Serie „Methodische präventive Produktoptimierung“, Teil 3 Mit der Wertanalyse und ACDC gemeinsam erfolgreich entwickeln

| Aktualisiert am 07.12.2020Autor / Redakteur: Bernd Haußmann / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

In unserer Serie „Methodische präventive Produktoptimierung“ beleuchten wir Methoden für die Optimierung der Produktentwicklung. Heute geht es um die Wertanalyse und die Vorteile moderierter ACDC-Workshops für die Produktentstehung.

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Die Optimierung von Produkten sollte keine One-Man-Show sein - zielführend ist es vielmehr, alle Beteiligten ins Boot zu holen und systematisch und moderiert bindende Ergebnisse in den einzelnen Projektphasen zu definieren.
Die Optimierung von Produkten sollte keine One-Man-Show sein - zielführend ist es vielmehr, alle Beteiligten ins Boot zu holen und systematisch und moderiert bindende Ergebnisse in den einzelnen Projektphasen zu definieren.
(Bild: ©Flamingo Images - stock.adobe.com)

Und schon wieder gibt es Probleme: Der Konstrukteur muss in die Produktion, die Kollegen in der Montage kommen mit den Prototypen nicht zurecht. Und zwei Stunden später kommt er zurück und packt die bereits freigegebene Baugruppe noch mal an.

Die Folge: Zeitverzug, Änderungsmitteilungen an Lieferanten und Fertigung, Mehraufwand im Team. Konzeptphasen sehen im Arbeitsalltag viel zu häufig so aus: Der Konstrukteur rennt von Pontius zu Pilatus, von der Montage in den Einkauf, geht mit zu Lieferanten – dann wieder zu Kunden, und dann das ganze von vorn. Kein Wunder also, dass permanent die Terminpläne gerissen werden, um dann nach Freigabe doch wieder ändern zu müssen. Wie kann hier Abhilfe geschaffen werden?

Systematisch erfolgreich sein dank Wertanalyse

Abhilfe schaffen kann eine systematische Arbeitsweise mit dem kompletten Team, zum Beispiel im Rahmen der Wertanalyse.

Die Vorgehensweise der Wertanalyse.
Die Vorgehensweise der Wertanalyse.
(Bild: Bernd Haussmann)

Im Grunde genommen geht es darum, alle beteiligten Bereiche systematisch von vornherein ins Boot zu holen. Denn zu warten, bis Prototypen da sind, um hinterher dann bessere Ideen und/oder Verbesserungsvorschläge zu haben, reicht eben nicht aus; im Gegenteil – dieses Vorgehen wirft das gesamte Projekt zurück. Aber wie funktioniert systematisch?

Im Grund genommen geht man einfach entlang des Wertanalyse-Arbeitsplans und dann nach der ACDC-Methode vor – dem PDCA (Anm. d. Red.: der PDCA-Kreislauf dient der Optimierung des betriebsinternen Qualitätsmanagements) der Produktentstehung.

Jede Projektphase endet mit Commitment

Wie in der Wertanalyse vorgeschlagen, geht es darum, die Beteiligten in der jeweiligen Projektphase nicht nur im Boot zu haben, sondern in den jeweiligen Projektphasen auch ein Commitment zu erzielen. Die jeweiligen Schritte der Wertanalyse sind bekannt und damit das nicht zu einer bloßen Gesprächsrunde „ausartet“, wird nach der ACDC-Methode jede Entwicklungsphase von einem Moderator straff durchmoderiert.

Hier ist die ACDC-Methode in einer Kurzfassung dargestellt.
Hier ist die ACDC-Methode in einer Kurzfassung dargestellt.
(Bild: Bernd Haussmann)

Was steckt hinter der ACDC-Methode?

  • Das A steht hier für Ask: Um alle ins Boot zu holen, muss zunächst gefragt werden. Um was geht es? Was sind mögliche Kunden, welchen Nutzen soll der Kunde haben, welchen Preis, und welche Herstellkosten ergeben sich darauf, etc.. Im Grunde geht es um die Frage: Wo wollen wir hin?
  • Bei der Create-Phase geht es darum, die gegebene Situation oder Zielstellung zu hinterfragen und aufkommende Ideen zuzulassen bzw. zu provozieren. Beide Richtungen, Chancen und Risiken sind willkommen.
  • Alle entstandenen Ideen werden in der Define/Decide-Phase ausgearbeitet und konkretisiert. Die Effekte der Ideen auf das Projekt müssen jedem im Team klar sein. Im Team wird dann entschieden, ob und wie die Idee umgesetzt wird.
  • Zuletzt – in der Combine-Phase – werden alle Ideen miteinander kombiniert. Durch das Übereinanderlegen der verschiedenen Ideen werden zum einen zusätzliche Ideen generiert, zum anderen aber auch sich ausschließende Hindernisse oder Widersprüche erkannt. Das Ergebnis der Combine-Phase ist der gemeinsame Team-Entscheid: Da wollen wir hin.

Entlastung für Konstrukteure und Entwickler

Zum einen bedeutet dies natürlich – je nach Umfang und Aufgabenstellung – zwei, drei Tage angestrengtes Arbeiten, auf der anderen Seite entlastet es die Entwickler und Konstrukteure, da mit diesem abgestimmten Ziel die „Nacharbeiten“ – sprich späten Änderungen – deutlich reduziert werden. Jeder Fachbereich kann und muss seine Expertise einbringen.

In den einzelnen Projektphasen (Projektauftrag, Produktkonzept, Produktdetaillierung) unterstützt der Moderator das Team mit den entsprechenden Tools – zum Beispiel dem Triz-Systemoperator, der Trendanalyse, der Funktionenanalyse oder der DFA-Simplification und dem DFM-Concurrent Costing.

Letztendlich beschleunigt diese Vorgehensweise den Projektverlauf deutlich. Zudem steigert die interdisziplinäre und transparente Zusammenarbeit das WIR-Gefühl und reduziert Nacharbeiten und Änderungen signifikant. Zudem können Abweichungen bezüglich Qualität, Terminen oder Kosten so frühzeitig erkannt werden, dass genügend Zeit für gemeinsam Gegenmaßnahmen ist.

Bereits erschienene Folgen der Serie:

* Bernd Haußmann, Inhaber konzept:WERT, DFMA Senior Trainer, TRIZ Level III (Matriz Nb 03/01805/A-03), TRIZ Teach Level I (Matriz Mb 080/02-2022/1E), VA Professional PVM (VDI 202007P1051), LSS BB (PEEC 20140284), DGQ Qualitätsfachingenieur (M5810);

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