Positionspapier Bedeutung von Normen und Standards schärfen

Redakteur: Dipl.-Ing. Dorothee Quitter

Normen und Standards sind ein Instrument, um Forschungsergebnisse und Know-how in erfolgreiche Produkte zu verwandeln. Doch viele Unternehmen lassen das Potenzial einer Mitgestaltung ungenutzt. Die Fraunhofer-Gesellschaft will Politik und Wirtschaft für dieses Thema sensibilisieren und legt ein Positionspapier inklusive Handlungsempfehlungen für den Deutschen Bundestag vor.

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Hauptstadtbüro der Fraunhofer-Gesellschaft
Hauptstadtbüro der Fraunhofer-Gesellschaft
(Bild: Fraunhofer)

Nach Angaben der Fraunhofer-Gesellschaft agieren deutsche Unternehmen sehr zögerlich, wenn es darum geht, sich an Prozessen zur Standardisierung und Normung innovativer Technologien zu beteiligen. Angesichts der zentralen Bedeutung von Standards für ein global erfolgreiches Wirtschaftssystem sei das eine alarmierende Entwicklung. Denn Standards und Normen sorgen in allen Branchen für den Transfer von Forschungsergebnissen und Technologie-Know-how in qualitativ hochwertige, sichere und marktfähige Produkte, heißt es. Sie sollen zudem gewährleisten, dass Produkte miteinander kompatibel sind. Das wiederum erleichtert es Unternehmen, ihre Technologien schneller auf dem internationalen Markt zu platzieren.

Positionspapier zeigt Lösungswege auf

Da die Politik das Thema bislang unterschätze, hat die Fraunhofer-Gesellschaft ein Positionspapier für den Deutschen Bundestag erstellt. Es soll bei den politisch Verantwortlichen das Bewusstsein für die enorme Bedeutung von Standards für Wirtschaft und Gesellschaft schärfen. Es enthält folgende zwölf Handlungsempfehlungen für politische Maßnahmen:

Erkennen

  • Politische Entscheider müssen sich der erheblichen volkswirtschaftlichen Bedeutung von Normen und Standards bewusst werden.
  • In jeder Strategie zur Förderung von Zukunftstechnologien (u. a. Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Wasserstoff-Technologien) sollte die Standardisierung ein fester Bestandteil sein.
  • Normung muss in Förderprogrammen für nachhaltige Technologien und Verfahren berücksichtigt werden.

Schützen

  • Deutsche Experten sollten dabei unterstützt werden, nationale und europäische Interessen in der internationalen Normung zu vertreten, z.B. indem normungsbedingte Kosten in Unternehmen als förderfähige Forschungs- und Entwicklungskosten qualifiziert werden.
  • Deutschland sollte politische Prioritäten strategisch in der internationalen Normung unterstützen, z. B. durch finanzielle Förderung der deutschen Projektleitung und Beteiligung in den identifizierten Bereichen.

Fördern

  • Die Forschungspolitik sollte die Standardisierung in Technologieförderprogramme integrieren (z.B. verpflichtende Normenrecherche).
  • Die Mitarbeit von Wissenschaftlern und KMU in der Standardisierung muss stärker gefördert werden.
  • Normen und Standards sollten als Ergebnisse von Forschungsprojekten gleichwertig wie Publikationen und Patente behandelt werden.
  • Die Bildungspolitik sollte Standardisierung in Ausbildung sowie wirtschafts- und techniknahen Studiengängen berücksichtigen.

Gestalten

  • Es muss eine Novellierung des normungspolitischen Konzepts der Bundesregierung von 2009 angestoßen werden, diese ist essentiell, um neue politische und technische Herausforderungen zu adressieren.
  • Zirkuläre Geschäftsmodelle sollten durch Normen und Standards vertrauensbasiert, zukunftsorientiert und transparent ermöglicht und durch Setzen eines geeigneten Regelungsrahmens gefördert werden.
  • Aktives Sensibilisieren der Relevanz auf europäischer Ebene.

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