlingsystems mit der Software ABB Robot Studio. Maschinenbauer können dadurch ihre Anlagen virtuell in Betrieb nehmen, Integrationsfragen frühzeitig klären und Entwicklungszeiten drastisch verkürzen. Langfristig strebt Festo eigenen Angaben zufolge an, die Lücke zwischen Simulation und Realität so weit zu schließen, dass sich virtuelle Konzepte nahezu ohne Anpassungsaufwand auf reale Maschinen übertragen lassen.

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2. Dassault Systèmes treibt industrielle KI voran

Dassault Systèmes hat auf der GTC neue Entwicklungen im Bereich der industriellen Künstlichen Intelligenz gezeigt. Im Fokus standen KI-gestützte „Virtual-Twin-Fabriken“ und virtuelle Assistenten, die künftig Prozesse in Engineering, Fertigung und Wissenschaft revolutionieren sollen.
Die „Virtual Companions“ Aura, Leo und Marie übernehmen langfristige industrielle Aufgaben, belassen die finale Entscheidungshoheit jedoch stets beim Menschen. Im Engineering bewerteten die Assistenten in Maschinengeschwindigkeit Designalternativen. In der Fertigung ermöglichen es Delmia-Anwendungen, durchgängige und vollständig automatisierte Produktionsprozesse am digitalen Zwilling zu erproben.
Darüber hinaus demonstrierte das Unternehmen das Design und die Simulation ganzer „Engineering-KI-Fabriken“ auf Basis der Nvidia-DSX-Architektur. Die gezeigten Technologien unterstreichen die konsequente Weiterentwicklung der Anfang des Jahres vertieften Partnerschaft zwischen Dassault Systèmes und Nvidia, heißt es.

3. Dell und Nvidia treiben Einsatz von Agentic AI voran

Dell Technologies kündigt weitreichende Neuerungen für die „Dell AI Factory with Nvidia“ an. Ziel ist es, agentenbasierte KI sicher aus der Testphase in den Produktivbetrieb zu überführen. Über 6.500 Unternehmen nutzen die Plattform laut Dell bereits.
Um autonome KI-Workflows abzusichern, erweitert Dell sein Software-Ökosystem. Ab sofort ist etwa das Open-Weight-Modell Beam von Reflection validiert. Neue Integrationen von Partnern wie Mistral, Dynatrace und Red Hat helfen dabei, KI-Ressourcen künftig effizient und transparent im Unternehmensmaßstab zu steuern. Auch hardwareseitig baut Dell das Portfolio aus: Für Entwickler gibt es neue „Deskside“-Lösungen und Pro Precision Workstations.
Für Rechenzentren präsentiert Dell vorkonfigurierte Container-Lösungen (Modular Data Center) sowie neue Power-Edge-Server, die mit Vera CPUs und Groq 3 LPUs optimal auf anspruchsvolle KI-Inferenz abgestimmt sind.

4. PNY stellt Konfigurator für digitale KI-Fabriken vor

Der Aufbau von KI-Infrastrukturen ist komplex. PNY Technologies zeigt mit dem neuen „AI Factory Digital Twin Configurator“ nun einen Weg, diese Herausforderung zu meistern. Mit der interaktiven Anwendung können Unternehmen maßgeschneiderte Rechenzentren für Künstliche Intelligenz planen und direkt als 3D-Modell visualisieren.Nutzer greifen unkompliziert per Smartphone auf das Tool zu und wählen die benötigte Art und Anzahl der Server aus. Das System berechnet daraufhin automatisch die optimale Architektur – passgenau für KI-Training, Fine-Tuning oder Inferenz. Im Anschluss wird die konfigurierte Anlage unmittelbar als digitaler Zwilling dargestellt. So erhalten Anwender einen realistischen Eindruck von Architektur und Leistungsfähigkeit der geplanten „AI Factory“. Die technologische Basis für die fotorealistische Visualisierung bilden das Omniverse sowie die neue Nvidia RTX PRO 6000 Blackwell Max-Q GPU.
Neben der virtuellen Planung liefert PNY als spezialisierter Distributor auch die passende Hardware für solche KI-Rechenzentren. Das Angebot umfasst Netzwerktechnologien sowie die aktuellen Nvidia-Beschleuniger der Blackwell-Generation, darunter die RTX PRO 6000 und 4500 (Server- und Workstation-Editionen). Damit bietet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge alle Bausteine, um anspruchsvolle KI-Projekte in die Realität umzusetzen.

