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Wälzlager Lagerkongress Bearing World feiert Premiere

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Ohne (Wälz-) Lager bewegt sich auch in Zukunft nichts in der Antriebstechnik. Davon konnten sich die 200 Teilnehmer aus dem In- und Ausland, aus Industrie und Wissenschaft, auf der Premiere des internationalen, wissenschaftlichen Fachkongresses zum Thema Lager überzeugen. Zuverlässigkeit und Effizienz standen im Fokus der Veranstaltung, die von der Forschungsvereinigung Antriebstechnik e. V. und Prof. Gerhard Poll von der Leibniz Universität Hannover ins Leben gerufen wurde.

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Über 200 Teilnehmer aus 11 Ländern kamen zum ersten internationalen Lagerkongress Bearing World in Hannover.
Über 200 Teilnehmer aus 11 Ländern kamen zum ersten internationalen Lagerkongress Bearing World in Hannover.
(Bild: FVA)

Erstmalig veranstaltete die Forschungsvereinigung Antriebstechnik e. V. (FVA) den internationalen Lagerkongress Bearing World, der im April unter dem Motto „Industrieforschung und Wissenschaft im Dialog mit der Anwendung“ in Hannover stattfand. Über 200 Teilnehmer aus 11 Ländern kamen zu der Expertentagung. Zugleich betrat die FVA mit dem internationalen Kongress in zweifacher Hinsicht Neuland. Zum einen erweitert sie mit der Bearing World ihr Themenspektrum bei Fachkongressen um ein weiteres Kernthema der Antriebstechnik, nämlich Lager. Zum anderen begibt sich die FVA mit der Bearing World auf internationales Parkett. Bisher war die FVA auf den Gebieten Getriebeproduktion (GETPRO), Schmierung (GETLUB), Simulation (SIMPEP) und Elektromobilität (E-MOTIVE) bereits in nationalen Kongressformaten unterwegs.

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Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung

Die Internationalisierung der FVA folgt der Logik der Märkte und in der Konsequenz den Erfordernissen der Forscher und Entwickler in Industrie und Wissenschaft. Dr. Arbogast Grunau, Leiter Corporate R&D Competence and Services, Schaeffler AG und Vorsitzender des Vorstandes der FVA, erläutert mit Blick auf die internationalen Wälzlagermärkte: „Ein globaler Markt bedeutet, dass wir immer auch global denken sollten. Für Forschung und Entwicklung ist dies eine klare Aufforderung zur internationalen Zusammenarbeit. Das gilt gleichermaßen für die Unternehmen wie auch für die wissenschaftlichen Institute. Dieser Aufforderung kommen wir mit der Bearing World nach.“

Vorträge mit internationalen Experten

Der Kongress sollte einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Technik, der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Wälzlager bieten. Schwerpunkte waren in diesem Jahr Wälzlager, in Zukunft sollen jedoch auch weitere Lagerkonzepte berücksichtigt werden. Für die Keynotes konnten Fachleute gewonnen werden, die Einblicke in die zukünftigen Herausforderungen für Lagerhersteller gaben. Neue Konzepte, White Etching Cracks (WEC), Zuverlässigkeit und Funktionssicherheit, Tribologie und Effizienz, Schadensdiagnose und -vermeidung waren die Themenfelder der Veranstaltung. Rund ein Viertel der 28 Vorträge mit aktuellen Forschungsergebnissen aus den wissenschaftlichen Forschungsinstituten und den Forschungsabteilungen der Unternehmen steuerten Experten aus dem Ausland bei. Alle Vorträge und Diskussionen wurden simultan ins Deutsche und Englische übersetzt.

Große Herausforderungen an die Lager der Zukunft

Bernd Stephan, Senior Vice President Group Technology Development, SKF Group, beantwortete in seiner Keynote die Frage, ob es sich bei Lagern um Hochtechnologieprodukte oder Standardware handele: „Wälzlager sind sehr komplexe Maschinenelemente. Der Wälzkontakt als wesentliche Funktion des Wälzlagers ist dabei noch nicht vollständig erforscht. Auch das Tribosystem zwischen Wälzlager und Schmiermittel lässt noch gewaltigen Entwicklungsspielraum zu. Neue Materialien wie Spezialstähle und Keramikwälzkörper eröffnen komplett neue Dimensionen. Vor diesem Hintergrund handelt es sich hierbei sicherlich um ein Hightech-Produkt.“

Die Digitalisierung spielt auch beim Thema Wälzlager eine wichtige Rolle und dringt in alle Geschäftsbereiche ein. Zu den Herausforderungen in der Wälzlagerentwicklung sagte Rainer Eidloth, Senior Vice President Bearings-Components Development bei der Schaeffler AG: „In der digitalisierten Welt, beispielsweise im Kontext Industrie 4.0, sind vernetzte Informationen und Daten eine wesentliche Grundlage. Lager als Kernkomponenten des Antriebsstranges sind dazu prädestiniert, die relevanten Parameter aus dem Antriebsstrang aufzunehmen und weiterzuleiten. Die Herausforderung besteht nun darin, Wälzlager und Sensorik so zu verbinden, dass die Daten in standardisierter Form für die OEMs und Kunden verwertbar und nutzbar werden.“

Auf die Bedeutung von Wälzlagern in den Antriebssträngen der Zukunft ging Dr. Tobias Löscheter Horst, General Manager of Powertrain Research, Volkswagen AG, ein: „Die Antriebsstränge in zukünftigen automotiven Anwendungen werden auch weiterhin sehr spezifische Anforderungen an das Wälzlager stellen, wie zum Beispiel hinsichtlich Dynamik, Temperaturverhalten und Bauraum. Das Wälzlager bleibt dabei eines der zentralen Maschinenelemente.“

International vernetzen

Sehr zufrieden mit der Premiere der Bearing World zeigte sich der stellvertretende Geschäftsführer der FVA, Bernhard Hagemann: „Für unsere Forschungscommunity in der FVA und die Anwender in der Industrie ist es wichtig, Impulse aus aller Welt zu erhalten und sich international zu vernetzen. Die hohe Teilnehmerzahl zu unserer Premiere belegt das große Interesse am internationalen Format und dem inhaltlichen Konzept der Veranstaltung. Wir sind mit dem Start äußerst zufrieden und werden den Weg der Internationalisierung konsequent weiter gehen. Wir freuen uns auf die nächste Bearing World im In- oder Ausland.“ (sh)

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