Suchen

Technik kurz erklärt

Die Entwicklung des Tesa-Films

| Autor/ Redakteur: M.A. Bernhard Richter / Katharina Juschkat

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Der Tesa-Film.

Firmen zum Thema

Der Vorgänger des Tesafilms sollte ein Wundpflaster werden, aber aufgrund von Reizungen auf der Haut mussten andere Anwendungsfelder her – das erste technische Klebeband war erfunden.
Der Vorgänger des Tesafilms sollte ein Wundpflaster werden, aber aufgrund von Reizungen auf der Haut mussten andere Anwendungsfelder her – das erste technische Klebeband war erfunden.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Den Tesa-Film, wie wir ihn heute kennen, erfand der Apotheker Paul Beiersdorf – allerdings sollte es eigentlich ein Wundpflaster werden. Das Pflaster klebte auf der Haut auch wunderbar, doch die dadurch verursachten Hautreizungen machten das Produkt als medizinisches Pflaster unbrauchbar. Dennoch holte sich der Apotheker ein Patent und gründete die Firma Beiersdorf, die acht Jahre später von dem Unternehmer Oscar Troplowitz übernommen wurde.

Klebefilm soll Lebensmittel haltbar machen

Dieser erkannte das versteckte Potential des vermeintlichen Wundpflasters und brachte 1896 das erste technische Klebeband auf den Markt. Das Unternehmen Beiersdorf entwickelte über die Jahre Wundpflaster und Klebebänder weiter – bis 1936 der transparente „Kautschuk-Klebefilm“ oder kurz „K Klebefilm“ auf den Markt kam, der direkte Vorgänger des Tesa-Films. Damals wurde der Klebefilm unter anderen für die Haltbarmachung von Lebensmittel verwendet – so wurden Marmeladengläser damit verschlossen sowie Konservendosen und Kartonverpackungen. Später wurde der Tesa-Film auch als Dichtungsmaterial für Fenster verwendet.

Woher der Name Tesa stammt

Der Name Tesa geht noch einmal einige Jahre zurück und verlieh einigen Produkten der Firma Beiersdorf einen Namen, bis das bis heute bekannte Klebeband damit benannt wurde. Im Jahr 1906 fand in der Firma ein Markennamenwettbewerb statt, zu der die Sekretärin Elsa Tesmer den Namen „Tesa“ einreichte – eine Zusammensetzung aus den ersten beiden Buchstaben ihres Nach- und Vornamens. Unter anderem eine Zahnpasta, die nicht von Erfolg beschert war, trug den Namen Tesa, bis schließlich der Nachfolger des K Klebefilms mit dem Namen berühmt wurde.

Was Tesa mit Datenspeicher und Röntgenstrahlen gemein hat

Heute wird Tesa oft synonym für Klebefilm verwendet und ist nach wie vor ein alltäglicher Gegenstand jedes Büros. Dass Tesa noch mehr als nur Kleben kann, bewiesen übrigens 1988 die zwei Physiker Steffen Noehte und Matthias Gerspach, der per Zufall darauf stießen, dass sich der Klebefilm sehr gut als Datenspeicher nutzen lässt, da Laser besonders gut Strukturen einbrennen können. Und im Jahr 2008 stellten Wissenschaftler der University of California fest, dass beim Abrollen eines Tesastreifens Röntgenstrahlen erzeugt werden – und zwar genug, um einen Röntgenfilm zu belichten. Doch beim normalen Gebrauch des Tesa-Films soll keine Gefahr vor Röntgenstrahlung bestehen, da die nötige statische Ladung von der Luft schnell genug entfernt wird.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45219955)

Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht