CAD-Software Die Produktivität in allen Bereichen der Konstruktion steigern

Siemens PLM Software hat kürzlich die neue Version ST8 der 3D-CAD-Software Solid Edge gelauncht. Wir haben bei Werner Küntzler, Channel Marketing Director bei Siemens PLM Software, unter anderem nachgefragt, welche neuen Funktionen dem Konstrukteur das Leben erleichtern.

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Die neue Solid-Edge-Version von Siemens PLM Software soll Ingenieuren schnelleres und flexibleres konstruieren möglich machen.
Die neue Solid-Edge-Version von Siemens PLM Software soll Ingenieuren schnelleres und flexibleres konstruieren möglich machen.
(Bild: Siemens PLM Software)

Herr Küntzler, was ist Ihr persönliches Highlight unter den neuen Features?

Mein persönliches Highlight in Solid Edge ST8 sind die neuen Funktionalitäten im Bereich der Bewegungssimulation, an deren Definition ich zum Teil noch selbst mit unseren Kunden und der Entwicklung involviert war. Hier geht es nicht um kinematische analytische Berechnungen, sondern um Funktionalitäten, die es unseren Kunden ermöglichen, sehr komplexe Bewegungsabläufe in Maschinen zu simulieren. Das ist wichtig, um kollisionsfreie, zeitlich korrekte und zum Teil extrem schnelle Bewegungsabläufe zu überprüfen – ohne, dass ich dafür einen Prototyp erstellen muss. Hier haben wir die „Motor“-Funktionen erweitert, so dass wir jetzt auch variablengesteuerte Antriebe definieren können. Damit können wir zum Beispiel Bauteile entlang einer komplexen Kurve (zum Beispiel einer Kurvenscheibe) bewegen und den Ablauf in der Maschine realistisch darstellen.

Welche drei Funktionen werden den Konstrukteur wohl am effizientesten bei der täglichen Arbeit unterstützen?

Die „Like Me“ – Mustererkennung: Wir haben in den letzten Versionen sukzessive die Funktionalitäten zur Wiederverwendung von importierten Daten erweitert – eine absolute Notwendigkeit in einer Multi-CAD-Welt. Dazu bietet Solid Edge mit Synchronous Technology die besten Möglichkeiten. So wurde zunächst die Bohrungserkennung, dann die Erkennung von Bohrungsmustern und die Erkennung von Mustern innerhalb übergeordneter Muster implementiert. Damit konnten also auch verschachtelte Bohrmuster erkannt und wiederverwendet werden. Neu in der ST8 ist jetzt die Erweiterung der Mustererkennung auf beliebige gleiche Geometriebereiche, die ich graphisch an importierten Modellen selektieren kann.

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So lassen sich zum Beispiel Zähne an einer Zahnstange selektieren, als Muster erkennen und gleich im nächsten Schritt einfach durch Angabe einer neuen Zähnezahl ändern. Dabei ist es vollkommen gleich, aus welchem CAD-System die Geometrie übernommen wurde.

Neu in der ST8 ist die Möglichkeit, Schweißnähte in einer separaten Datei als Einzelteile zu erzeugen, nicht mehr notwendigerweise in einer Baugruppendatei mit Baugruppenformelementen. Das hat den Vorteil, dass man hier noch flexibler alle Schweißnähte erzeugen kann, neben den klassischen Schweißnähten, wie Kehlnaht oder Füllnaht, können hier auch alle Formelemente der Einzelteilumgebung für die Erzeugung kundenspezifischer Schweißnähte verwendet werden. Die Schweißnähte lassen sich sehr schnell auf andere Teile der Baugruppe duplizieren und alle Schweißinformationen einfach für die Zeichnung extrahieren.

Gerade mit der ST8 haben wir eine neue Funktion entwickelt, die den allermeisten Kunden im Bereich der Qualitätssicherung weiterhelfen wird – den Zeichnungsvergleich. Hier können wir jetzt grafisch zwei Zeichnungsrevisionen miteinander vergleichen und die Bereiche, die geändert wurden, farbig markiert am Bildschirm darstellen. Das spart eine Menge Zeit und auch Kosten, weil man das jetzt direkt in Solid Edge durchführen kann. Die Ergebnisse des Zeichnungsvergleichs lassen sich auch archivieren (Nachweispflicht).

