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Design-to-Manufacture

„Gutes Design allein reicht nicht mehr“

| Autor: Ute Drescher

Design-to-manufacture gehört zu den Herausforderungen kleiner und mittelständischer Unternehmen. Mit Delmiaworks will Dassault Systèmes genau diese Klientel unterstützen. Wie auch Konstruktion und Entwicklung profitieren, erklärt Delmia-CEO Guillaume Vendroux.

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„Design-to-manufacture gewinnt ohnehin zunehmend an Bedeutung – auch für KMU“, ist Guillaume Vendroux, Delmia-CEO bei Dassault Systèmes sicher.
„Design-to-manufacture gewinnt ohnehin zunehmend an Bedeutung – auch für KMU“, ist Guillaume Vendroux, Delmia-CEO bei Dassault Systèmes sicher.
( Bild: U. Drescher/konstruktionspraxis )

konstruktionspraxis: Vor welchen Herausforderungen stehen kleine und mittelständische Unternehmen heute?

Guillaume Vendroux: In der Vergangenheit gab es vor allem in kleinen Unternehmen einen direkten Draht von Entwicklung und Konstruktion in die Fertigung. Dabei haben alle Beteiligten über die Jahre viel Wissen über Konstruktion und Fertigung angesammelt. Die Dinge ändern sich aber, aus zwei Gründen: Erstens steigt die Komplexität der Produkte, so dass auch der Übergang aus der Konstruktion in die Entwicklung nicht mehr direkt funktioniert. Häufig wird ein Zwischenschritt nötig sein, eine Art digitale Fertigungsvorbereitung, die zwischen der Konstruktion und der Fertigung liegt. Der zweite Grund ist, dass Zulieferer gefordert sind, die Qualität ihrer Produkte zu steigern. Damit steigen auch die Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Transparenz im Fertigungsprozess. Es wird also in Zukunft nicht nur auf gute Designs ankommen, sondern auch auf eine hochwertige Fertigung.

konstruktionspraxis: Wie profitieren Konstruktion und Entwicklung von dem neuen Delmiaworks-Portfolio auf der 3D-Experience-Plattform?

Guillaume Vendroux: Mit Delmiaworks stellen wir die Durchgängigkeit vom Design eines Produkts bis in die Fertigung sicher. Das Portfolio unterstützt wie ein ERP-System Durchführung und Management der Fertigung.

konstruktionspraxis: Was leistet Delmiaworks?

Guillaume Vendroux: Delmiaworks ist eine integrierte Kombination aus Manufacturing Execution und ERP (Enterprise Resource Planning) und unterstützt Unternehmen bei der Steigerung der Anlagenleistung, der Fehlerbehebung, der Verbesserung der Bestandstransparenz und der effizienten Verwaltung bei der Einhaltung von Vorschriften.

Für Konstruktion und Entwicklung ist das sehr wichtig, denn sie lernen immer mehr über die Randbedingungen der Fertigung und die Fertigbarkeit ihrer Entwicklungen. Außerdem sind sie besser verbunden mit ihrer Fertigung. Sie verstehen die Auswirkungen ihrer Designs. Design-to-manufacture gewinnt ohnehin zunehmend an Bedeutung auch für KMU.

konstruktionspraxis: Was macht Konstrukteuren und Entwicklern in diesem Zusammenhang heute das Leben schwer?

Guillaume Vendroux: Ich sehe drei große Herausforderungen: Die erste ist Geschwindigkeit. Neue Produkte müssen schneller auf den Markt kommen. Dabei geht es aber nicht nur um ein neues Design, das wäre zu einfach. Stattdessen muss sich das neue Produkt auch schneller fertigen lassen. Es geht also darum, auch das design-to-manufacture neuer Produkte zu beschleunigen. Die zweite Herausforderung ist die schon erwähnte steigende Komplexität neuer Produkte. Das gilt für alle Zulieferer. Komplexität in den Griff zu bekommen ist für die Fertigung nicht ganz trivial. Hinzu kommt die Individualisierung der Produkte. Immer mehr Kunden möchten ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt. Das ist die dritte Herausforderung! Diesen Herausforderungen müssen sich heute auch KMUs stellen, nicht mehr nur die großen Unternehmen. Die Antwort der großen Unternehmen auf diese Herausforderungen war die digitale Durchgängigkeit. Die müssen KMU jetzt ebenfalls sicherstellen.

konstruktionspraxis: Welche Lösungen bietet Delmia an?

