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Schnittstellen im Engineering, Teil 4

Das Schnittstellen-Durcheinander klein halten

| Autor/ Redakteur: Andreas Loebner / Dipl.-Ing. (FH) Monika Zwettler

Dieser Teil unserer Serie „Schnittstellen im Engineering“ beschäftigt sich damit, wie mit Problemen bei Änderungen während des Projektablaufs über Schnittstellen hinweg verfahren werden kann.

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Schnittstellen machen im Engineering häufig Probleme. Unsere Serie dazu beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten - im vierten Teil wird gezeigt, wie sich Änderungen während des Projektablauf auswirken.
Schnittstellen machen im Engineering häufig Probleme. Unsere Serie dazu beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten - im vierten Teil wird gezeigt, wie sich Änderungen während des Projektablauf auswirken.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

In den vorangegangenen drei Folgen der Serie „Schnittstellen im Engineering“ haben wir, abgeleitet von verblüffenden Unterschieden in vier europäischen Sprachen des deutschen Begriffes „Schnittstelle“, einige Überlegungen angestellt, wie Schnittstellen zu Projektbeginn gut „aufgegleist“ werden. Nun kommen wir, wieder nur punktuell, zu Störungen an Schnittstellen während des Projektablaufs.

Detailprobleme bei der Schnittstellenfestlegung: Wer liefert was?
Detailprobleme bei der Schnittstellenfestlegung: Wer liefert was?
(Bild: A. Loebner)

Beispiel zum Umgang mit Änderungen

Bei Änderungen während des Engineerings über Fachabteilungen hinweg erhöht sich, nicht zuletzt wegen des Termindrucks, die Schnittstellenproblematik. Dazu ein Beispiel: An einem Apparat muss ein zusätzliches Messgerät angebracht werden. Die Anlagenplanung sei in der Detaillierungsphase. Der Spezialist für die Anlagensteuerung ändert das R&I-Schema. Danach stehen drei Wege offen:

  • „Schnittstelle“: Er schickt „Sein“ R&I-Schema zusammen mit dem Datenblatt des Messgerätes zum Anlagenplaner (cc. Projektleiter) mit der impliziten Botschaft: „Mach mal“ („throw over the wall“-Vorgehen [4]).
  • „Interface“: Er schickt das R&I-Schema zusammen mit dem Datenblatt des Messgerätes zum Anlagenplaner mit dem Hinweis auf einen baldigen Telefonanruf. Bei diesem erläutert er ihm die Gründe für das zusätzliche Messgerät.
  • „Punto di incontro“: Er sendet das R&I-Schema zusammen mit dem Datenblatt des Messgerätes zum Anlagenplaner und zum Stahlbauer mit einem Terminvorschlag für eine Besprechung. Bei dieser werden die Notwendigkeit, Funktion, Einbautücken etc. des zusätzlichen Messgerätes erläutert, mögliche Anbaupositionen und die Zugänglichkeit besprochen und diese dann gemeinsam festgelegt.

Frühzeitige Kommunikation beugt Problemen vor

Je kritischer die Situation, in der eine Änderung nötig ist, desto wichtiger wird, über die Weitergabe des bloßen Sachverhalts hinaus, der Beziehungsaspekt der Kommunikation zwischen den Beteiligten. Im frühen Projektstadium wird das Gesamtprojekt in die einzelnen Gewerke unterteilt. In der Regel werden die Schnittstellen dabei mit grober Auflösung festgelegt. Wird die Präzisierung der Schnittstellen im Weiteren unterlassen, so tritt dieser Mangel bei der Anlagenmontage rücksichtslos fordernd zu Tage. Oft geht es „nur“ um wertmäßig unbedeutende Teile wie Dichtungssätze samt Schrauben etc. Ein nicht weiter erläutertes Beispiel zeigt das Bild. Jedes der dargestellten Varianten hat Vor– und Nachteile, bringt Kostenverschiebungen mit sich und birgt mehr oder weniger große Risiken der Nicht– oder Fehllieferung. Die Praxis zeigt, dass frühe übergreifende Festlegungen basierend auf den Leitdokumenten das Durcheinander klein halten.

In dieser Folge zum Thema Schnittstellen beim Engineering wurde stillschweigend davon ausgegangen, dass die gemeinsam an einer Schnittstelle arbeitenden Unternehmen in irgendeiner Form vertraglich aneinander gebunden sind. In der fünften und letzten Folge werden wir noch zeigen, was passieren kann, wenn diese Bedingung nicht gegeben ist. (mz)

(Die Literaturangaben finden Sie zusammengefasst in der fünften und letzten Folge unserer Serie.)

* Andreas Loebner, freier Autor, Bern

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