Arbeitsmarkt Corona sorgt für Ende des Ingenieurbooms

Redakteur: Katharina Juschkat

Corona hat die Nachfrage am Arbeitsmarkt stark verändert. Während Gesundheits-, Handwerks- und IT-Berufe stark gefragt sind, scheint der Ingenieurboom beendet: Nur jede zwanzigste Stellenanzeige richtet sich an Ingenieure.

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Der Ingenieurboom scheint zu Ende.
Der Ingenieurboom scheint zu Ende.
(Bild: ©TMLsPhotoG - stock.adobe.com)

Die Corona-Pandemie hat nicht nur das gesellschaftliche Leben auf den Kopf gestellt, auch auf dem Arbeitsmarkt hat die Pandemie viel verändert: Während – wenig verwunderlich – Gesundheits- und Pflegeberufe in der Nachfrage weit nach vorne gerutscht sind, scheint der Ingenieurboom beendet.

Nur jede zwanzigste Jobanzeige sucht Ingenieure

Der Dekra-Arbeitsmarktreport untersucht jedes Jahr, welche Fachkräfte am häufigsten gesucht werden. Ein Ergebnis: Der Anteil an Ingenieurstellen ist in diesem Jahr so niedrig wie nie seit Erhebungsbeginn im Jahr 2008 – sowohl was das Berufsfeld Entwicklung (25,5 %) als auch die Gesamtstichprobe betrifft. Nur noch gut jede zwanzigste Offerte richtet sich an Jobsuchende, die einen Abschluss im Ingenieurwesen haben.

Eindeutig am besten schneiden hier Bauingenieure ab: Eine von drei Ingenieurstellen geht an sie – im vergangenen Jahr war es noch jede vierte Stelle. Zum ersten Mal seit 2018 befinden sich damit wieder Ingenieure unter den zehn am häufigsten gesuchten Berufen. Die Fachrichtungen Elektrotechnik (21 %) sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik (14 %) folgen mit großem Abstand. Beide liegen momentan so weit hinten wie nie: Im Gesamtranking belegen Ingenieure in der Elektrotechnik Platz 23 und im Maschinen- und Fahrzeugbau Platz 33.

Der Dekra-Report schiebt diese Entwicklung auch auf die wirtschaftliche Gesamtsituation in der Industrie. Auch eine Rolle spielt der Strukturwandel der klassischen Ingenieurbranche, der schon vor Corona einen Nachfragerückgang auslöste: Bis ins Jahr 2013 hielten sich IT- und Ingenieurgesuche im Berufsfeld Entwicklung noch mehr oder weniger die Waage. Seitdem verändern sich die Anteile aber eindeutig zugunsten der IT-Fachkräfte. Allerdings dürften sich ihre Kompetenzen teilweise aufeinander zubewegen, so der Report, da Hard- und Software beispielsweise in der Elektrotechnik oder im Maschinenbau immer enger zusammenspielen.

Weitere Entwicklungen: Gesundheits-, Handwerker- und IT-Berufe profitieren

Die zehn am häufigsten gesuchten Berufe 2021
Die zehn am häufigsten gesuchten Berufe 2021
(Bild: Dekra Akademie)

Erstmals befinden sich drei Berufe aus dem Gesundheits- und Pflegebereich unter den Top-Ten-Berufen, wogegen der Bedarf an Vertriebsmitarbeitern verhaltener als früher ist. Das Bauwesen zeigte sich insgesamt wenig beeindruckt von der Pandemie, wovon insbesondere die Handwerksberufe unter den Top-Ten-Berufen profitieren. Elektroniker sind an die Spitze aller Berufe zurückgekehrt, sie kommen sowohl in der Industrie als auch im Handwerk zum Einsatz. Auch Sanitärbetriebe partizipieren am Bau- und Sanierungsboom und benötigen dringend Personal. Bauprojekte sind komplex, denn alle Gewerke müssen koordiniert ineinandergreifen und ihre Arbeit kontrolliert werden. Jobsuchende mit Ambitionen auf eine Bauleitung können momentan aus so vielen Angeboten wählen wie nie.

Entwicklung der Top-5-Tätigkeitsfelder
Entwicklung der Top-5-Tätigkeitsfelder
(Bild: Dekra Akademie)

Jede zehnte Offerte in der Stichprobe richtet sich an IT-Fachkräfte. Nur 2018 lag der Anteil an Stellenangeboten in diesem Einsatzbereich noch höher. Unternehmen suchen weiterhin besonders oft Mitarbeitende für die Softwareentwicklung, auch wenn diese es aktuell ‚nur‘ auf den fünften Platz geschafft haben. Außerdem ist in diesem Jahr die Expertise von Systemadministratoren besonders gefragt: Der Beruf hat Plätze wettgemacht und liegt aktuell auf Position 11 (2020: 18). Vermutlich hat dabei eine Rolle gespielt, dass viele Beschäftigte im Homeoffice arbeiten und die Betreuung der IT-Systeme dadurch aufwendiger geworden ist.

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