Siemens & Nvidia KI-Zwillinge verkürzen die Time-to-Market um 40 Prozent

Von Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler 3 min Lesedauer

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Im Siemens-Gerätewerk Erlangen verschmelzen virtuelle Produktentwicklung und reale Fertigung. Durch eine enge Partnerschaft mit Nvidia und den Einsatz synthetischer Daten entfällt das Warten auf physische Prototypen. Für die Produktentwicklung bedeutet das einen massiven Zeitgewinn.

Blick in das Siemens-Elektronikwerk in Erlangen: Hier erproben Siemens und Nvidia gemeinsam die Zukunft der KI-gestützten, autonomen Fertigung.(Bild:  Siemens)
Blick in das Siemens-Elektronikwerk in Erlangen: Hier erproben Siemens und Nvidia gemeinsam die Zukunft der KI-gestützten, autonomen Fertigung.
(Bild: Siemens)

Klassischerweise ist der Übergang vom Design in die Elektronikfertigung ein Nadelöhr. Um beispielsweise die Automatische Optische Inspektion (AOI) für neue Baugruppen und Leiterplatten einzurichten, musste bislang auf den ersten physischen Prototyp – das sogenannte „Golden Board“ – gewartet werden. Bis dieses physikalisch gefertigt war, vergingen oft Wochen, was den Start der Serienproduktion verzögerte.
Ein Transformationsprojekt im Siemens-Gerätewerk Erlangen (GWE) zeigt nun, wie sich dieser Prozess radikal beschleunigen lässt. In Zusammenarbeit mit Nvidia setzt Siemens auf den systematischen Einsatz synthetischer Daten im virtuellen Raum, um Hardware- und Softwareentwicklung beim Produktionsanlauf zu entkoppeln.

Aus Teamcenter direkt ins Metaverse

Die Basis dafür bilden die Konstruktionsdaten: Über Softwarelösungen wie Siemens Teamcenter und Process Preparation X in Kombination mit den Nvidia Cosmos World Models wird ein fotorealistischer digitaler Zwilling der Leiterplatte erzeugt – und zwar noch bevor die physische Bestückung überhaupt beginnt.Aus diesem digitalen Zwilling generiert eine KI automatisiert tausende synthetische Trainingsbilder. 
Der Clou: Diese Bilder zeigen nicht nur fehlerfreie Zustände, sondern simulieren gezielt seltene Defekte, Materialvariationen oder Bauteilversätze. Das optische Inspektionssystem der Fertigung wird somit bereits Wochen vor dem eigentlichen Produktionsstart mit den Daten aus der Konstruktion trainiert. Die Effekte sind enorm: Die Time-to-Market verkürzt sich laut Siemens um bis zu 40 Prozent, da Einfahrverzögerungen an der Linie komplett entfallen. Der manuelle Engineering-Aufwand sinkt um bis zu 85 Prozent.

Bildergalerie

Vom starren 3D-Layout zum „lebendigen“ Fabrikmodell

Auch für Anlagenkonstrukteure und Fabrikplaner liefert das Erlanger Werk einen entscheidenden Impuls zur Lösung eines bekannten Problems: Klassische digitale Zwillinge einer Fabrik veralten schnell, da die manuelle Anpassung des 3D-Modells an ständige Umbauten im Realbetrieb viel zu aufwendig ist.Siemens löst dies mit dem sogenannten Digital Twin Composer. Durch die Einbindung von Nvidia Omniverse verknüpft das System das virtuelle 3D-Fabrikmodell automatisiert mit den Live-Daten der realen Anlage (z.B. Sensoren und Maschinenzustände). Aus dem statischen Layout wird ein „lebendiges“ Modell, das physische Änderungen in Echtzeit und ohne manuelles Re-Engineering spiegelt. Konstrukteure können so geplante Layout-Anpassungen risikofrei in der Simulation testen, während die reale Fertigung weiterläuft. Der Pflegeaufwand des digitalen Zwillings sinkt um 50 Prozent.

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Herausforderungen in der Produktentwicklung effizient lösen

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(Bild: VCG)

Der Schlüssel für den Erfolg eines Unternehmens liegt in Konstruktion und Entwicklung. Hier entstehen innovative Produkte, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Das Konstruktionsleiter-Forum sensibilisiert für die Herausforderungen der Produktentwicklung des 21. Jahrhunderts, und zeigt praxisorientierte Lösungen auf. Dazu zählen Tools und Methoden, um innovative Ideen strukturiert zu entwickeln und den Produktentstehungsprozess schlank und effizient zu gestalten.

KI-Planung bricht Datensilos auf

Dass die Verzahnung von Engineering und Shopfloor immer enger wird, zeigt sich auch bei der Steuerung der Fabrik. Im Siemens Intelligence Center X optimieren KI-Agenten die Belegung der Fertigungslinien. Das Spannende aus Sicht der Produktentwicklung: Die Basis dafür bildet ein Unternehmenswissensgraph, der Konstruktions- (PLM), Fertigungs- (MES/MOM) und Betriebsdaten (OT) silofrei verknüpft. Durch diesen durchgängigen Datenfluss können plötzliche Design-Änderungen oder Eilaufträge von der KI sofort analysiert und flexibel in den laufenden Betrieb integriert werden.

Über das Siemens Gerätewerk in Erlangen

Das Siemens-Gerätewerk Erlangen produziert mit rund 1.000 Mitarbeitenden industrielle Steuerungssysteme und ist eine vom Weltwirtschaftsforum ausgezeichnete „Digital Lighthouse Factory“. Um diese Vorreiterrolle auszubauen, fließen bis 2030 rund 500 Millionen Euro in den Standort, der zum globalen Zentrum für das industrielle Metaverse werden soll. Die konsequente Digitalisierung mit über 100 aktiven KI-Algorithmen liefert beeindruckende Resultate: Das Werk verzeichnet jährlich sieben Prozent mehr Produktivität, ein Qualitätsniveau von 99,99 Prozent, eine um 40 Prozent schnellere Markteinführung sowie 42 Prozent weniger fossilen Energieverbrauch.

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