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Exklusiv Die Corona-Krise meistern und dabei relevant bleiben

Redakteur: M.A. Bernhard Richter

konstruktionspraxis im exklusiven Gespräch mit Geschäftsführer Jan Metzger über Krise, Zukunft und Konstruktion bei COG im Laufe der Zeit.

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Jan Metzger, Geschäftsführer von COG im historischen „Chefbüro“ – ein passender Ort für geschichtliche Reflexion.
Jan Metzger, Geschäftsführer von COG im historischen „Chefbüro“ – ein passender Ort für geschichtliche Reflexion.
(Bild: COG)

Ihr Unternehmen ist seit über 150 Jahren im Geschäft – wie wirkt sich die momentane Krise auf die Geschäftslage von COG aus?

Ein 150 Jahre altes Familienunternehmen kann nur so erfolgreich sein wie die Mitarbeiter, die das Unternehmen geprägt haben und heute mitgestalten. Wichtig für den Erfolg unseres Unternehmens war immer die Offenheit, mit notwendigen Veränderungen umzugehen. Und einer veränderten Arbeits- und Marktsituation sehen wir uns auch aktuell während der COVID-19-Pandemie gegenüber.

Zum Glück haben wir uns auf die Situation sehr schnell eingestellt und versuchen bestmöglich mit dieser umzugehen. Das haben wir bisher auch ganz gut hinbekommen! Verglichen mit einigen Marktbegleitern steht COG wirklich gut da. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir mit ca. 6000 aktiven Kunden sehr breit aufgestellt sind und nicht alle Branchen gleichermaßen durch die Krise belastet sind.

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Natürlich hat unsere Wachstumsstrategie einen Dämpfer bekommen und auch wir werden unsere ursprünglichen Umsatzziele für dieses Jahr nicht erreichen. Und wir wissen natürlich auch nicht, wann unsere Kunden in den unterschiedlichen Märkten wieder in den „Normalzustand“ eintreten werden, aber wir sind als Unternehmen finanziell, organisatorisch und vor allem mit unseren Mitarbeitern so aufgestellt, dass wir auch diese Herausforderungen gut meistern werden. Daher nutzen wir auch die aktuell ruhigere Geschäftslage für diverse interne Optimierungsprojekte, um nach der Krise noch besser durchstarten zu können.

Wie hat sich die Dichtungstechnik im Verlauf der Zeit verändert?

Angefangen von der Lederdichtung um 1900 bis hin zur heutigen Hochleistungskomponente ist es natürlich ein langer Weg. Alle Entwicklungen von neuen Produkten oder Werkstoffen liefen aber immer nach demselben Muster ab: Die Neuentwicklung war zunächst eine Spezialdichtung und wurde mit der Zeit durch verbesserte Produktionstechniken und größere Marktakzeptanz zu einer Standarddichtung.

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Im Standard spielten dann Stückzahlen und Preise eine immer größere Rolle, was zu einer regionalen Verschiebung von Produktionskapazitäten führte. So werden heute in der Regel kaum noch Standarddichtungen in Deutschland gefertigt, große Stückzahlen aus Standardwerkstoffen werden aus Kostengründen häufig z.B. in Asien produziert. Die deutschen Hersteller haben sich entsprechend aufgestellt und sich mit einem optimierten Portfolio mit vielen Spezialprodukten gut positioniert, um weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können.

Aktuell erkennen wir allerdings auch einen gegenläufigen Trend beim Supply Chain Management, denn im Zuge von weltweit steigenden Unsicherheiten und Lieferkettenproblemen während der COVID-19 Krise besinnen sich viele Unternehmen darauf zurück, ihre Zulieferer und deren Produktionen doch aus Sicherheitsgründen vermehrt wieder in West-/Zentral-Europa zu suchen und die Priorität nicht mehr auf die größtmögliche Kosteneinsparung zu legen.

Generell steigen die Anforderungsprofile bei den Spezialdichtungen weiter deutlich an und auch das Thema Nachhaltige Produktion gewinnt zunehmend an Bedeutung. Beides sind Themen, die uns wichtig sind und auf die sich COG bereits voll ausgerichtet hat!

