Forschung Solar-Parks und Kunst-Dünen sollen Regen in Wüsten auslösen 

Quelle: Universität Hohenheim 4 min Lesedauer

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Ausreichend große und clever angelegt Solarparks könnten das Wetter in küstennahen Wüstengebieten so beeinflussen, dass es regnet; einen ähnlichen Effekt könnten auch künstliche Dünen erreichen – so die Einschätzung Forschender der Uni Hohenheim. Ihre These wollen sie jetzt in der Wüste der arabischen Halbinsel erhärten.

Sobald Solarparks eine bestimmte Größe überschreiten, könnten sie der warmen Luft genug Auftrieb geben, dass diese Atmosphärenschichten erreicht. Dort kondensiert das Wasser, es entstehen Regen und Gewitter.(Bild:  Uni Hohenheim/Unger)
Sobald Solarparks eine bestimmte Größe überschreiten, könnten sie der warmen Luft genug Auftrieb geben, dass diese Atmosphärenschichten erreicht. Dort kondensiert das Wasser, es entstehen Regen und Gewitter.
(Bild: Uni Hohenheim/Unger)

Große Solarparks und künstliche Dünen könnten Regen in Wüsten tragen, vermuten Forscher der Uni Hohenheim. Jetzt soll ein großes Forschungsprojekt die These erhärten. Geplant sind intensive 3D-Wetter-Analysen und hochauflösende Computer-Simulation
Möglich macht dies ein hochdotierter Forschungspreis der Vereinigten Arabischen Emirate: Das sogenannte UAEREP-Programm schreibt jedes Jahr 5 Millionen US-Dollar aus, um internationale Spitzenforschung für verstärkten Regen in Wüsten und Halbwüsten zu verwirklichen. In diesem Jahr erhielten insgesamt drei Forschungsteams die Spitzenförderung – aus weltweit insgesamt 120 Einreichungen. Die Universität Hohenheim ist bereits zum zweiten Mal darunter. 

Die Vision: eine Kulturlandschaft, in der riesige Solarparks schwarz in der Sonne glitzern. Dazwischen bauen großflächige Felder mit Ölfrüchten wie Jojoba oder Jatropha neuen Boden auf.

Das Wetter in Wüsten studieren Forschende der Universität Hohenheim bereits seit über zehn Jahren. Und auch mit den Wüsten der arabischen Halbinsel sind Dr. Oliver Branch und Prof. Dr. Volker Wulfmeyer gut vertraut. Nun glauben die Erdsystem-Wissenschaftler, einen neuen Ansatz gefunden zu haben, um Regen in die Trockenregion zu bringen.

Die Forschung von Dr. Branch und seinem Team vom Institut für Physik und Meteorologie könnte dazu führen, das Landschaftsbild in küstennahen Wüstenregionen einmal radikal verändern. Ihre Vision: eine Kulturlandschaft, in der riesige Solarparks schwarz in der Sonne glitzern. Dazwischen bauen großflächige Felder mit Ölfrüchten wie Jojoba oder Jatropha neuen Boden auf. Aus dieser Ebene ragen pyramidenförmige Dünen auf - aufgeschüttet von Menschenhand und mehrere 100 Meter hoch.

In dieser Zukunft treibt ein Bruchteil des Solarstroms die Pumpen an, die die Pflanzungen mit Grundwasser aus Zisternen bewässern. Die Pflanzen kühlen die heiße Luft herunter, was den Wirkungsgrad der Solarmodule erhöht. Vom nahen Meer strömen Winde heran. Im Sommer bilden sich an günstigen Tagen Wolken, die sich mit Regen entladen.

Heiße Solar-Paneele lassen feuchte Winde aufsteigen

Die Luft über schwarzen Solarmodulen erwärmt sich stärker als in der Umgebung. Vom Meer strömen feuchte Winde nach. Die warme Luft steigt auf und Turbulenz entsteht.
(Uni Hohenheim/Unger)

Schon jetzt erwärmt sich die Luft über schwarzen Solarmodulen stärker als in der Umgebung. Vom Meer strömen feuchte Winde nach. Die warme Luft steigt auf und Turbulenz entsteht.

„Unser Kalkül: Sobald künftige Solarparks eine bestimmte Größe überschreiten, würden sie der warmen Luft genug Auftrieb geben, dass diese Atmosphärenschichten erreicht, in denen sich Wolken bilden können. Dort kondensiert das Wasser. Es entstehen Regen und Gewitter“, erklärt Dr. Branch.

Eine ähnliche Wirkung könnten auch große künstliche Dünen haben. „Aus der Forschung wissen wir, dass zum Beispiel Bergkuppen Windströmungen so umleiten, dass sie aufeinanderprallen, aufsteigen, Wolken formen und abregnen“, ergänzt der Institutsleiter, Prof. Dr. Volker Wulfmeyer.

Unser Kalkül: Sobald künftige Solarparks eine bestimmte Größe überschreiten, würden sie der warmen Luft genug Auftrieb geben, dass diese Atmosphärenschichten erreicht, in denen sich Wolken bilden können. Dort kondensiert das Wasser. Es entstehen Regen und Gewitter.

Dr. Branch

Einfache Theorie erfordert hochkomplexe Analysen

So einfach die Theorie erscheinen mag, so komplex ist der Forschungsbedarf: „Die Grundprinzipien sind bekannt, für ein solches Projekt kommt es auf die Details an. Dazu müssen wir die Prozesse vor Ort ganz genau studieren“, so Dr. Branch.

Für diese Messungen setzt das Team der Universität Hohenheim auf Hochleistung-Lasersysteme, die sie neben bestehende Solarparks aufstellen: sogenannte Lidars. „Mit diesen Lidars können wir die Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Windbewegungen dreidimensional vermessen: vom Solarpark bis zur Küste und senkrecht hoch bis in die Luftschichten, in denen Wolken entstehen.“

Dabei hilft, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits einige der größten Solaranlagen der Welt stehen. Darunter der Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park nahe Dubai als weltgrößter Standort.

Hochleistungsrechner ermöglichen passende Wettermodellierung

Mit diesen Messdaten entwickelt die Arbeitsgruppe der Universität Hohenheim ein hochauflösendes Computermodell, das die Prozesse genau simuliert.

„Im ersten Schritt trainieren wir das Modell mit den Messdaten, bis es die realen Prozesse genau abbildet. In einem zweiten Schritt können wir dann Vorhersagen machen: Wie wirkt es sich aus, wenn wir den Solarpark vergrößern oder Form und Größe einer künstlichen Düne verändern? Auf diese Weise können wir dann den optimalen Standort, das optimale Ausmaß und passende Design von Solarparks und Kunstdünen ermitteln.“

Bis auf 100 Meter genau soll das Modell die Wettervorgänge darstellen. Möglich ist dies nur im Verbund mit den Hochleistungsrechnern „Hunter“ und „HoreKa“ an der Universität Stuttgart und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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