PLM Mobilität neu gedacht

Autor / Redakteur: Eduard Rüsing* / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Von Null auf 100: Auf Basis der Plattform PTC Windchill entwickelten 80 Partner das erste serienreife Modell des Street-Scooter, und das in etwa der Hälfte der üblichen Zeit und zu einem Zehntel der Standardkosten.

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80 mittelständische Unternehmen und zahlreiche Forschungseinrichtungen haben das erste Elektrofahrzeug explizit für den Kurzstreckenverkehr entwickelt.
80 mittelständische Unternehmen und zahlreiche Forschungseinrichtungen haben das erste Elektrofahrzeug explizit für den Kurzstreckenverkehr entwickelt.
(Bild: Street-Scooter)

Wie lässt sich in kurzer Zeit und zu möglichst geringen Kosten ein Elektroauto von Null bis zur Serienreife entwickeln? Diese Frage konkretisierten die Professoren Schuh und Kampker von der RWTH Aachen weiter auf die Zielformel: Wie muss dazu eine Entwicklungs- und Systemumgebung inklusive der anschließenden Produktion aussehen, damit sich kundenspezifisch weitere Derivate relativ einfach und zu einem Bruchteil der Kosten und der Zeit daraus ableiten lassen? Das Ergebnis ist ein Struktur- und Entwicklungskonzept, mit dem bis zu 80 Partner auf der System- und Kommunikationsbasis Windchill von PTC in etwa der Hälfte der konventionell üblichen Zeit und zu einem Zehntel der Standardkosten das erste serienreife Modell des Street-Scooters entwickelt haben.

Erstes Modell: Nutzfahrzeug für Postauslieferungen

Um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu sein, wurde der Street-Scooter für die Effizienzlücke der urbanen Verkehrsumgebung (kurze Fahrzeiten mit häufigem Stop-and-Go, begrenzte Reichweite von circa 120 km, niedrigere Höchstgeschwindigkeit, hohen Schadstoffauflagen, etc.) konzipiert, denn dort sei der ‚Straßenroller‘ günstiger als Autos mit Verbrennungsmotor.

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Die gesteckten Ziele wurden beim ersten serienreifen Modell, einem Nutzfahrzeug für Postauslieferungen der DHL, das sich zurzeit in der Testphase befindet, erreicht: mit dreieinhalb Jahren eine Halbierung der Entwicklungszeit und mit 30 Millionen Entwicklungsaufwand ein Zehntel des marktüblichen Wertes. Prof. Dr. Achim Kampker, Geschäftsführer der Street-Scooter GmbH und Inhaber des Lehrstuhls für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor (WZL): „Derartig anspruchsvolle Vorgaben erforderten nicht nur eine von Grund auf neue Vorgehensweise bei der Technologie, sondern beim gesamten Geschäftsmodell Auto.“ Der Technologieansatz war dann nicht einfach ein Austausch des Antriebsstranges eines konventionellen Modells, sondern ein völlig neues Auto, „das auf das Wesentliche reduziert, um die Batterie herum gebaut wurde“. Gespart werden durfte dabei allerdings nicht auf Kosten der Qualität; also waren findige Ideen gefragt.

Baukastenprinzip ermöglicht kontinuierliche Produkterneuerung und Varianten

Grundlage der Struktur des Street-Scooter ist das Baukastenprinzip: Die modulare Produktarchitektur soll sicherstellen, dass sich das Elektroauto für die Stadt kontinuierlich erneuern und rekonfigurieren lässt. Das Fahrzeug wurde in neun LEG (lead-engineering-group) eingeteilt wie Karosserie, Thermomanagement, Antriebsstrang, Batterieentwicklung, Bordnetz und nicht zuletzt die LEG Gesamtfahrzeug. Für diese Kompetenzfelder wurden erfahrene Partner geworben, von denen zehn als Gesellschafter zusammen mit dem WZL die Street-Scooter GmbH gründeten. Bewusst wurde die Kompetenz der Partner in Anspruch genommen, die weitestgehend bereits entwickeltes und bewährtes Produkt-Know-how in das Projekt einbrachten.

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