Tag der Erfinder Die Bedeutung freier Erfinder

Der Tag der Erfinder wird in Deutschland seit 15 Jahren am 9. November gefeiert. Warum das so ist und wie sich die Corona-Pandemie auf die Innovationskraft deutscher Erfinder auswirkt.

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Hedy Lamarr, Hollywooddiva und Erfinderin, gilt als Prototyp des Erfinders, weil sie eben kein Edison war, sondern eine Visionärin mit Technikfaible.
Hedy Lamarr, Hollywooddiva und Erfinderin, gilt als Prototyp des Erfinders, weil sie eben kein Edison war, sondern eine Visionärin mit Technikfaible.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Hollywood-Star, „schönste Frau der Welt“, Erfinderin: Hedy Lamarr war eine schillernde Frau des 20. Jahrhunderts. Sie verkörperte das Schönheitsideal ihrer Zeit, war ein skandalumwitterter Superstar und Autorin eines visionären Patents – des Frequenzsprungverfahren. Sie wird als Prototyp des Erfinders bezeichnet, weil sie eben kein Edison war, sondern einfach jemand der eine Idee hatte und diese umzusetzen versuchte.

Femme fatale mit Technikfaible

Hedwig Eva Maria Kiesler wurde am 9. November 1914 als Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin in Wien geboren. Schon mit fünf Jahren soll sie eine Spieluhr auseinandergenommen haben, um zu verstehen, wie sie funktioniert. Das wilde Kind wurde Schauspielerin und drehte schon bald mit Stars wie Heinz Rühmann. Der tschechische Film Ekstase von 1933 war aufgrund seiner Nacktszenen ein Skandal. Aber nicht nur die zehnminütige Nacktszene – ein Bad in einem See und der anschließende Gang nackt durch einen Wald – sorgte für Aufsehen, sondern vor allem eine Liebesszene, in der lediglich ihr sexuell erregtes Gesicht zu sehen war. Der Film wurde weltweit nur in einer stark geschnittenen Fassung gezeigt und sogar von Papst Pius XI. angegriffen.

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Sie heiratete den Wiener Industriellen Fritz Mandl, einem herrschsüchtigen Mann, der ihr das Filmen verbot. 1937 floh sie vor ihm nach London, und nahm den Künstlernamen Hedy Lamarr an. Danach ging sie weiter in die USA und spielte in Hollywood in mehr als 30 Filmen mit. Ihren größten kommerziellen Erfolg feierte Hedy Lamarr 1949 mit dem Film Samson und Delilah. Obwohl sie in der Wahl ihrer Rollen keine sichere Hand hatte – so lehnte sie die Hauptrolle zu Casablanca ab – galt sie zu der damaligen Zeit als schönste Frau der Welt. Ihren letzten Film drehte sie 1958.

Vom Klavier zur Funkfernsteuerung für Torpedos

Hedy Lamarr, die sich als Nazigegnerin im 2. Weltkrieg auf die Seite der Alliierten stellte, entwickelte eine 1942 patentierte Funkfernsteuerung für Torpedos. Diese war durch sich selbsttätig wechselnde Frequenzen störsicher. Zu der Erfindung war es gekommen, als sie und der Komponist George Antheil eines seiner Werke für 16 Klaviere synchronisieren wollten. Das Problem löste sie mittels identischer Lochkarten in Sender und Empfänger. Dadurch waren die zeitgleichen Frequenzwechsel möglich.

Da das US-Militär die Erfindung nicht zum Einsatz brachte – sie nahmen das Patent einer Schauspielerin und eines Komponisten nicht ernst – konnten die beiden Erfinder keinen finanziellen Nutzen erzielen. Erst mit der GSM-Technik wurde auf die Entwicklung zurückgegriffen, das Patent war jedoch mittlerweile abgelaufen.

Sono-Boje basierend auf Lamarrs Idee

Lamarr soll noch etliche weitere Erfindungen ausgetüftelt haben, aber Patentanmeldungen sind keine weiteren bekannt. Zehn Jahre nach der Anmeldung von US2292387A kam die US-Marine dann doch darauf zurück, als sie eine „Sono-Boje“ zur Entdeckung von U-Booten entwickelte. Lamarrs Idee wurde aufgegriffen und weiterentwickelt.

