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Beruf Ausbildung trotz Corona – wie das gelingen kann

| Redakteur: Katharina Juschkat

Wie funktioniert die Ausbildung zu Zeiten des Coronavirus? Die Nachwuchsstiftung Maschinenbau bietet eine digitale Lernplattform kostenlos an, und EBM-Papst setzt auf abwechselnde Anwesenheit.

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Bei EBM-Papst arbeiten die Auszubildenden in Schichten.
Bei EBM-Papst arbeiten die Auszubildenden in Schichten.
(Bild: Philipp Reinhard)

Die Corona-Krise trifft zur Zeit alle hart – geschlossene Betriebe, Kurzarbeit, Stellenabbau. Wie kann dabei noch die Ausbildung organisiert werden? Peter Bauer, Ausbildungsleiter bei Schenck Process Europe in Darmstadt, sagt: „Wir suchen nach Möglichkeiten, unseren Auszubildenden trotz dieser sehr herausfordernden Situation Ausbildungsinhalte unabhängig vom Lernort-Betrieb bereitzustellen.“

Lernplattform wird kostenlos

Die Nachwuchsstiftung Maschinenbau fördert aktuell mit der Lernplattform „MLS – Mobile Learning in Smart Factories“ das digitale Lernen in der Ausbildung. MLS gibt es bereits seit 2018, aber jetzt stellt die Stiftung die Online-Plattform für Ausbildungsinstitutionen und -betriebe bis zu den Sommerferien kostenfrei bereit. Mit großem Erfolg: Schon in der ersten Woche stieg die Anzahl der täglichen Nutzer um 600 Prozent.

Der akute Bedarf hat die Nachwuchsstiftung dazu bewogen, ihre Online-Plattform allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung zu stellen. „Als Nachwuchsstiftung Maschinenbau sehen wir uns in der Verantwortung, unsere Unternehmen und ihre Auszubildenden in dieser schwierigen Situation aktiv zu unterstützen“, erklärt NWS-MB-Standortleiter Andre Wilms.

Lernfortschritte dokumentieren

Hintergrund der MLS-Plattform ist es, die Berufsausbildung zu vereinfachen und zu digitalisieren. Mit wenigen Klicks können Ausbilder Aufgaben erstellen, die individuell auf die Bedarfe ihrer Azubis zugeschnitten sind. Mit Lernzielkontrollen – etwa Multiple-Choice-Tests, Fachbegriffsabfragen und Lückentexten – besteht die Möglichkeit, den Lernfortschritt zu überprüfen und zu dokumentieren. Dies vereinfacht die Betreuung der Auszubildenden und schafft zeitliche Ressourcen im Ausbildungsalltag.

Die Plattform wurde 2018 veröffentlicht, seitdem setzen mehr als 100 Unternehmen und Berufsschulen auf MLS. Von der Idee, die Plattform bis zum Sommersemester kostenfrei zur Verfügung zu stellen, sind viele Unternehmen begeistert, berichtet die Stiftung. Erwin Krajewski, Leiter der Berufsausbildung bei der Voith Group in Heidenheim, schrieb beispielsweise: „Liebe Kolleginnen und Kollegen der Nachwuchsstiftung Maschinenbau, das ist eine Superidee von euch. Herzlichen Dank im Namen meiner Ausbildermannschaft. Wir werden eure Plattform in den kommenden Wochen ausgiebig nutzen.“

Wie Ventilatorenspezialist EBM-Papst die Ausbildung aufrechterhält

Die weltweite Corona-Pandemie ist auch für EBM-Papst eine große Herausforderung. Während insbesondere die Verwaltungsbereiche u.a. wegen Kurzarbeit nur eingeschränkt arbeiten, geht die Ausbildung bei dem Ventilatorenspezialisten in vollem Umfang weiter. Dabei setzt EBM-Papst auf eine Mischung aus digitalen Lernplattformen und A-/B-Teams. Insgesamt gibt es bei EBM-Papst deutschlandweit rund 400 Auszubildende, etwa 250 davon am Hauptsitz in Mulfingen.

Ausbildungsleiter Bernd Ludwig erzählt: „Die Ausbilder haben sich in A- und B-Teams aufgeteilt, damit eine durchgehende Betreuung der Auszubildenden gewährleistet ist, selbst wenn wir einen Infektionsfall bekommen sollten. Dann haben wir gemeinsam definiert, wie wir auch unsere Azubis schützen und ihnen die zeitweise Arbeit von zuhause aus ermöglichen können.“

Abwechselnde Anwesenheit für die Auszubildenden

Neben der Installation einer digitalen Lernplattform hat das Unternehmen auch seine Auszubildenden in A- und B-Teams aufgeteilt. Das bedeutet, die kaufmännischen Auszubildenden sind jeweils eine Woche in ihrer Abteilung, die andere Woche zuhause. Die technischen Auszubildenden sind im Wechsel eine Woche in der Lehrwerkstatt und eine Woche zuhause. Für die Zeit, in der sie nicht an ihrem Arbeitsplatz sind, erhalten beide Gruppen Arbeitspakete. Die technischen Auszubildenden nehmen neben theoretischen Übungen auch praktische Aufgaben mit nach Hause.

Ermöglicht wird dieses Konzept auch von den Berufsschulen, die zwar den klassischen Unterricht einstellen mussten, aber trotzdem weiterhin dafür sorgen, dass die Ausbildungsinhalte auch theoretisch vermittelt werden. „Die Berufsschulen haben sich wirklich schnell auf die neue Situation eingestellt“, sagt Bernd Ludwig. „Die Lehrer haben in Rekordgeschwindigkeit digitale Lernmaterialien für die Schüler erarbeitet und stehen zu den üblichen Unterrichtszeiten zur Verfügung, um unsere Azubis durch den Stoff zu begleiten.“ Auf diese Weise soll ein regulärer Ausbildungsabschluss auch in Zeiten von Corona ermöglicht werden.

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