Industrie-4.0-Barometer 8 Handlungsempfehlungen für eine digitale Zukunft

Redakteur: Katharina Juschkat

Das Industrie-4.0-Barometer zeigt, wie weit die digitale Transformation in deutschen Unternehmen fortgeschritten ist. Viele setzen auf Effizienzsteigerung statt neuer Geschäftsmodelle, kritisiert die Studie – und gibt acht Handlungsempfehlungen für eine digitale Zukunft.

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Wie weit ist die deutsche Industrie bei der digitalen Transformation? Das Industrie-4.0-Barometer gibt Antworten.
Wie weit ist die deutsche Industrie bei der digitalen Transformation? Das Industrie-4.0-Barometer gibt Antworten.
(Bild: ©Mimi Potter - stock.adobe.com)

Unternehmen, die in der Geschäftsführung genug Digitalisierungskompetenz verankert haben, weisen einen überdurchschnittlichen Digitalisierungsgrad auf – so das Ergebnis aus dem aktuellen Industrie-4.0-Barometer, das MHP und die LMU München jährlich erheben.

Tom Huber, Head of Operations Performance & Strategy bei MHP, merkt an: „Die Ergebnisse lassen aber auch erkennen, dass bei vielen Unternehmen und insbesondere bei DAX-Konzernen der CIO nicht zur Geschäftsführung gehört. Das belegt auch der  DAX30 Digital Monitor‘ der Hochschule FOM.“

Das Industrie-4.0-Barometer

An der Umfrage, die im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal durchgeführt wurde, nahmen über 200 Experten, insbesondere Führungskräfte aus IT- und Fachabteilungen, aus Unternehmen unterschiedlicher Industriezweige im DACH-Raum teil. Im Fokus standen diesmal Cloud Services und die 5G-Technologie. Durchgeführt wurde die Umfrage von der Management- und IT-Beratung MHP zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Effizienzsteigerung statt neue Geschäftsmodelle

Einen positiven Trend gab es im letzten Jahr beim Technologieeinsatz und bei den IT-Infrastrukturen. Große Fortschritte allerdings blieben aus. „Unternehmen fahren auf Sicht und dieses Vorgehen wird durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt“, erklärt Dr. Katharina Hölck, Projektleiterin der Studie und Managerin bei MHP. Eine untergeordnete Rolle spielten für Unternehmen deshalb, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen.

Die Devise lautet momentan Evolution statt Disruption.

Projektleiterin Dr. Katharina Hölck

Automobilindustrie hinkt besonders hinterher

Besonders stark betroffen davon scheint die Automobilindustrie: Das Industrie-4.0-Barometer zeigt, dass neben dem ohnehin schon fordernden Alltagsgeschäft und den Auswirkungen der Corona-Krise letztlich kaum noch Kapazitäten für Innovationen im Industrie-4.0-Bereich bleiben. So geben 74 Prozent der Teilnehmer aus der Automobilbranche an, dass aufgrund des Tagesgeschäfts nicht genügend Kapazitäten für Industrie-4.0-Vorhaben vorhanden sind. In anderen Branchen kommen lediglich 60 Prozent zu dieser Einschätzung.

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Großes Potenzial für die Digitalisierung der industriellen Produktion sehen die Teilnehmer sowohl in Cloud Services als auch in der 5G-Technologie. Beides kann die Basis für bereichsübergreifende Strukturen und Strategien bilden. Allerdings: Der Einsatz dieser beiden Technologien steckt meist noch in den Kinderschuhen – also in der Planungs- und Testphase.

Silodenken behindert digitale Transformation

Prof. Johann Kranz von der LMU erklärt: „Die Antworten legen nahe, dass Industrie 4.0 zu stark von der technischen Seite aus und zu oft lediglich in Silos gedacht wird. Entscheidend für den Erfolg sind aber bereichsübergreifende Strukturen und Strategien.“

Acht Handlungsempfehlungen für mehr Digitalisierung

  • 1. Mehr Digitalverständnis in der Geschäftsführung: Das Management muss den Wert von Industrie 4.0 verstehen und braucht auch eine gewisse Risikobereitschaft, neue Lösungen voranzutreiben.
  • 2. Digitale Lösungen ganzheitlich einsetzen: Für Industrie 4.0 muss ganzheitlich gedacht und auf End-to-End-Lösungen hingearbeitet werden. Nur so kommen die Optimierungspotentiale zum Tragen und Projekte müssen nicht an der Wirtschaftlichkeit scheitern.
  • 3. Kapazitäten für die Digitalisierung schaffen: Das Tagesgeschäft sollte – auch wenn es belastet – neue Vorhaben nicht blockieren. Neue, motivierte Fachkräfte können neue Impulse setzen.
  • 4. Datensilos aufbrechen: Der Datenaustausch muss über Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg möglich werden, um Optimierungspotenziale auszuschöpfen.
  • 5. Effizientes Datenmanagement: Unstrukturierte Datenmengen sollten gezielt verarbeitet und analysiert werden, um neue Potentiale zu heben.
  • 6. Flexible IT-Infrastruktur schaffen und veraltete Systemlandschaften abschaffen: Dadurch steigt die Flexibilität und Skalierbarkeit und Partner können schneller integriert werden.
  • 7. Teams aus allen Bereichen müssen kooperieren: Neue Lösungen können dann effizient eingesetzt werden, wenn bereichsübergreifend zusammengearbeitet wird.
  • 8. Branchenübergreifende Partnerschaften aufbauen: Durch neue Geschäftsmodelle können sich Unternehmen außerhalb ihrer Branche weiterentwickeln.

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