Suchen

Interview: Cloud Services und Maschinenbau Die Verfügbarkeit von Daten verändert die Konstruktionsarbeit

| Redakteur: Jan Vollmuth

In der Zukunftsvision Industrie 4.0 spielt die Cloud eine wesentliche Rolle. Thorsten Walter, Produkt- und Projektmanager für Cloud Services bei STW erklärt, warum der Maschinenbau die Cloud braucht und wie sie den Arbeitsalltag von Konstrukteuren und Entwicklern beeinflusst.

Firmen zum Thema

(Bild: pixabay.com / CC0 / CC0 )

Alle reden von der Cloud – auch bei STW. Was macht die Cloud für den Maschinenbau so wichtig?

Differenzierung auf Maschinenebene selbst wird zunehmend schwieriger, oftmals geht es nur um den Preis. Ausweg ist die Einführung neuer digitaler Services – wozu die Cloud benötigt wird. Durch deren Einführung ergeben sich weitere Vorteile im Bereich After-Sales, Service und Maintenance und bei Klärung von Gewährleistungsansprüchen. Zudem erzielt der Hersteller eine bessere Kundenbindung durch kontinuierlichen Kontakt zum Kunden.

Wandelt sich der Maschinenhersteller zum Service-Anbieter und wie kann ich mir das vorstellen?

Das ist ein mögliches Modell. Auf jeden Fall muss eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgen. Eine Firma kann sich durchaus dafür entscheiden, auf eine digitale Transformation zu verzichten. Dennoch werden viele Unternehmen den Weg in Richtung Service-Anbieter gehen. Anstelle der Maschine selbst werden die Leistungen der Maschine als Dienstleistungsprodukt angeboten. Als Kunde kaufe ich sozusagen keine Bohrmaschine, sondern die Anzahl der Löcher die gebohrt werden. Durch die Abhängigkeit der Dienstleistung von der Nutzung ergibt sich eine neue Art der Skalierbarkeit für den Anwender – man könnte es als „pay as you go“ bezeichnen.

Welche Konsequenzen hat dies für den Maschinenbauer und seine Konstrukteure und Entwickler?

Zu Beginn muss die Entscheidung hin zur digitalen Transformation fallen und ein Konzept dafür stehen. Der Maschinenbauer muss sich daraufhin mit neuen Technologien auseinandersetzen, was oft eine personelle Herausforderung darstellt. Der Schwerpunkt verlagert sich in der Entwicklung von der Automatisierung hin zur Digitalisierung. Der Hersteller begibt sich auch in ein neues Ecosystem, zuverlässige Partner für die Zusammenarbeit werden benötigt.

Wie profitiert der Konstrukteur von der Cloud und Big Data?

Oftmals kommt der Ruf nach der Cloud vom Konstrukteur. Dieser profitiert als Erster von der direkten Rückmeldung aus dem Feld. Er kann den Einsatz der Maschinen beobachten, daraus lernen und optimieren. Kontinuierlicher Informationsfluss von vielen Maschinen bietet eine große Datenbasis für Analysen, die sowohl bei zukünftigen Entwicklungen eingehen können, als auch im Servicefall helfen.

Wird sich angesichts der genannten Trends die Arbeitsweise von Konstrukteuren und Entwicklern verändern?

Prinzipiell ist es sinnvoll, für die neuen Aufgaben entsprechend neue Abteilungen oder Stabsstellen zu schaffen, um die Konstrukteure nicht zu überlasten. Dennoch ändert sich die Arbeitsweise durch die Verfügbarkeit von Daten. Die Arbeit im Team tritt in den Vordergrund, ein Konstrukteur kann sicher nicht mehr im stillen Kämmerchen arbeiten. Bei guter Zusammenarbeit lassen sich die Optimierungszyklen deutlich verkürzen.

Warum beschäftigen sich noch so wenige Firmen mit Industrie 4.0?

Dafür gibt es mehrere Gründe: fehlender Marktdruck, fehlendes Wissen, zu starke Beschäftigung mit der Maschine selbst, Festhalten an traditionellen Denkmustern, Verlieren in den Details der neuen Technologien. Wichtig ist es nach unserer Ansicht, zunächst das „big picture“ zu entwerfen, um sich dem Thema dann in kleinen Schritten anzunähern.

Wie unterstützt STW Unternehmen, sich auf Industrie 4.0 einzustellen?

Wir bieten ein breites Spektrum an Dienstleistungen zu dem Thema. Dieses geht von Schulungen in unserer Akademie über Workshops beim Kunden bis hin zum Rapid Prototyping und Proof-of-Concept. Damit gelingt unseren Kunden innerhalb von wenigen Monaten der Einstieg in das Thema.

Was sollen Unternehmen tun, die ihre Maschinen fit machen wollen für Industrie 4.0?

Am Anfang muss die Unterstützung der Geschäftsleitung für das Thema stehen. Danach heißt es: Anfangen! Wir begleiten unsere Kunden wie oben beschrieben, definieren mit ihnen zusammen „Benefit Maps“ und öffnen ihnen den Zugang zu einem Partnernetzwerk.

Vielen Dank Herr Walter.

SPS IPC Drives 2017: Halle 7, Stand 150

Tipp: Anwendertreff Maschinenkonstruktion Verfügbarkeit und Produktivität, Flexibilität, Adaptivität – diese Ziele erreichen Konstrukteure und Entwickler bis heute mithilfe klassischer Technologien und Methoden. Doch angesichts zunehmender Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen und Anlagen stellt sich die Frage: Wo bieten sich neue Maschinenkonzepte an, wo spielen bewährte Technologien ihre Stärken auch in Zukunft aus? Der Anwendertreff Maschinenkonstruktion will diese Fragen klären und konkrete Lösungsansätze aufzeigen.
Anmeldung: Anwendertreff Maschinenkonstruktion

(ID:44929580)