Kabel Licht für die Tiefen des Meeres

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Taucher, die die Tiefen des Meeres erkunden wollen, müssen gut ausgerüstet sein. Sie brauchen vor allem gute Tauchlampen, denn spätestens ab 60 Metern Tiefe herrscht in der See Dunkelheit. Besonders beliebt in der internationalen Taucherszene sind die Lampen der polnischen Firma Gralmarine. Für die Verbindungstechnik innerhalb der Unterwasserleuchten kommen Leitungen und Kabelverschraubungen der Stuttgarter Lapp-Gruppe zum Einsatz.

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Tiefste Nacht ist in der Pit-Höhle in Mexiko.
Tiefste Nacht ist in der Pit-Höhle in Mexiko.
(Bild: Lapp)

Bei der Produktion von Unterwasserleuchten für große Tiefen (über 100 Meter) ist es besonders wichtig, dass die Verbindung des Metallgehäuses der Lampe mit der Stromversorgung per Kabel absolut dicht ist. Dies wird durch spezielle Durchlässe mit Gummidichtungsmittel und Polyurethan-Spachtelmasse erreicht. Dank dieser Methode funktionieren die Tauchlampen auch noch bei einer Tiefe von 1000 Metern zuverlässig.

Skintop-Kabelverschraubungen sorgen für Funktionssicherheit

Für die Verbindung innerhalb der hermetisch abgeschlossenen Gehäuse zu den Batterien werden Skintop-BS-Kabelverschraubungen (Kategorie BS7 und BS 9) verwendet. Der Biegeschutz verhindert den Bruch des Kabels und sorgt damit neben der optimalen Zugentlastung für lange Funktionssicherheit. Für die gesamte Schaltung werden Ölflex Classic 440P oder Ölflex Classic 550P installiert. Beide eignen sich für raue Einsatzbedingungen, sind kälteflexibel, verschleißfest und geschützt vor Wasser und Schmutz. Diese Leitungen zeichnen sich zudem durch eine besonders hohe mechanische und chemische Beständigkeit aus. Durch den Mantel aus Spezialpolyurethan garantieren sie auch bei rauen Einsatzbedingungen eine längere Lebensdauer.

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Beispiele für seetaugliche Verbinungstechnik

  • Die gleiche Verbindungstechnik verwendet Gralmarine auch für seine ferngesteuerten Unterwasser-Überwachungssysteme. Auch hier erfolgt die Versorgung der Linsen und der Beleuchtung ebenso mit der PUR-Steuerleitung Ölflex Classic 440P. Damit sind Tauchtiefen bis weit unter 1000 Meter unter dem Meeresspiegel möglich.
  • Das robotergesteuerte Unterwasser-Fahrzeug Humbak ROV4 ist ein weiteres Produkt der Polen, in welchem auch die Verbindungstechnik von Lapp zum Einsatz kommt. Es wurde entwickelt, um im Wasser nach bestimmten Gegenständen zu suchen. Das ROV kann bis zu 500 Meter tief tauchen. Hier verbinden besonders robuste Polyurethankabel von Lapp mit einem Durchmesser von 0,5 bis 4 Millimetern das Fahrzeug mit dem Hauptrechner, der Stromversorgung über Wasser sowie den Mess- und Steuerungskomponenten, wie den elektrischen Propeller, den Greifer oder die Beleuchtung. PUR neigt zwar langfristig zur Hydrolyse und gilt deswegen als nicht geeignet für Unterwasser-Anwendungen. Das ist bei diesen Einsatzbeispielen aber nicht relevant, da die Ausrüstung immer nur für eine relativ kurze Zeit unter Wasser ist. Viel wichtiger war dem Anwender die enorme Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb und die Kältebeständigkeit, denn selbst bei Einsätzen in nicht gefrorenem Wasser kann es vorübergehend zu Minustemperaturen kommen, zum Beispiel bei der Beförderung an Deck. Deshalb hatte man sich für ein PUR-Kabel entschieden, dessen Einsatzbereich zwischen -50 und 85°C liegt. Beim Betrieb unter Wasser können die Kabel zudem Schadstoffen ausgesetzt sein, ebenso müssen sie mit scharfen Kanten an der Unterwasser-Ausrüstung oder an Wracks fertig werden. Normale PVC-Leitungen würden diesen harschen Umgebungsbedingungen auf Dauer nicht Stand halten.

Polnischer Tauchrekord mit Lapp-Produkten

  • Auch für spektakuläre Taucheinsätze nutzt Gralmarine bevorzugt die Produkte von Lapp. So stellte beispielsweise Dariusz Wilamowski im Gardasee (Italien) mit 264 Metern Tiefe einen neuen polnischen Tauchrekord auf. Diese Tiefe erreichte er in der 18. Minute seines Rekordversuchs. Die ganze Operation, einschließlich Dekompression, dauerte mehr als 12 Stunden. Dabei verbrauchte er mehr als 100.000 Liter Atemgemisch. Um die Orientierung nicht zu verlieren, wurde er mit zwei Lampen ausgestattet, die speziell für diesen Zweck konstruiert worden waren. Auch hier wurden beide Lampen mit einer Ölflex Classic 400P Leitung mit der Batterie verbunden.
  • Lapp war ebenfalls bei einer Tauchexpedition in das überflutete Erzbergwerk Tuna Hastberg in Schweden dabei. Für die Ausleuchtung der teilweise 100 mal 40 Meter großen Unterwasserräume wurden HMI-1200–W-Lampen verwendet. Die Stromversorgung erfolgte mit einer 150 Meter langen schweren Gummischlauchleitung H07RN-F, die über eine Rolle (Gesamtkabellänge 150 Meter) nach Bedarf abgewickelt wurde.
  • Beleuchtungen von Gralmarine waren auch bei der Suche nach einer Verbindung zwischen zwei mehrere Kilometer langen Unterwasser-Höhlensystemen auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko dabei. Zunächst wurden die Höhlen von den Forschern fotografisch erfasst. Dazu mussten sie extrem stark ausgeleuchtet werden. Die Taucher verwendeten dafür eine batteriebetriebene 200-W-HMI-Entladungslampe und LED-Lampen, die über eine Ölflex Classic 550P Leitung mit einer orangefarbenen Polyurethan-Isolierung an die Batterie angeschlossen wurden. Diese Allwetter-Anschluss-Leitung gilt als besonders verschleißfest und zeichnet sich durch ihre erhöhte mechanische und chemische Beständigkeit aus. Die Tiefe, in der die Leuchten funktionieren mussten, betrug 100 Meter.

Übrigens: Alle Tauchlampen und die Kabel wurden in Druckkammern sowie von mehreren unabhängigen Tauch-Teams unter den unterschiedlichsten Bedingungen getestet. Henryk Pałys von Lapp Kabel in Polen: „Keine der oben genannten Produkte von Lapp sind ursprünglich für solche extremen Anforderungen gedacht gewesen. Sowohl die gummi- als auch die polyurethanisolierten Kabel haben sich aber in Bezug auf Beweglichkeit und mechanische Belastbarkeit hervorragend bewährt.“ (mz)

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