Safety

Für jede Risikobeurteilung die passende Richtlinie

| Autor / Redakteur: Jörg Handwerk und Alexandra Langstrof / Sandra Häuslein

Risikobeurteilungen durchzuführen ist kein Kinderspiel.
Risikobeurteilungen durchzuführen ist kein Kinderspiel. (Bild: ©Marco2811 - stock.adobe.com)

Die Risikobeurteilung ist Teil der CE-Kennzeichnung für viele Produkte. Je nach Anwendungsbereich gibt es dabei verschiedene Richtlinien zu beachten. Eine Software hilft, die passende anzuwenden.

EU-Richtlinien legen für Produkte allgemeine Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen fest, die nicht unterschritten werden dürfen. Die Maschinenrichtlinie regelt dabei recht klar, wie die Risikobeurteilung durchzuführen ist. Für die Anwendung anderer Richtlinien, z.B. der Niederspannungsrichtlinie, existieren jedoch kaum Informationen. Daher hat CE-Con die Cloud-Software CE-Con Safety erweitert. Sie hilft, die passenden Richtlinien anzuwenden.

Maschinenrichtlinie

Die EN ISO 12100:2010 ist die einzige Typ-A Norm, die unter der Maschinenrichtlinie harmonisiert ist. Sie beschäftigt sich mit allgemeinen Gestaltungsleitsätzen einer Risikobeurteilung und Risikominderung und erklärt die Phasen im Lebenszyklus einer Maschine, Gefährdungsereignisse und Risiken. Die harmonisierte Norm beschreibt ziemlich detailliert die Faktoren, die zur Einstufung von Risiken berücksichtigt werden sollen. Dennoch bleiben Fragen offen: Wie wird die Höhe eines Risikos ermittelt? Um einen Risikofaktor zu bestimmen, muss der Hersteller die Höhe des Schadensausmaßes und die Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadens ermitteln.

Unklar bleibt, wie die zu berücksichtigenden Faktoren zu gewichten sind. Hierzu gibt es verschiedene Verfahren, die die Kriterien der Norm berücksichtigen und zu einer Quantifizierung des Risikos verhelfen. Eines davon ist das international bekannte Verfahren der Hazard Rating Numbers (HRN). Die Berechnung des Risikos basiert auf der Gewichtung einzeln auswählbarer Faktoren, die beim HRN-Verfahren gut unterteilt sind und am Ende einen Risikowert zwischen 0 und 13500 ergeben. Dieser große Bereich wird erneut unterteilt, so dass ein Risiko über 500 als inakzeptabel und unter 5 als vernachlässigbar gilt. Die Faktoren anderer Verfahren variieren in ihrer Wertigkeit, bauen aber auf den gleichen Einstufungskriterien auf. Wichtig ist, ein Verfahren zu wählen, das den Anforderungen der Norm entspricht.

Sobald Risiken und Gefahren bekannt sind, muss der Hersteller die drei Stufen zur Vermeidung einleiten. Die erste Stufe ist die inhärent sichere Konstruktion. Hier geht es darum, dass die Maschine sicher gebaut werden kann. Denn nur in dieser Phase besteht die Möglichkeit, Risiken durch konstruktive Maßnahmen zu minimieren oder gar zu eliminieren. Die zweite Stufe zur Vermeidung befasst sich mit den ergänzenden Schutzmaßnahmen. Sie betrachtet Sicherheitseinrichtungen wie Lichtschranken, Schutzzäune oder mechanische Abdeckungen. In der dritten Stufe geht es um Benutzerinformationen. Dort wird vor Restgefahren gewarnt.

Tipp: Anwendertreff Maschinensicherheit 2018Wenn es um die funktionale Sicherheit von Maschinen und Anlagen geht, steht nach wie vor der Schutz der Personen im Mittelpunkt, die tagtäglich daran in Fabriken auf der ganzen Welt arbeiten. Erfahren Sie auf dem 6. Anwendertreff Maschinensicherheit am 26. September 2018, wie Sie die funktionale Sicherheit Ihrer Maschinen und Anlagen normengerecht gewährleisten: Der Kongress unterstützt Konstrukteure, Entwickler, Hersteller und Betreiber dabei, die funktionale Sicherheit ihrer Maschinen und Anlagen so zu gestalten, dass sie den Anforderungen der Maschinenrichtlinie genügt, auch in einer smarten Fabrikumgebung.
Für Informationen zur Veranstaltung vormerken: Anwendertreff Maschinensicherheit

Niederspannungsrichtlinie

Die Liste der harmonisierten Normen für die Niederspannungsrichtlinie beinhaltet für elektrische Betriebsmittel keine Norm, die sich mit der Risikobeurteilung dieser Produkte beschäftigt. Aufgrund des Umfangs der ISO 12100 ist es zwar möglich, diese auch für eine Risikobeurteilung für elektrische Betriebsmittel anzuwenden, doch der Schwerpunkt liegt auf Maschinen. Deshalb sind teils andere Lebensphasen zu betrachten und auch die Gefährdungen größtenteils auf Niederspannungsprodukte nicht anwendbar.

Das Europäische Komitee für elektrotechnische Normung (Cenelec) entwirft neben Normen auch Leitfäden. Der Cenelec Guide 32 ist der Leitfaden für die sicherheitsrelevante Risikobeurteilung und Risikominderung für Niederspannungsbetriebsmittel. Dieser orientiert sich stark an der ISO 12100. Der Guide hält eine Darstellung bereit, die klar vorgibt, wie ein Risikoindex ermittelt wird.

Auch für elektrische Betriebsmittel gilt das Drei-Stufen-Verfahren zur Minimierung von Risiken. Die Maßnahmen der ersten Stufe werden jedoch als eigensichere Konstruktionsmaßnahmen bezeichnet, d.h. ein Betriebsmittel ist so konstruiert, dass selbst im Fehlerfall ein sicherer Zustand gewährleistet wird. Weitere Richtlinien können relevant werden, wenn ein elektrisches Betriebsmittel auf den Markt gebracht wird. Dazu gehören z. B. die Richtlinien über elektromagnetische Verträglichkeit (EMV).

Software-Lösungen wie CE-Con Safety unterstützen Hersteller dabei, den Anforderungen an die Sicherheit gerecht zu werden. Sie helfen, passende Richtlinien anzuwenden und die Dokumentation einschließlich EG-Erklärung zu erstellen.

Auf den Nachweis kommt es an

CE-Kennzeichen

Auf den Nachweis kommt es an

15.03.18 - Die Norm DIN EN ISO 13849 regelt die Gestaltung und Integration sicherheitsbezogener Teile von Steuerungen. Richtig angewandt spart sie Zeit und Kosten. lesen

* Jörg Handwerk ist Geschäftsführer der Ce-Con GmbH in Bremen. Alexandra Langstrof ist freie Mitarbeiterin bei der Ce-Con GmbH in Erkrath.

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