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1. Anwendertreff Maschinenkonstruktion

„Der Kopf konstruiert, nicht der Computer“

| Autor: Ute Drescher

Konstrukteure stehen auch in Zukunft noch im Mittelpunkt der Entwicklung – als Systemkonstrukteure. Welche Methoden und Tools sie dabei unterstützen, zeigte der 1. Anwendertreff Maschinenkonstruktion.

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Trotz Digitalisierung: Der Mensch steht nach wir vor im Mittelpunkt der Entwicklung.
Trotz Digitalisierung: Der Mensch steht nach wir vor im Mittelpunkt der Entwicklung.
(Bild: J. Pfeiffer/konstruktionspraxis)

Aller Digitalisierung zum Trotz: Der Mensch steht nach wie vor im Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses. Das war eine der zentralen Erkenntnisse des 1. Anwendertreffs Maschinenkonstruktion, der am 5. Juni 2018 in Würzburg stattfand. Gleich zu Beginn machte Prof. Dr. Dr. Albert Albers vom KIT zusammen mit Dr.-Ing. Timo Bursac in seiner Keynote klar: „Der Kopf konstruiert, nicht der Computer.“ Um dabei erfolgreich zu sein, müsse sich der Konstrukteur aber weiterentwickeln zum Systemkonstrukteur. Den beschrieb Albers so: „Der Prototyp eines Systemkonstrukteurs kann methodisch entwickeln, in Blech denken und lernende Algorithmen integrieren.“

Der gut besuchte Kongress beleuchtete die Digitalisierung von zwei Seiten: Es ging sowohl um die Digitalisierung des Engineerings-Prozesses selbst als auch um Konzepte und Lösungen, den Anforderungen nach Verfügbarkeit, Effizienz und Flexibilität moderner Maschinen in Zukunft nachzukommen. Zu letzteren zählen etwa Predictive-Maintenance-Lösungen, die die Verfügbarkeit der Maschine erhöhen, Antriebslösungen, die die Effizienz steigern, oder neue Transportlösungen, die die Produktion flexibler denn je machen.

Neue Methoden erfordern Mut

Dass dabei der Mensch im Mittelpunkt steht, unterstrich auch Dr.-Ing. Christian Tschirner, Fraunhofer IEM (jetzt Two Pillars) und betonte, dass der Konstrukteur aber den Mut haben müsse, neue Methoden und Tools einzusetzen: „Wenn wir ähnlich kritisch bei der Entwicklung des Autos gewesen wären, würden wir heute nämlich noch in Kutschen fahren.“

Zu den Tools, die helfen, den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und dabei gleichzeitig die Qualität der Entwicklung zu erhöhen, gehören heute vor allem die Simulation und der Einsatz des digitalen Zwillings. wie u.a. Dr. Stefand Benk von Phoenix Contact am Beispiel der Entwicklung eines Relais gemeinsam mit Christof Gebhardt von Cadfem zeigte.

Für die Produktion individualisierter Produkte zu Serienbedingungen gibt es heute erste Lösungen am Markt, darunter das Transportsystem Acopostrak von B&R, das dieses Ziel mit hoher Geschwindigkeit und vor allem wirtschaftlich ermöglicht. Damit lassen sich Materialströme zusammenführen, Losgrößen kombinieren oder Vorrichtungen in das System einschleusen, ohne die Maschine zu stoppen.

Große Beachtung fand auch der Vortrag von Frank Maier, der aufzeigte, wie der Engineering-Aufwand gerade im Bereich der Software mit Individualisierung der Produkte und Flexibilisierung der Produktion steigt. Der gleichzeitig wachsende Mangel an Fachkräften wird vor diesem Hintergrund in den nächsten Jahren immer mehr Brisanz erhalten, prognostizierte der Entwicklungschef von Lenze. Für Maier ist die Formel klar: Mehr Aufwand bei weniger Ressourcen zwingt zu einer drastischen Erhöhung der Effizienz des Engineering. Die wirksamste Mittel der Effizienzsteigerung seien Standardisierung und Wiederverwendung. (ud)

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Über den Autor

 Ute Drescher

Ute Drescher

Chefredakteurin, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht