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Technik kurz erklärt Die Entwicklung des Radios

| Autor: M.A. Bernhard Richter

In unserer Serie „Technik kurz erklärt“ stellen wir jede Woche ein Meisterwerk der Konstruktion vor. Heute: Das Radio.

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High-Tech anno 1960: Ein Grundig Stereo 3192 LW-, MW-, KW- und UKW-Radioempfänger mit 3 Lautsprechern. Das Gerät wog 9,5 kg und kostete damals 349 DM.
High-Tech anno 1960: Ein Grundig Stereo 3192 LW-, MW-, KW- und UKW-Radioempfänger mit 3 Lautsprechern. Das Gerät wog 9,5 kg und kostete damals 349 DM.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Wer genau das Radio erfunden hat, ist bis heute nicht ganz klar. Klar ist nur, dass viele Köpfe an der Entwicklung beteiligt waren.

Gerne nannte sich der Physiker Guglielmo Marconi als Erfinder des Radios. Doch tatsächlich beruhen seine Arbeiten auf zahlreichen Patenten des verkannten Erfinders Nikola Tesla. Der bastelte schon 1895 an der Idee des Radios, das er sich um 1900 patentieren ließ.

Patentstreit um Radio blieb erfolglos

Die Patente, die Marconi zu dieser Zeit einreichte, wurden abgelehnt, da sie zu nahe an Teslas Ideen lagen. Wenige Jahre darauf wurden Marconi auf einmal doch die Patente erteilt – weshalb, ist bis heute nicht ganz klar. Dass Marconi inzwischen die finanzstarke Marconi Wireless Telegraph Company gegründet hatte, könnte dazu beigetragen haben. Als Marconi 1906 den Nobelpreis für seine vermeintliche Erfindung erhielt, zog Tesla endlich vor Gericht, was jedoch erfolglos blieb, da Tesla das nötige Geld fehlte.

Woher kommt „Radio“?

Zu Beginn beschrieben mehrere Begriffe das, was wir heute landläufig als Radio bezeichnen. Das Wort „Radio“ als Abkürzung von Radioempfang oder Radiogerät bedeutet auf lateinisch lediglich „Strahl“. Die Reichspostverwaltung, die sich damals u.a. als Sprachwächter sah, lehnte das damalige Modeworts rigoros ab, konnte sich sich aber – wie wir heute wissen – historisch nicht durchsetzen.

Eine Erfindung dank Erfindungen

Die eigentliche Erfindung des Radios geht also auf eine Reihe von technischen Errungenschaften des 19. Jhd. und der ersten Hälfte des 20. Jhd. zurück. Das beinhaltet u.a. die Erzeugung von Tonsignalen, Modulation derer auf eine Trägerschwingung, den Transport der Radiowelle und letztendlich den Empfang und Rückumwandlung des Signals in Schall. Grundlage zum Erfolg waren zusätzlich wissenschaftliche Erkenntnisse des 17. – 19. Jhd.

Wissen über Materialien als Leiter, Halbleiter und Nichtleiter, Akustik, Elektromagnetismus, elektrische Leitfähigkeit, Ladung und Entladung sowie das Verhalten magnetischer Felder sowie über die Funktionsweise von Antennen, Spulen, Kondensatoren, Widerständen, Isolatoren, Batterien und Messgeräten sowie die Berechnung physikalischer Vorgänge.

Radio goes Mainstream

Am 22. Dezember 1920 fand die erste öffentliche Radio-Übertragung eines Weihnachtskonzertes statt. Dieses Ereignis der Reichspost in der Weimarer Republik sollte der Grundstein für die Entwicklung des öffentlichen Rundfunks in Deutschland werden. Doch diese Entwicklung war nicht immer positiv.

Das Radio als Propagandainstrument

Um alle Bürger des Dritten Reiches auf Parteilinie zu bringen, wurde im August 1933 vom Propagandaministerium der sogenannte Volksempfänger konzipiert. Das Gerät war mit 76 Reichsmark für die meisten Bevölkerungsschichten erschwinglich. Allerdings konnte unter bestimmten Vorraussetzungen auch die Radioübertragungen der Alliierten empfangen werden, was bei Propagandaminister Goebbels für Unmut sorgte - Feindsender hören konnte mit Todesstrafe bestraft werden.

Teure Unterhaltung

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen ab 1949 mit dem Beginn des UKW-Rundfunks in Deutschland Geräte zum Empfang von UKW-Sendern mit Frequenzmodulation auf den Markt. Diese waren – wie viele Produkte im Nachkriegsdeutschland – gemessen am Einkommen noch verhältnismäßig teuer. 1952 kostete z. B. ein UKW-Empfänger in Westdeutschland 380 DM (entspricht 987 Euro inflationsbereinigt).

Klassiker Röhrenradio vs Transistor

In frühen analogen Radios wurden neben dem Detektorempfänger auch Geräte mit Elektronenröhren für den Empfang und zur Verstärkung verwendet. Sie werden daher als Röhrenempfänger bezeichnet.

1953 brachte eine US-amerikanische Firma das erste Transistorradio auf den Markt. Diese Neuerung wurde durch den 1948 entwickelten elektronischen Halbleiter-Bauelement-Transistor möglich. Ab diesem Zeitpunkt verlor die Röhre immer mehr an Beliebtheit. Denn Röhrenradios verbrauchten mehr Strom, waren anfälliger gegen Stöße, schwerer und größer. Radios waren zu der Zeit so groß wie eine Kiste Bier. Und ebenso schwer.

Mit der Zeit wurden Transistoren, Kondensatoren und Widerstände immer kleiner und zu integrierten Schaltkreisen zusammengefasst, so dass in den 1980er Jahren Radios auf Streichholzschachtelgröße geschrumpft sind und ohne Probleme in Kopfhörer oder als Zusatzfunktion in den Walkman oder in Mobiltelefone eingebaut wurden.

Das Ende des Radios?

In Deutschland sollte analoges Radio bis 2010 ein Ende finden und Programme nur noch in digitaler Form übertragen werden. In der EU sollte der letzte Analogsender bis 2012 abgeschaltet werden. Da dies augenscheinlich nicht geschehen ist, liegt an der mangelnden Akzeptanz und fehlender Infrastruktur des digitalen Angebots. Die analoge Ausstrahlung des TV-Angebots dagegen wurde in Deutschland am 30. April 2012 beendet.

Kritiker sehen in der Umstellung ein Ende des „freien Rundfunks“, da eine digitale Übertragung eine Verschlüsselung und damit ein Abo-Zwang möglich werden würde – was teilweise schon geschehen ist.

Auch werden die Geräte durch die komplexe Demodulations- und Dekodierungstechnik wieder größer und schwerer und verbrauchen damit auch wieder mehr Strom.

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht