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E-Nutzfahrzeuge Der elektrische LKW kommt

| Autor: M.A. Bernhard Richter

E-Nutzfahrzeuge wie LKWs, Zugmaschinen, Omnibusse oder Tankwagen sind auf den Straßen kaum existent – das liegt an Kosten und Reichweite. Doch das ändert sich gerade.

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Tesla und andere Hersteller elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge wollen im Revier der traditionellen LKW-Hersteller räubern.
Tesla und andere Hersteller elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge wollen im Revier der traditionellen LKW-Hersteller räubern.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Die EU und die Bundesregierung haben mit der Initiative „Green Label“ und der „Energieeffizienzstrategie 2050“ politisch vorgegeben, dass CO2-Emissionen deutlich zu reduzieren sind. Diese Vorgaben werden die technischen Entwicklungen bei Nutzfahrzeugen in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich wesentlich beeinflussen. Hocheffiziente Antriebssysteme, alternative und hybride Antriebe werden zunehmend eingesetzt. Zum 1. Januar 2020 waren laut Kraftfahrbundesamt (KBA) in Deutschland allein 54.839 Lastkraftwagen mit alternativem Antrieb zugelassen. Davon 24.380 mit rein elektrischem Antrieb.

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Eine beeindruckende Zahl, die allerdings gegenüber der Anzahl an konventionell dieselbetriebenen LKWs beinahe schon lächerlich klein wirkt. Zum Vergleich: 2019 hatte der Bestand an LKW mit Diesel-Motor eine Größe von rund drei Millionen Fahrzeugen erreicht.

Man muss sich bewusst machen, dass die Nutzung von E-Antrieben bei Nutzfahrzeugen noch in den Kinderschuhen steckt. Im Jahre 2019 waren in Deutschland beispielsweise nur 154 Batterieelektro-Busse in den Städten unterwegs. Den größten Teil (593 Stück) nahmen immer noch Hybrid-Busse ein.

Auch und vor allem im Güterverkehr steht die E-Mobilität also noch ganz am Anfang. Der Anteil von Fahrzeugen mit Elektroantrieb am LKW-Bestand sowie den Neuzulassungen liegt, sieht man sich die Zulassungszahlen des KBA an, auf einem vergleichbaren Niveau wie auf dem PKW-Markt, jedoch ist das fast ausschließlich auf Kleintransporter wie den Streetscooter von DHL zurückzuführen.

Was die Zukunft bringt

Dennoch gibt es mittlerweile eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Herstellern, die den Markt an „großen“ LKW umkrempeln wollen – das bekannteste Unternehmen ist Tesla. Das US-amerikanische Unternehmen hat schon 2017 einen Prototypen vorgestellt. Der 40-Tonner mit dem Namen Semi soll eine Reichweite von 800 km haben und nach mehrmaligen Verschieben der Markteinführung durch die Corona-Krise ab 2021 verfügbar sein.

In direkter Konkurrenz zu Tesla steht die Nikola Motor Company – allein der Name ist wohl eine Kampfansage. Auch die Zugmaschinenmodelle sind als direkter Angriff auf Tesla zu sehen: 2018 angekündigt und ebenfalls 2021 verfügbar soll der Nikola Tre sein. Der 40-Tonner wird eine rein elektrische Leistung von bis zu 480 kW (650 PS) und eine Reichweite von 400 km haben. Nikola Motors ist ein Joint Venture mit dem deutschen Hersteller Iveco eingegangen und wird die Fahrzeuge aller Voraussicht in Ulm produzieren.

Auch der deutsch-schweizerische Hersteller Liebherr hat ein Elektro-Nutzfahrzeug in der Flotte: Anfang des Jahres stellte das Unternehmen seinen bis 40 t zugelassenen Voll-Elektro-Beton-Fahrmischer vor. Der Mischer kann bis zu 12 m³ Beton laden und hat eine elektrische Leistung von 680 PS. Die Reichweite sei kein Problem, sagt Liebherr, denn die Entfernungen zwischen Mischwerk und Baustelle seien meist überschaubar. Noch dieses Jahr werden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden.

Zu den Risiken und Nebenwirkungen

„Lokal emissionsfrei“ – Marketing-Sprech für: der Dreck ist woanders. So schön umweltfreundlich wie angepriesen ist auch die E-Mobilität nicht – weder PKW noch LKW. Denn bedacht werden muss in Zukunft auch, aus welchen Quellen der geladene Strom kommt, wie lange die Antriebsbatterie hält, wie teuer (und gefährlich) ein Batteriedefekt ist, wie die Batterie entsorgt werden kann und – gibt es überhaupt genug Lithium und Kobalt? Eins ist aber sicher: Ein E-Fahrzeug besteht aus zehnmal weniger Teilen als ein herkömmliches, ist wesentlich weniger wartungs-und reparaturanfällig und kommt nahezu ohne umweltbelastende Schmierstoffe aus.

Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie mir! bernhard.richter@vogel.de

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Über den Autor

M.A. Bernhard Richter

M.A. Bernhard Richter

Redakteur Online/Print/Video, konstruktionspraxis – Alles, was der Konstrukteur braucht