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Brexit

Der EU-Austritt Großbritanniens trifft die deutsche Medtech-Industrie

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Der Brexit und die EU-Medizinprodukteverordnung

Yvonne Glienke aus dem Vorstand des Medizintechnik-Clusters Medical Mountains vertritt Medtech-Unternehmen und deren Zulieferer im Raum Tuttlingen. Auch sie spricht von der Abwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Euro, wie sie am Wochenende schon an den internationalen Börsen und Märkten zu beobachten war. Unsicherheit und ein Rückgang an Investitionen gingen damit einher, aber „deutlich spürbare wirtschaftliche Auswirkungen sehe ich erst mittel- bis langfristig auf unsere Medizintechnik-Unternehmen zukommen.“ Welche das genau sind? „Durch die Abwertung des Pfunds steigen dort die Preise für deutsche Produkte. Es kann zu einer spürbaren Absatzsenkung kommen, die das Wachstum unserer Unternehmen mittel- bis langfristig ausbremst. Außerdem drohen teure Handelszölle und mehr Bürokratie.“

Im Hinblick auf die neue EU-Medizinprodukteverordnung bedauert Glienke: „Gerade jetzt, wo die EU nach langjährigen Verhandlungen mit der neuen Medizinprodukteverordnung einheitliche Anforderungen für die Zulassung und Herstellung von Medizinprodukten geschaffen hat, die den freien Verkehr von Medizinprodukten weiter erleichtern soll, ist es geradezu widersinnig, dass sich unsere Unternehmen bezüglich Großbritannien – einem der wichtigsten Märkte für unsere Branche – auf langwierige Neuverhandlungen von überhaupt grundlegenden Handelsbeziehungen einstellen müssen.“

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In diesem Zusammenhang warnt Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer im Fachverband Elektromedizinische Technik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) vor einem Mehraufwand bei der Verwaltung für deutsche und britische Medizintechnikunternehmen. „EU-Hersteller könnten sich möglicherweise mittelfristig einem eigenen britischen Zulassungssystem für Medizinprodukte gegenüber sehen, wenn es nicht gelingt, eine Vereinbarung über den Zugang zum Europäischen Binnenmarkt zu verhandeln beziehungsweise Großbritannien die CE-Kennzeichnung als Kriterium für den Marktzugang nicht länger anerkennt.“ Ein eigenes britisches Zulassungssystem wäre, so Bursig, unabhängig von den inhaltlichen Anforderungen, alleine durch die zusätzliche Bürokratie für EU-Hersteller das ungünstigste Ergebnis. Des Weiteren sei abzuwarten, ob beispielsweise Konsequenzen in Sachen Zoll- oder Zollformalitäten drohten.

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 Kathrin Schäfer

Kathrin Schäfer

Redakteurin