5. Suse stärkt Enterprise AI und startet ISV-Zertifizierungsprogramm

Suse präsentiert neue Funktionen für Private Enterprise AI, mit denen Unternehmen die volle Datenkontrolle beim Einsatz autonomer KI-Agenten behalten. Kern ist die Integration der Nvidia OpenShell Referenzarchitektur in die „SUSE AI Factory with Nvidia“.Als Basis dient das neue Betriebssystem „SLES für Nvidia“. Es nutzt eine Zero-Trust-Architektur, überwacht kontinuierlich den Datenverkehr der Agenten und blockiert unbefugte Anfragen, um absolute Datensouveränität zu garantieren. Ein Praxisbeispiel liefert das Finanzministerium des mexikanischen Staates Guanajuato, das die Plattform derzeit für smarte Verwaltungsdienste testet.
Ein zentraler Baustein ist zudem das neue, zweistufige ISV-Zertifizierungsprogramm. Mit den Stufen „Ready for“ und „Certified for“ stellt Suse sicher, dass Drittanbieter-Software nahtlos mit der eigenen KI-Plattform harmoniert. Das Rahmenwerk vereinfacht die Validierung von Partnertechnologien, beseitigt Integrationshürden und garantiert klare Support-Zuständigkeiten. Kunden können so wesentlich sicherer vom Test- in den unternehmensweiten Produktivbetrieb wechseln. Eine neue Kooperation mit Fujitsu zur Bereitstellung hybrider Quantenintelligenz rundet das erweiterte Portfolio ab.

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6. Neuheiten von Nvidia im Überblick

  • Mit der Open-Shell-Referenzarchitektur bietet Nvidia ein sicheres Fundament zur Entwicklung und Überwachung von KI-Agenten über die gesamte Unternehmensinfrastruktur hinweg. Die Architektur basiert auf moderner Hardware (Vera Rubin, Vera CPUs, BlueField-4-DPUs) und ermöglicht durch Nvidia Sentry eine Absicherung direkt auf Chipebene. Sie lässt sich bis zum Edge skalieren, unterstützt gängige Linux- und Windows-Umgebungen und wird bereits von Branchengrößen wie AWS, Microsoft, OpenAI, SAP und Dell zur Absicherung ihrer Agenten-Deployments eingesetzt.
  • Das Unternehmen rüstet sein quelloffenes Agent Toolkit mit neuen Werkzeugen auf, um KI-Agenten sicherer zu steuern und besser an Unternehmensdaten anzubinden. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen die KI-Modellfamilie Kumo sowie die „Nvidia Agent Knowledge Foundation“. Letztere befähigt Agenten, interne Daten für Analysen und Vorhersagen zu nutzen, ohne dass Daten verschoben oder bestehende Governance-Regeln geändert werden müssen. Ein technologisches Highlight der Foundation ist die neue Auto-Ontology-Bibliothek: Sie übersetzt komplexe Rohdaten automatisch in greifbare Geschäftskonzepte (wie Kunden oder Bestellungen) und bildet deren Beziehungen ab. Flankiert wird das erweiterte Toolkit von bewährten Bausteinen wie der sicheren Laufzeitumgebung OpenShell, Agenten-Blueprints (NemoClaw) und den CUDA-X-Bibliotheken.
  • Nvidia baut seine Robotik-Entwicklungsplattform Isaac massiv aus und präsentiert in Kooperation mit Agile Robots eine neue Referenzplattform für Forschung und Entwicklung: den humanoiden Roboter Agile ONE SN. Ziel ist es, die oft stark fragmentierten Werkzeuge für Simulation, Training und Einsatz zu vereinen und so die Rüstzeiten von Wochen auf wenige Tage zu verkürzen. Der 1,40 Meter große und 40 Kilogramm schwere Roboter wird von der Plattform Jetson Thor angetrieben, die mit über 2.000 Teraflops die Inferenz und Echtzeitsteuerung direkt auf dem Gerät übernimmt. Ab Werk ist er mit dem KI-Grundmodell Isaac Groot vorkonfiguriert. Ein mechanisches Highlight sind die beiden feinfühligen „WUJI Hand 2“-Fünf-Finger-Hände, die dank taktiler Sensorik und 20 Freiheitsgraden hochkomplexe Handgriffe  erlauben. Abgesichert wird das System künftig durch das Robotik-Sicherheitssystem Halos.
  • Das Robotik-Ökosystem wurde um zentrale Werkzeuge erweitert, die das Training und den Einsatz autonomer Systeme drastisch beschleunigen sollen. Für den Aufbau virtueller Trainingsumgebungen stehen ab sofort die „SimReady Central Library“ mit über 2.000 Assets sowie das „Human 1M Dataset“ (inkl. 3D-Hand-Tracking) auf der Plattform Hugging Face bereit. Das nun allgemein verfügbare Open-Source-Framework Isaac Lab 3.0 ermöglicht zeitgleich das skalierbare Multi-GPU-Training von KI-Agenten, während das neue Laufzeit-Framework Isaac OS für die deterministische Echtzeitsteuerung der fertigen Roboter sorgt. Flankiert werden die Neuheiten von drei Open-Source-Referenz-Workflows für die DGX Station – unter anderem zum Feintuning von Groot 1.7-Modellen – sowie der Full-Stack-Sicherheitsplattform Halos, die den sicheren Realeinsatz autonomer Systeme garantiert.