Suchen

Elektromobilität Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch – ist das so?

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Das 8. E-Motive Expertenforum hat Möglichkeiten aufgezeigt, wie es in Deutschland mit der elektrischen Antriebstechnik weitergehen kann. Doch gibt es unterschiedlichste Ansätze, keine ausreichende Infrastruktur und in Deutschland kaum Batterieproduktion. Gemessen am Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen, gibt es davon heute gerade einmal 6 %, nämlich 60.000 E-Fahrzeuge inklusive Plug-in-Hybriden. Dennoch sind sich die Experten auf dem E-Motive Forum einig: Die Mobilität von morgen ist elektrisch.

Firmen zum Thema

Führende Experten aus Industrie und Wissenschaft boten den Teilnehmern des E-Motive-Kongresses in 36 Vorträgen einen Überblick über zukunftsweisende Trends und Schlüsseltechnologien, über aktuelle Forschungsergebnisse und sie gaben Einblicke in die Praxiserfahrungen der Industrie mit elektromobilen Projekten.
Führende Experten aus Industrie und Wissenschaft boten den Teilnehmern des E-Motive-Kongresses in 36 Vorträgen einen Überblick über zukunftsweisende Trends und Schlüsseltechnologien, über aktuelle Forschungsergebnisse und sie gaben Einblicke in die Praxiserfahrungen der Industrie mit elektromobilen Projekten.
(Bild: W. Schmidt,/FVA)

„Die Vorteile von elektrisch betriebenen Fahrzeugen liegt auf der Hand: Sie sind CO2- und schadstofffrei, vorausgesetzt, der Strom kommt aus erneuerbaren Energien“, sagte Dr. Joachim Reichert in seinem Grußwort. Er ist stellvertretender Leiter der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung (GGEMO). Elektromobilität sieht er als sinnvolle Ergänzung der Energiewende im Sinne einer Mobilitätswende. Doch weder die Kaufprämie noch die steuerlichen Vorteile konnten Nutzer bisher überzeugen. 2016 gab es 60.000 zugelassene E-Fahrzeuge inklusive Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen auf deutschen Straßen. In vier Jahren sollen es bereits eine Million Fahrzeuge sein. „Mit dieser geringen Zahl können wir nicht zufrieden sein“, sagt Reichert, denn vom erklärten Ziel sind damit bisher nur 6 % erreicht.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Batteriezelltechnologie vorantreiben

Reichert warnte davor, die technologische Basis, die man in Deutschland habe, nicht zu nutzen. Vor allem bei der Batteriezelltechnologie müsse man aufpassen, dass Deutschland nicht den Anschluss verliert.

Auch Dipl.-Ing. Markus Hackmann von der P3 Automotive GmbH sieht für den schleppenden Absatz von E-Fahrzeugen hauptsächlich die zu hohen Batteriepreise und eine fehlende Infrastruktur. Um die Batteriekosten zu bewerten, hat P3 ein Kostenmodell zur technischen Rekonstruktion von Batteriezellen und Stückkostenbewertung erstellt. Auf Basis der durchgeführten Kalkulationen mit verschiedenen Zell- und Batteriekonzepten können aktuelle und zukünftig zu erwartende Batteriekosten ermittelt und mit den aktuellen Trends verglichen werden. Bis 2025 sind 40 batterie-elektrische Fahrzeug-Modelle und 80 Plug-in-Hybrid-Modelle, eine Kombination aus Verbrennungsmaschine und Batterie, angekündigt. Der Markt sei also da, nun müssten die Batteriehersteller liefern, so Hackmann. Der weltweite Li-Batteriemarkt wird aber nicht von deutschen, sondern von asiatischen Herstellern dominiert, die ihre Produkte zu Kampfpreisen anbieten können.

Insgesamt gab es 36 Vorträge über zukunftsweisende Trends und Schlüsseltechnologien, über aktuelle Forschungsergebnisse aus dem E-Motive-Netzwerk und über Praxiserfahrungen der Industrie mit elektromobilen Projekten. Veranstalter des Kongresses sind die Forschungsvereinigungen Antriebstechnik e.V. (FVA) und Verbrennungskraftmaschinen (FVV) und das VDMA Forum Elektromobilität: E-Motive.

Co-Existenz Brennstoffzellentechnologie

Einige Sessions behandelten auch Themen zur Brennstoffzellentechnologie, die wohl neben dem Plug-in-Hybrid und dem reinen batterie-elektrischen Fahrzeug weiterhin eine Rolle spielen wird.

Dipl.-Ing. Norbert Frisch von der BMW Group war sich sicher: „Es wird immer eine Co-Existenz zwischen E-Fahrzeugen und Fahrzeugen mit Brennstoffzellentechnologie geben.“ In welchem Verhältnis lasse sich zwar noch nicht beantworten, sicher seien aber die Vorteile, die die Brennstoffzellentechnologie mitbringt: kurze Tankzeiten von 2 bis 3 min. sowie eine Reichweite, die heutigen Standards entspricht. Aber auch hier müssen Kosten deutlich reduziert werden, um Akzeptanz beim Nutzer zu erlangen. Bei der Ausweitung der Infrastruktur sei die Politik gefragt, so Frisch.

Industrielle Gemeinschaftsforschung soll Zukunft sichern

Rund 200 Fachleute aus Industrie und Wissenschaft, aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Zulieferindustrie und Automobilindustrie nahmen am Forum teil.

Die Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA) nutzte die Gelegenheit auch über ihr Konzept der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) zu informieren, das sie seit fast 50 Jahren organisiert. Das Konzept soll auch die elektrische Antriebstechnik voranbringen: „Für den Durchbruch der Elektromobilität ist es entscheidend, dass alle Beteiligten gemeinsam und mit Nachdruck daran arbeiten, den elektrischen Fahrzeugantrieb weiterzuentwickeln. Die Industrielle Gemeinschaftsforschung kann hierzu einen wertvollen Beitrag leisten, denn sie liefert vielmals die Basis für kostensenkende Standardisierungen. Außerdem ermöglicht sie den Wissenstransfer aus der vorwettbewerblichen Forschung in die industrielle Praxis. Das E-Motive bietet hierzu ein geeignetes Forum und wird das Zukunftsthema Elektromobilität in Deutschland weiter voranbringen“, sagt Bernhard Hagemann, Leiter des VDMA Forum Elektromobilität: E-Motive und stellv. Geschäftsführer der FVA.

Dr. Joachim Reichert appellierte am Ende seines Grußwortes noch einmal an die deutsche Industrie: „Es sollte die deutsche Industrie sein, die die Verbraucher vom Vorzug und der Qualität des schadstofffreien Elektrofahrzuges weltweit überzeugt.“ (sh)

(ID:44265334)