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Ventil Digitalisierte Pneumatik

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Mit dem Motion Terminal will Festo ein neues Zeitalter in der Pneumatik anbrechen: Industrie-4.0-fähig dank neuester Entwicklungen in Sachen Piezo- und Apptechnologie.

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Das Festo Motion Terminal soll auch Modernisierungen einfacher, günstiger und schneller machen. Die Ventilinsel wird ausgetauscht und Eco-Apps können genutzt werden – der digitalen Insellösung steht somit nichts im Weg.
Das Festo Motion Terminal soll auch Modernisierungen einfacher, günstiger und schneller machen. Die Ventilinsel wird ausgetauscht und Eco-Apps können genutzt werden – der digitalen Insellösung steht somit nichts im Weg.
(Bild: Mission Beach 10 February 2012 / Paul Toogood / BY 2.0)

Wie das Smartphone vor zehn Jahren den Markt der Mobilfunk-Endgeräte durcheinandergewirbelt hat, so will auch Festo mit seinem Motion Terminal die Automatisierungstechnik auf den Kopf stellen. Die neue Art der Funktionsintegration – kombiniert mit Software-Apps – soll die komplette Wertschöpfungskette vereinfachen. Dem Unternehmen zufolge wird nämlich nur noch eine Hardware benötigt. Äußerlich zurückhaltend im Produkt-Design von Festo gehalten, verspricht das Unternehmen ein Innenleben in Verbindung mit der eingesetzten Informationstechnik voll technischer Raffinesse.

Fusion: Mechanik, Elektronik, Software

Piezotechnologie, integrierte Hub- und Drucksensorik, gepaart mit der Ansteuerung über so genannte Motion Apps, sollen Maschinen- und Anlagenbauern ganz neue Perspektiven eröffnen. Aufgrund der im Festo Motion Terminal verwirklichten Fusion aus Mechanik, Elektronik und Software soll ein pneumatisches Produkt zur echten Industrie-4.0-Komponente werden und eine flexible Produktion ermöglichen. Der Wechsel pneumatischer Funktionen sowie die Adaption auf neue Formate werden mittels Parameteränderung über Apps gesteuert. Die integrierte intelligente Sensorik für Regelung, Diagnose und selbstlernende Aufgaben soll Zusatzkomponenten sparen.

Mit dem Festo Motion Terminal sollen sich erstmals pneumatische Funktionen über Apps steuern lassen, ohne dass die Hardware verändert oder umgebaut werden muss.
Mit dem Festo Motion Terminal sollen sich erstmals pneumatische Funktionen über Apps steuern lassen, ohne dass die Hardware verändert oder umgebaut werden muss.
(Bild: Festo)

Apps: zehn Funktionen verfügbar

Zum Start des Festo Motion Terminals stehen zehn Funktionen über Motion Apps zur Verfügung: von der einfachen Änderung der Wegeventilfunktionen bis zu energieeffizienten Bewegungen, vom proportionalen Verhalten bis hin zur Dia­gnose-Leckage. Dabei soll alles mit einer identischen Ventilhardware funktionieren. Durch schnelles Zuschalten neuer Funktionen über Apps sollen Maschinenentwickler so einen Basis-Maschinentyp erstellen und je nach Auswahl der Apps diese Maschine mit unterschiedlichen Funktionen und Ausprägungen je nach Kundenwunsch ausstatten können. Weitere Apps sind in Vorbereitung.

Die Funktionszuweisung per Software bringt noch weitere Vorteile: Manipulationssicherheit und Know-how-Schutz, denn von außen ist den Ventilen nicht anzusehen, welche Funktionen sie ausführen. Außerdem soll sich auch das Thema Wartung vereinfachen, da lange Ersatz- und Verschleißteillisten obsolet werden.

Effizienz: Energieverbrauch reduzieren

Für Energieeinsparungen im Applikationsbetrieb sollen die speziell entwickelten Motion Apps sowie die Diagnosefunktion für die Applikationsleckage sorgen. Aber auch die energiesparende Piezo-Technologie für die proportionale Ventilvorstufe trägt laut Festo ihren Teil dazu bei.

Mit den Apps „Wählbares Druckniveau“ und „Eco-Fahrt“ lässt sich der Luftverbrauch flexibel an die Anforderungen anpassen. Aufgrund wählbarem Druckniveau kann ein digital gewählter Druck die pneumatische Kraft auf das für die Applikation nötige Niveau begrenzen. Die Eco-Fahrt senkt den Druckluftverbrauch auf das nötige Minimalniveau, sofern keine Press- und Haltekräfte in der Endlage benötigt werden. Abhängig von der Applikation sind so Einsparungen von bis zu 70 % im Vergleich zum Standardbetrieb möglich.

Technologie: kostengünstig und simpel

Das Festo Motion Terminal soll sowohl die schnelle und kraftvolle Bewegung als auch die Leckage-Prüfung zu deutlich niedrigeren Kosten gegenüber heutigen Lösungen ermöglichen. Festo zufolge werden so beispielsweise gegenüber elektrischen Lösungen weniger Controller benötigt, da beim VTEM ein Controller bis zu acht Bewegungen regeln kann. Aber auch der Stromverbrauch sinkt und der benötigte Einbauraum soll um bis zu 65 % zurückgehen.

Im Technologievergleich avancieren Lösungen mit dem Festo Motion Terminal zu kostengünstigen Alternativen. Denn statt eines Ventils, eines Druckreglers und eines Drucksensors – also dreier Komponenten – soll nur noch eine einzige Technologie nötig sein – also ein Ventil.

Konstrukteuren verspricht Festo weniger Teilenummern, weniger CAD-Modelle, einfachere Montagezeichnungen und klare Schnittstellen, was die Konstruktion beschleunigen soll. Funktionen werden per App zugewiesen. So sind auch noch nach Fertigstellung der Konstruktion funktionale Anpassungen ohne Hardwaretausch möglich. (sh)

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