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Systemsimulation

Jeder Ingenieur sollte ein Simulant werden

| Autor: Ute Drescher

Das Systems Engineering stand im Mittelpunkt der 20. ESI Simulation-X Conference. ESI-ITI-Geschäftsführer Dr. Andreas Uhlig nahm die Gelegenheit wahr, ein Plädoyer für die Demokratisierung der Simulation zu halten.

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In seiner Begrüßungs-Keynote zur 20. ESI Simulation-X Conference machte ESI-ITI-Geschäftsführer Dr. Andreas Uhlig klar, dass Simulation längst nicht mehr einem kleinen Kreis von Spezialisten vorbehalten bleiben sollte.
In seiner Begrüßungs-Keynote zur 20. ESI Simulation-X Conference machte ESI-ITI-Geschäftsführer Dr. Andreas Uhlig klar, dass Simulation längst nicht mehr einem kleinen Kreis von Spezialisten vorbehalten bleiben sollte.
(Bild: ESI/ITI GmbH)

Rund 170 „Simulanten“ waren am 8. und 9. November der Einladung zur 20. ESI Simulation-X Conference gefolgt. In Dresden konnten sie sich über die aktuellen Entwicklungen in der Systemsimulation austauschen und in den zahlreichen Sessions über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Simulation-X informieren.

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In seiner Begrüßungs-Keynote machte Dr. Andreas Uhlig jedoch klar, dass Simulation angesichts der wachsenden Bedeutung dieser Disziplin längst nicht mehr einem kleinen Kreis von Spezialisten vorbehalten bleiben sollte. „Simulation wird in Zukunft der Schlüssel für den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens sein“, ist sich der Geschäftsführer der ESI ITI GmbH sicher.

Die Entwicklung der Simulation

Um seine Überzeugung zu begründen, warf Uhlig einen Blick zurück auf die Entwicklung der Simulation bis heute. So sei die Simulation noch Anfang der 90-er Jahre vor allem mit dem Ziel eingesetzt worden, Fehler im Entwicklungsprozess aufzuzeigen, nachdem sie längst eingetreten waren. Die Simulation als Schadensgutachten beherrschten nur wenige Spezialisten.

Als nächster Schritt folgte zwar die Design-Validierung, so Uhlig „erst im Anschluss an die Konstruktion, aber immerhin schon vor der Inbetriebnahme.“ Im nächsten Schritt konnte sich die Simulation als Teil des Konstruktionsprozesses etablieren. Entscheidender Vorteil: Ihr Einsatz schon während des Konstruktionsprozesses vermeidet teure Design-Iterationen. Uhlig. „Jetzt können wir vorrechnen, statt nachzurechnen!“ Derzeit beobachtet Uhlig einen Trend hin zum generativen Design, das im Hinblick auf die additive Fertigung vor allem die Topologieoptimierung auf Komponentenebene zum Gegenstand hat.

Systems Engineering im Trend

In der Produktentwicklung ist das Systems Engineering der derzeit wohl wichtigste Trend. „Systems Engineering umfasst das Management aller Anforderungen und Spezifikationen eines komplexen Produkts bis hin zur Fertigung und darüber hinaus“, erklärt Andreas Uhlig. „Im Mittelpunkt steht nicht mehr das Produkt, sondern der komplette Entwicklungs- und Fertigungsprozess“. Nur mit dem Verständnis für das System und seinen Entwicklungsprozess führen bei der Entwicklung neuer Produkte zu Innovation, Qualität, kurzer Time-to-market sowie Wirtschaftlichkeit, ist sich Uhlig sicher.

Simulation als Flaschenhals

Für Uhlig ist vor diesem Hintergrund klar: Der Bedarf an Simulation wird explosionsartig steigen, auch, weil die Komplexität zukünftiger Systeme steigt. Doch warum steigt die Nachfrage nach Simulations-Software nicht gleichzeitig explosionsartig an? Uhlig meint die Antwort zu kennen: „Wir haben zu wenig Experten auf diesem Gebiet. Der Mangel an Simulationsspezialisten ist der Flaschenhals für die weitere Entwicklung!“ Und fordert: „Wir müssen intelligente Software-Lösungen anbieten, die einfach zu bedienen sind!“

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So soll jeder Ingenieur in Zukunft zu einem „Simulanten“ werden können, Uhlig nennt es die Demokratisierung der Simulation. ESI-ITI wolle hier einen Beitrag leisten. Erste kleine, aber wirkungsvolle Schritte seien getan, etwa die Verfügbarkeit von Simulation-X in der Cloud, die Automatisierung eintöniger Simulationsaufgaben sowie viele Verbesserungen der Usability im neuen Release von Simulation-X.

Darüber hinaus will ESI mehr Klarheit in die Diskussion um den digitalen Zwilling bringen und arbeitet daher mit dem Konzept des hybriden Zwillings (Hybrid Twin): Er vereint den virtuellen Zwilling, eine Weiterentwicklung des virtuellen Prototypen, mit dem digitalen Zwilling, der die Daten aus dem Betrieb aufnimmt.

Viel diskutiertes Thema der ESI Simulation-X Conference war dann auch Systemsimulation als voll integrierter Bestandteil des Model Based Systems Engineering (MBSE). Die insgesamt 45 Präsentationen teilten sich in parallellaufende Sessions aus den Bereichen Automotive, Maschinenbau, Aerospace und Energie auf und gaben einen praxisbezogenen Einblick in den Einsatz von Simulation-X in den unterschiedlichsten Projekten. Am zweiten Konferenztag standen vor allem die neuen Features und Möglichkeiten des Release 4.0 von Simulation-X im Vordergrund.

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Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht