Clinchen Dünne Edelstahlbleche zuverlässig und schnell verbinden

Redakteur: Peter Königsreuther

Der Clinchprozesses von Tox Pressotechnik erlaubt einem Hersteller von Geschirrspülern, an zwei Gehäusewänden jeweils drei Bleche in einem Arbeitsgang zu fixieren.

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Für eine saubere Sache: TOX Pressotechnik schuf für das Unternehmen V-ZUG diese komplett ausgestattete Anlage zum Clinchen von Gehäusen für Geschirrspüler.
Für eine saubere Sache: TOX Pressotechnik schuf für das Unternehmen V-ZUG diese komplett ausgestattete Anlage zum Clinchen von Gehäusen für Geschirrspüler.
(Bild: TOX Pressotechnik)

Der Clinchprozess ist bei der Weißwarenindustrie bewährt. Davon hat sich auch ein Schweizer Premiumhersteller aus dieser Branche überzeugt.Genauer gesagt, ist es die V-Zug AG, die sich eine neue Clinchanlage von Tox Pressotechnik geleistet hat. Mit Erfolg verbindet das Komplettsystem nun Führungsbleche für Geschirr- und Besteckschubladen mit der Seitenwand des High-End-Geschirrspülers von V-Zug.

Premiumgeschirrspüler verlangt Montagealternative

Eine Besonderheit der jüngsten Entwicklung setzt aber auch neue Maßstäbe in puncto Ergonomie: Anfang 2020 stellte man die neue Adora-Geschirrspülerlinie mit dem sogenannten Optilift vor. Das ist eine besonders ergonomische Funktion, die den unteren Geschirrkorb hochschwenkt. So kann das Spülgut. komfortabel einsortiert und später wieder ausgeräumt werden, erklären die Schweizer. Um die Führungsschienen und die Mechanik dieser speziellen Schublade sowie die Ergoplus-Besteckschublade aufzunehmen, müssen aber Edelstahlbleche im Inneren des Spülmaschinengehäuses fixiert werden.

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Für diese Aufgabe ist das Clinchen, wie es von Tox Pressotechnik angeboten wird, ideal. Denn es verbindet auch die dünnen Edelstahlbleche zuverlässig und schnell. Im Gegensatz zum Nieten oder Schweißen, bleiben dabei die Oberfläche und das Materialgefüge intakt und damit auch dicht, betont Tox Die konkrete Aufgabe lautete: Jeweils drei Bauteile müssen an den beiden Gehäuseseiten der Großraum-Bottiche fixiert werden. „Es ist für uns die effizienteste Montagemöglichkeit“, merkt Patrick Bon, Leiter Konstruktion Geschirrspüler bei V-Zug, an. Zwar nutzen die Schweizer schon seit einigen Jahren die Tox-Clinchwerkzeuge, doch eine komplette Anlage hatten man bis jetzt noch nicht im Einsatz. Doch damit gelängen optisch und technisch die besten Ergebnisse.

Komplettes Anlagenkonzept erarbeitet

Die Tox-Experten erarbeiteten daraufhin ein Anlagenkonzept, dass das Clinchen von zwei Gehäusewänden in einem Arbeitsgang erlaubt. Das Herzstück ist die Tox-Einzelpunktzange des Typs TE-CM, die über einen elektromechanischen Antrieb namens Tox-Electricdrive in Kompaktbauform verfügt, wie Tox erläutert. Der sogenannte C-Bügel hält einer maximalen Presskraft von 80 kN stand. Die Werkzeugöffnung misst 73 mm – völlig ausreichend für das Schweizer Projekt. Der EPMR-Pressantrieb ist matrizenseitig eingebaut und arbeitet mit einer Nennkraft von 80 kN. Sensoren überwachen im Prozess den Kraft- und Wegverlauf, betont Tox. Die Genauigkeit des Kraftsensors liege bei ± 1,0 % vom Messbereichsendwert. Der Kolben des Antriebs arbeite hochdynamisch mit einer Geschwindigkeit bis 200 mm/s. Vor jedem Setzen eines Clinchpunkts wird die Bauteiloberfläche außerdem benetzt. Das reduziert die Reibung und schont die Werkzeuge sowie die Blechoberflächen. Eine Sprüheinrichtung macht das möglich.

Sind die drei Bleche auf den Arbeitstisch richtig aufgelegt – eine Verwechslung und Fehlmontage ist wegen der schablonenartigen Bauteilaufnahmen ausgeschlossen – legt man die 60 l fassenden Großraumbottiche auf. Über die Tox-Einhandsteuerung STE gibt man den weggeregelten Prozess frei. Die Gehäuse werden fixiert, und das Clinchen beginnt. Die Zange verfährt dabei auf der X-Y-Achse, um nacheinander zwei Seitenwände mit je 15 Tox-Punkten zu bearbeiten, beschreibt der Hersteller.

Zwei Clinch-Programme bieten Flexibilität

Es gibt zwei Programme, die man nutzen kann, merkt Tox an. Und zwar eins zum Clinchen von drei und eins von zwei Blechen pro Seite. „So können wir die Gehäuse für Spülmaschinen mit und ohne unsere Comfort-Slide-Funktion für die Besteckschublade auf einer Anlage fertigen“, erklärt Christoph Fässler, Projektleiter Anlageplanung. Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, öffnet die Steuerung die Bauteilspanner automatisch. Der Werker nimmt dann das Gehäuse ab, bestückt den Arbeitstisch neu und legt den um 180 ° gedrehten Bottich wieder auf, um den Vorgang an der zweiten Seitenwand zu wiederholen. Bewegungsabläufe und Betriebsarten kann der Anwender über einen Touchscreen erstellen, Bewertungsergebnisse kann er darüber einsehen. Der Bildschirm ist über eine Ethernet-Verbindung mit dem Achs-Controller verbunden.

Um Fehler oder gar Verletzungen zu vermeiden, hat Tox Pressotechnik die Anlage mit mehreren Sicherheitsfeatures ausgestattet. So kontrollieren Sensoren, ob die erforderlichen Bauteile eingelegt sind und der Bottich aufgelegt wurde, heißt es dazu. Zugänglich ist die Anlage nur von vorne, wobei Lichtschutzgitter den Zutritt während des Prozesses überwachen. Die übrigen Seiten sind über Makrolonscheiben (also Polycarbonat respektive PC) abgeschottet. Diese machen den Blick aufs Geschehen ungefährlich. Und V-Zug denkt dabei flexibel: so kann die Steuerung später für zusätzliche Bottichvarianten erweitert werden. Ebenso sind alle Bauteilaufnahmen als Wechselteile ausgelegt und erlauben eine spätere Nachrüstung. Die Anlage kam schlüsselfertig bei V-Zug in Zug an und musste lediglich an Strom und Druckluft angeschlossen werden.

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