In Sachen Touchfunktionalität hat sich ja wieder viel getan, was sicher besonders den jüngeren Anwendern entgegen kommt. Aber erwarten Sie, dass auf dem Tablet auch konstruiert wird?

Absolut! Wir haben gerade mit der neuen Version Solid Edge auf dem Microsoft Surface Pro vorgestellt. Hier wird dem Anwender die komplette Funktionalität von Solid Edge auf diesem hervorragenden Tablet angeboten. Wir haben die ersten Tests mit Kunden auf dem Surface Pro durchgeführt; und alle sind sehr angetan von den Möglichkeiten. Das größte Problem: Die Kunden wollten die Leihgeräte gar nicht mehr hergeben .

So kann das Surface Pro mit einer Docking-Station, Monitor, Mouse, Spacemouse,…als ein vollwertiger Konstruktionsarbeitsplatz genutzt werden, ohne Einschränkung, was die Performance und Grafikleistung angeht. Darüber hinaus kann ich „meinen“ Arbeitsplatz komplett mit auf Reisen nehmen oder für Projektbesprechungen mobil nutzen. Hierbei kann ich sowohl alle Funktionen via Touch-Bedienung nutzen oder aber mit einem Stift bedienen. Eine anklappbare Tastatur oder zusätzliche Maus macht das Ganze noch produktiver, wenn man umfangreichere Aufgaben durchführen muss. Ein optimales Arbeitsgerät für Anwender, die viel unterwegs sind und mobil Ihre ganze Konstruktionsumgebung dabei haben möchten.

Viele zusätzliche Funktionen gibt es ja auch im Bereich der Hilfe: Wird die Software so komplex oder was war die Motivation für diese Erweiterungen?

Das ist eine gute Frage, die wir uns bei jeder neuen Version stellen. Tatsache ist, dass Solid Edge über die Jahre hinweg ein sehr leistungsfähiges und umfangreiches Konstruktionswerkzeug geworden ist. Wir hatten aber schon von Anfang an den Anspruch, dem Anwender komplexe Vorgänge möglichst einfach anzubieten. Die Hilfefunktion, zum Beispiel kleine Vorschauvideos, die man sich bei Befehlen anzeigen lassen kann, helfen hierbei aber nicht nur neuen Solid Edge Anwendern, sondern auch erfahrenen Konstrukteuren, die sich eine neue Funktion anschauen wollen. Und da ist eine visuelle Unterstützung sehr hilfreich und effizienter, als in Manuals nachzuschlagen. Das Ziel ist es, die Konstrukteure direkt beim Konstruieren und genau an der gewünschten Stelle zu unterstützen.

Auch im Bereich der Zeichnungen melden Sie neue Funktionen und Verbesserungen. Viele erwarten, dass die Zeichnungen verschwinden – Siemens PLM Software sieht das wohl anders?

Die Frage der papierlosen, zeichnungslosen Fertigung beschäftigt uns schon seit langer Zeit und wurde schon vor 20 Jahren im Rahmen von CIM (Computer Integrated Manufacturing) propagiert. Es müsste aber eigentlich lauten: „Sehen unsere Kunden das anders“? Das ist doch die wichtigere und entscheidende Frage. Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, um alle Zeichnungsinformationen direkt an das 3D-Modell zu hängen und dort nutzen zu können, sei es für die Dokumentation oder für die Fertigung. Einige Kunden nutzen das sehr intensiv. Aber grundsätzlich ist es auch heute noch so, dass bei den meisten Kunden die Zeichnung Vertragsbestandteil mit ihren Endkunden und Zulieferern ist. Dem müssen wir Rechnung tragen. Wir fokussieren uns daher auch auf die permanente Steigerung der Produktivität, zum Beispiel durch automatische Zeichnungsableitungen, Bemaßungen bei höchster Qualität.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Redakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht