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Studie

Additive Fertigung – Chance oder Bedrohung für Unternehmen?

| Redakteur: Lilli Bähr

Wie additive Fertigungsverfahren von deutschen Ingenieuren wahrgenommen werden und welche Auswirkungen sie auf ihre Handlungsintentionen haben, untersucht eine neue Studie des VDI und der RWTH Aachen.

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Der 3D-Druck hat das Potenzial viele konventionelle Fertigungsprozesse zu ersetzen. Eine neue Studie untersucht, wie Ingenieure damit umgehen.
Der 3D-Druck hat das Potenzial viele konventionelle Fertigungsprozesse zu ersetzen. Eine neue Studie untersucht, wie Ingenieure damit umgehen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die neue Studie „Das Potenzial der additiven Fertigung: Digitale Technologien im Unternehmenskontext“ des VDI und der RWTH Aachen zeigt: Die additive Fertigung (Additive Manufacturing, AM) ist in Deutschland als Hilfsmittel bei der Produktentwicklung im Alltag angekommen.

An der Umfrage waren 560 Ingenieure (VDI-Mitglieder) aus einer breiten Anzahl an Branchen zwischen 25 und 64 Jahren beteiligt. Ein hoher Anteil kommt aus dem Anlagen-, Maschinen- sowie dem Fahrzeugbau. Die Befragten sind hauptsächlich in KMUs und Großunternehmen tätig.

3D-Druck gewinnt zunehmend an Bedeutung

Additive Fertigung, umgangssprachlich auch als 3D-Druck bekannt, gewinnt zunehmend an Bedeutung und ist ein Beispiel für eine potenziell disruptive Technologie. Neben verschiedenen industriellen Anwendungen wie der Fertigungsindustrie, spielt sie auch im alltäglichen Konsumentenleben eine Rolle.

Der 3D-Druck hat das Potenzial viele konventionelle Fertigungsprozesse zu ersetzen und kann neue Geschäftsmodelle, neue Produkte und neue Lieferketten ermöglichen.

Was ist eine disruptive Technologie?

Als disruptiv bezeichnet man neue Technologien, die die Erfolgsserie etablierter Technologien und Verfahren unterbrechen bzw. auf lange Sicht ersetzen. Oft sind sie zunächst qualitativ schlechter als ihre Vorgänger, übertreffen diese dann aber in bestimmten Aspekten.
Beispielsweise ersetzte CAD das technische Zeichnen und die DVD verdrängte das VHS-Videoband.

Einsatz an vielen Stellen der Wertschöpfungskette

Rund 72 % der der 560 Umfrageteilnehmer setzen AM für die Fertigung von Prototypen und Pilotserien ein. Weitere 16 % prognostizieren eine Anwendung innerhalb von zwei Jahren. Über ein Drittel der Befragten arbeitet bei AM-Projekten mit externen Dienstleistern zusammen. Die Hälfte kann sich vorstellen, externe Unterstützung in den nächsten zwei Jahren zu beauftragen.

Bereits knapp 13 % der Befragten nutzen die additive Fertigung in ihrem Unternehmen für die Produktion kompletter Endprodukte. Weitere 17 % können sich vorstellen, dass das innerhalb der nächsten zwei Jahre der Fall sein wird. Ein Drittel gibt zudem an, dass bereits additiv gefertigte Komponenten in ihren Produkten sind, und ein weiteres Drittel nimmt an, dass das in absehbarer Zeit der Fall sein wird.

Die Umfrage zeigt außerdem, dass die Befragten den 3D-Druck nicht nur für die Produktion von Prototypen, Produktteilen oder vollständigen Produkten nutzen, sondern sie diese auch für die Herstellung von Fertigungswerkzeugen und Montagetools einsetzen. Ein Drittel der Befragten gibt an, dies bereits implementiert zu haben. Insgesamt kann sich über die Hälfte der Befragten die Nutzung von AM dafür konkret vorstellen. Den Nutzen für das Ersatzteilmanagement haben über 20 % der Teilnehmer schon in die Praxis umgesetzt. Weitere 24 % sehen hier in den nächsten zwei Jahren Potenziale.

Chance oder Bedrohung für Unternehmen?

Trotz des Potenzials und der breiten Anerkennung in der Forschung und unter Experten variiert laut Studie die Bewertung von AM in Unternehmen und Organisationen sehr. Einige sehen die additive Fertigung als Chance für neue Produkte und Prozesse. Als Chance für völlig neue Geschäftsmodelle sehen es etwas über 60% der Befragten. Nur relativ wenige glauben, dass AM ihr bestehendes Geschäftsmodell essentiell bedrohen kann.

Ein Großteil der befragten Ingenieure ist bereit für den Fortschritt von AM und der Adoption zu handeln. Die Studie zeigt außerdem, dass junge Mitarbeiter mit weniger Arbeitserfahrung in der additiven Fertigung eher Chancen sehen, wohingegen Mitarbeiter mit mehr Berufserfahrung eher dazu tendieren, eine Bedrohung wahrzunehmen.

Additive Fertigung ist in Unternehmen angekommen

Die 560 befragten Mitglieder des VDI sehen im 3D-Druck wenig Bedrohung für bestehende Geschäftsmodelle und halten es auch für wenig wahrscheinlich, dass diese gar angepasst werden müssen. Es werden eher positive Aspekte und neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle gesehen. Die additive Fertigung ist also in den Unternehmen angekommen und die Ingenieure wissen, damit umzugehen.

Die neue Studie „Das Potenzial der additiven Fertigung: Digitale Technologien im Unternehmenskontext“ ist kostenfrei downloadbar.

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