Späte Ehre für die Erfinderin

Lamarr und Antheil, der 1959, im Auslaufjahr ihres Patents, starb, verdienten keinen Cent mit ihrer Erfindung. Auch die Ehre stellte sich erst sehr spät ein. Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Leinwandkarierre, als sie einsam und zurückgezogen in Florida lebte, erhielt Hedy Lamarr 1997 den Electronic Frontier Foundation Pioneer Award. Lange nach ihrem Tod am 19. Januar 2000 wurde sie 2014 posthum in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen; Google widmete ihr 2015 ein Doodle an ihrem Geburtstag. Der 9. November wird in den deutschsprachigen Ländern seit 15 Jahren als „Tag der Erfinder“ begangen – zu Ehren einer der ungewöhnlichsten Erfinderinnen aller Zeiten.

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DPMA: Freie Erfinder ungebrochen innovativ

Entgegen dem Trend gingen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) im Krisenjahr 2020 sogar mehr Patentanmeldungen aus der Gruppe der freien Erfinder ein als im Vorjahr: Insgesamt 2819 Anmeldungen bedeuteten ein Plus von 2,8 Prozent. „Die freien Erfinderinnen und Erfinder haben sich im vergangenen Jahr als Stabilitätsanker in einer schwierigen Zeit erwiesen“, sagte DPMA-Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer. „An diesen Zahlen zeigt sich einmal mehr, dass Krisen oft auch kreative Entwicklungen fördern.“

Die Daten hat das DPMA anlässlich der internationalen externer Link Erfindermesse iENA 2021 ausgewertet.

Was sind freie Erfinder?

Freie Erfinder arbeiten unabhängig von Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Das DPMA ordnet dieser Gruppe Patentanmeldungen zu, bei denen im Antrag Anmelder und Erfinder ein und dieselbe Person sind. Solche unabhängigen Entwickler haben immer wieder bedeutende Erfindungen hervorgebracht: Manchmal waren diese gar der Grundstein für große Unternehmen. Einige Beispiele sind der Spreizdübel, der Falkplan und die Auto-Waschstraße.
Um freie Erfinderinnen und Erfinder stärker zu unterstützen, bietet das DPMA ab sofort auf seinen Internetseiten ein eigenes Informationsangebot.

Weitere Infos für freie Erfinder beim DPMA.

Wie sich die freien Erfindungen verteilen

  • Der Anteil der Anmeldungen freier Erfinderinnen an den Gesamtanmeldungen der „Freien“ betrug im vergangenen Jahr 7,9 Prozent. Das ist genau ein Prozentpunkt mehr als 2019. Auffällig ist laut DPMA, dass der Zuwachs in den Technikklassen, denen Gesichtsmasken und Schutzkleidung zugeordnet werden, besonders groß ist. Infolge der Corona-Pandemie waren technische Lösungen in diesen Bereichen besonders gefragt.
  • Den größten Anteil an Patentanmeldungen freier Erfinderinnen und Erfinder verzeichnete das DPMA mit 36,1 Prozent im Techniksektor „Maschinenbau“, gefolgt vom Sektor „Sonstige Gebiete“ (27,2 Prozent), in dem Gesichtsmasken und Schutzkleidung enthalten sind. Auf Rang drei lag der Sektor „Instrumente“ (14,8 Prozent), auf den Rängen 4 und 5 die „Elektrotechnik“ (11,1 Prozent) und die „Chemie“ (10,2 Prozent).
  • Die meisten Anmeldungen kamen aus Bayern (686). Auf Rang 2 lag im Bundesländervergleich Baden-Württemberg (526), auf Rang 3 Nordrhein-Westfalen (500). Legt man die Zahl der Anmeldungen auf die Bevölkerungszahl um, so lag allerdings das kleine Saarland an der Spitze. Aus dem Bundesland kamen im vergangenen Jahr 6,1 Patentanmeldungen pro 100 000 Einwohner. Auf den Plätzen 2 und 3 lagen Bayern (5,2) und Baden-Württemberg (4,7).

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