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Exoskelett Energieeffizienter DC-Flachmotor macht Exoskelett lebendig

| Redakteur: Jan Vollmuth

Ein Exoskelett-Konzept des Schweizer Start-up-Unternehmens Noonee arbeitet dank energiesparender Kleinstmotoren von Faulhaber im Akkubetrieb mehrere Tage ohne Aufladen.

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Viele Tätigkeiten müssen nur deshalb im Stehen verrichtet werden, weil vor Ort ein Stuhl den Weg versperren würde.
Viele Tätigkeiten müssen nur deshalb im Stehen verrichtet werden, weil vor Ort ein Stuhl den Weg versperren würde.
(Bild: Noonee)

Die Anatomie beschreibt das Skelett als den Körperteil, der die Stützstruktur eines Lebewesens bildet. Beim Menschen liegt diese Stützstruktur im Innern des Körpers (Endoskelett). Dieser natürliche Stütz- und Bewegungsapparat kann durch eintöniges Arbeiten oder langes Stehen überbelastet werden. Schon länger gibt es in verschiedenen Bereichen daher Ansätze, den Menschen mit einem zusätzlichen Exoskelett (Außenskelett) zu entlasten. Diese Exoskelett-Lösungen muten ein wenig an wie im Science-Fiction-Film, finden aber ihr Vorbild ebenfalls in der Natur. Im Gegensatz zu den Wirbeltieren besitzen nämlich Gliederfüßer wie z.B. Insekten statt eines Innenskeletts ein stabilisierendes Außenskelett.

Künstliches Exoskelett im Alltagseinsatz

Künstliche Exoskelette helfen, wo die Muskelkraft allein oder auf Dauer nicht genügt – etwa um schwere Teile zu heben oder über längere Zeit mit einer klobigen Schleifmaschine über Kopf zu arbeiten. Menschen mit Querschnittslähmung können mit einem Exoskelett wieder gehen oder – wie 2014 in Brasilien – den Anstoß beim Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft ausführen. Bisher hatten diese Exoskeletten aber wesentliche Nachteile: Sie sind mit meist über 20 Kilogramm Eigengewicht sehr schwer, was nicht zuletzt ihre Akkulaufzeiten negativ beeinflusst. Oft erreicht die Betriebszeit kaum zwei Stunden, für den breiten Alltagseinsatz ist das ungenügend.

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Hier setzt das Start-up-Unternehmen Noonee mit seinem Exoskelett-Konzept an. Keith Gunura, CEO von Noonee, hat über Exoskelette geforscht, bevor er zusammen mit Olga Motovilaova das Unternehmen in Rüti nahe Zürich gründete: „Wir wollten ein unterstützendes System bauen, das sehr leicht und sehr einfach ist, im Dauerbetrieb nicht schlappmacht und eine Lösung für ein weit verbreitetes, alltägliches Problem bietet“, erzählt er.

Durch Entlastung Fachkräfte halten

Die Beschwerden, die durch langes Stehen verursacht werden, kannte Gunura aus eigenen Erfahrungen, die er während eines Studentenjobs bei einem Verpackungsdienstleister in England machte. „Besonders die älteren Kolleginnen hatten ihre Mühe. Den Ausruf ‚oh my legs‘ habe ich dort jeden Abend gehört“, erinnert er sich. Dass dieses Problem auch das Management großer Konzerne beschäftigt, erfuhren die beiden Gründer bei einem Workshop für Start-up-Unternehmer an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETH). Hier gehörte es zu den Übungen, potenzielle Kunden anzurufen und nach deren Interesse an einem Produkt zu fragen. „Der Workshop-Leiter hat eine Nummer eingetippt und uns den Hörer herübergereicht, mit dem Hinweis, dass jemand von einem der größten Autohersteller der Welt abnehmen würde“, erzählt Keith Gunura.

Zur Überraschung der beiden Gründer trafen sie bei diesen Telefonaten nicht auf Skepsis, sondern auf großes Interesse, obwohl sie noch nicht einmal einen Prototyp vorweisen konnten. Und selbst als der erste Prototyp bei der Vorführung versagte, fragten die Auto-Manager nur, wann man sich wieder treffen könnte. „Besonders die deutschen Unternehmen sehen die demographische Entwicklung und die zunehmende Knappheit der Fachkräfte als eine zentrale strategische Herausforderung“, erklärt Keith Gunura das große Interesse der potenziellen Kunden. „Sie wollen unbedingt etwas tun, um ihre Fachkräfte in der Produktion zu entlasten und die Voraussetzung schaffen, dass die Mitarbeiter länger aktiv bleiben können.“

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