Wie konstruieren Ihre Entwickler heute und kann Konstruieren im Home Office funktionieren?

Hier müssen wir das Thema in Anwendungstechnik und Werkstoff-/Produktentwicklung unterteilen.

Die Anwendungstechnik berät unsere Kunden rund um das Thema Elastomer-Dichtungen. Hierbei helfen unsere Ingenieure, neben der Werkstoffauswahl, auch bei der konstruktiven Auslegung von Dichtungen oder Nutgeometrien. Diese Arbeiten sind auch problemlos vom Home Office aus durchführbar und dies haben wir während der ersten COVID-19-Lockdown-Periode auch erfolgreich durchgeführt.

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Die Werkstoff- oder Produktentwicklung hingegen kann nur im Unternehmen vor Ort effizient und erfolgreich durchgeführt werden. So sind beispielsweise bei Werkstoffentwicklungen in unserem Technikum diverse Versuchsreihen am kompletten Fertigungsstrang, also Mischungsherstellung, Extrusion, Pressen und Nachbearbeitung notwendig, bei gleichzeitig vielen begleitenden Tests in unserem Labor.

Hier hilft das Home Office natürlich nicht weiter, aber durch unsere umfangreichen Sicherheits-, Hygiene- und Abstandsmaßnahmen können wir diese Kapazitäten auch in Pandemiezeiten sauber vorhalten und unsere Neuentwicklungen vorantreiben.

Neuartige Werkstoffe sind ein großes Thema bei Ihnen – warum sind diese so wichtig für die Dichtungen?

Der Dichtungswerkstoff spielt bei Elastomer-Dichtungen die Schlüsselrolle. Die Dichtungsgeometrie ist natürlich auch dichtungsrelevant, aber wenn der Werkstoff ungeeignet ist, führt das zwangsläufig zum Ausfall der Dichtung. Gerade bei anspruchsvollen Anwendungen ist der Dichtungswerkstoff der zentrale Bestandteil einer Dichtungslösung, um eine einwandfreie Funktion der Anwendung dauerhaft zu gewährleisten.

Dabei steigen die Anforderungen an die Werkstoffe kontinuierlich weiter an. Neue und höhere technische Anforderungen sowie der Bedarf nach zusätzlichen Zulassungen, Freigaben und Zertifizierungen resultieren dann in der Neu-, bzw. Weiterentwicklung von Werkstoffen.

Was ist die größte Herausforderung in der Dichtungstechnik der Zukunft?

Für die Dichtungstechnik bestehen verschiedene Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen. Die Digitalisierung wird auch in der Dichtungstechnik weiter voranschreiten und es wird neue Impulse in den Bereichen Rückverfolgbarkeit und mitdenkende Dichtungen geben, um hier die Anforderungen der Kunden zu erfüllen.

Insgesamt wird die größte Herausforderung für die nächsten Jahre jedoch sein, die abnehmerseitig weiter steigenden technischen Anforderungen an die Dichtungen umzusetzen und dabei auch die kaufmännischen Anforderungen, also marktgerechte, günstige Preise, sicherzustellen. Der Wunsch der Anwender ist dabei nur zu verständlich: Es soll im Idealfall eine Elastomer-Dichtung sein, die universell einsetzbar und in kleinen und großen Stückzahlen sehr kostengünstig lieferbar ist. Die Umsetzung dieser Anforderung gleicht zuweilen der Quadratur des Kreises und den preisgünstigen Alleskönner für alle Einsatzfelder wird es auch zukünftig nicht geben.

Es zeichnet sich aber jetzt schon deutlich ab, dass sich das Angebotsportfolio verstärkt in die Bereiche günstige Standardprodukte, Allroundwerkstoffe und Spezial- bzw. Hochleistungs-Compounds aufteilen wird. Hierfür sehen wir uns auch zukünftig gut aufgestellt, um unseren Kunden eine möglichst große Werkstoffpalette mit schneller Verfügbarkeit anbieten zu können.

Vielen Dank Herr Metzger.

(ID:46914993)