Guillaume Vendroux: Wir sind branchenorientiert aufgestellt, weil wir wissen, dass jede Branche ihre charakteristischen Eigenschaften hat, auf die man nicht mit einem allgemeinen Ansatz eingehen kann. Daher haben wir die Delmia-Lösungen auch auf die jeweiligen industriespezifischen Anforderungen hin ausgerichtet.

BUCHTIPPDas Buch „Additive Fertigung“ beschreibt Grundlagen und praxisorientierte Methoden für den Einsatz der additiven Fertigung in der Industrie. Das Buch richtet sich an Konstrukteure und Entwickler, um eine erfolgreiche Implementierung additiver Verfahren in ihren Unternehmen zu unterstützen.

konstruktionspraxis: Welche Branchen sind aus Ihrer Sicht die fortschrittlichsten auf dem Weg der Digitalisierung?

Guillaume Vendroux: Bei Dassault Systèmes sprechen wir von der industriellen Renaissance, einer massiven Umwälzung der gesamten Industrie, die wir gerade erleben. Luftfahrt und Verteidigung haben hier die Nase vorn, um ihren Vorsprung vor chinesischen Unternehmen zu halten. Sie erfinden daher mit aller Kraft ihre Geschäftsprozesse neu, um effizienter zu werden.

Andere sind nicht ganz so schnell, wie etwa der Verkehrssektor einschließlich der Automobilindustrie. Diese Industrie hat das Silo-Denken noch nicht ganz abgelegt, zumindest was ihr Fertigungs-Design und die Fertigungsprozesse angeht. Das mag daran liegen, das die europäische Automobilindustrie sich nicht so stark von chinesischen Unternehmen unter Druck gesetzt fühlt. Sie hat ganz andere Sorgen, nämlich die alternde Arbeiterschaft, auch in Deutschland. Um ihre Belegschaft zu verjüngen und die Fertigungseffizienz zu erhöhen, muss diese Branche ihre Jobs attraktiver gestalten und gleichzeitig die Autonomie der Belegschaft stärken.

Der Maschinenbau wiederum konzentriert sich sehr stark auf die Fertigung. Einige der inspirierendsten Visionen, die ich kenne, kommen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, allerdings nicht unbedingt aus Deutschland.

konstruktionspraxis: Wenn nicht Deutschland, welche europäischen Länder haben dann die Nase vorn?

Guillaume Vendroux: Deutschlands Stärke ist nicht die Digitalisierung, sondern die Automatisierung. Das ist aus meiner Sicht gut, gehört aber in die alte Welt. Um ein bisschen zu provozieren: Industrie 4.0 ist nicht der Beginn einer neuen Ära, es ist das Ende der alten Ära, der Ära der Automatisierung. Es ist der letzte Schritt der Effizienzsteigerung, aber keine Revolution unserer Arbeitsweise. Daher sehe ich Deutschland nicht als führendes Land in der industriellen Renaissance, auch wenn Deutschland eine sehr starke Industrie mit vielen führenden Unternehmen hat. Die skandinavischen Länder dagegen, um ein Beispiel zu nennen, sind da deutlich weiter. Sie sind sehr aggressiv. Auch westeuropäische Länder wie Italien und Frankreich sind stark in Digitalisierungsprojekten.

konstruktionspraxis: Vielen Dank Herr Vendroux.

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Über den Autor

Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht

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